Ein neues Schuhmodell hat den Sportartikelhersteller Adidas in die Defensive gebracht. Der „Oaxaca Slip-On“, entworfen vom US-Designer Willy Chavarria, basiert auf der Form traditioneller Huaraches-Sandalen aus der Gemeinde Villa Hidalgo Yalálag im mexikanischen Bundesstaat Oaxaca. Nach dem Verkaufsstart warfen mexikanische Politiker und Behörden dem Unternehmen kulturelle Aneignung vor.

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Der Abgeordnete Isaías Carranza schrieb auf seinem Social-Media-Kanal, Adidas und Chavarria hätten sich „das einzigartige Design der traditionellen Huaraches Sandale der Menschen aus dem Dorf Hidalgo Yalálag angeeignet“.

Adidas reagiert auf Vorwurf kultureller Aneignung

Der Sportartikelhersteller reagierte umgehend. „Adidas schätzt den kulturellen Reichtum der indigenen Gemeinschaften Mexikos und die Bedeutung ihres handwerklichen Erbes. Der ‚Oaxaca Slip-On‘ wurde von einem Design aus Oaxaca inspiriert, das in der Tradition von Villa Hidalgo Yalálag verwurzelt ist“, teilte der Konzern mit. „Wir entschuldigen uns öffentlich und bekräftigen unser Engagement, mit Yalálag in einen respektvollen Dialog zusammenzuarbeiten, der ihr kulturelles Erbe würdigt.“

Nach Angaben der mexikanischen Regierung erklärte sich Adidas außerdem zu einem Treffen mit Behördenvertretern aus Oaxaca bereit.

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Designer Willy Chavarria räumt Fehler beim „Oaxaca Slip-On“ ein

Auch Chavarria selbst bedauerte sein Vorgehen. „Ich bedauere zutiefst, meinen Entwurf der sogenannten Sneaker-Sandale nicht in direkter und bedeutsamer Zusammenarbeit mit der Gemeinschaft von Oaxaca entwickelt zu haben“, sagte der Designer. Er räumte ein, das Modell werde „nicht dem Respekt und dem kollaborativen Ansatz“ gerecht, den die Gemeinschaft im Dorf Hidalgo Yalálag verdiene.

Chavarria, dessen Vater mexikanischer Abstammung ist, hatte den Schuh gemeinsam mit Adidas unter dem Namen „Chavarria Oaxaca Slip-On“ entworfen.

Huaraches Sandalen auf einem Markt im mexikanischen Bundesstaat Oaxaca
Traditionelle Huaraches-Sandalen auf einem Markt im mexikanischen Bundesstaat Oaxaca – ein Symbol regionaler Handwerkskunst und Identität.© Getty Images | Robert Patrick Briggs

Mexiko: Gouverneur Oaxaca fordert Verkaufsstopp für „Oaxaca Slip-On“

Der Gouverneur des mexikanischen Bundesstaates Oaxaca, Salomón Jara, fand deutliche Worte. „Die Huaraches aus Yalálag sind Teil des kulturellen Erbes dieser Gemeinde, eine Tradition, die von Generation zu Generation weitergegeben wird und ihre Identität widerspiegelt“, sagte er. Dieses Erbe sei „einer unserer größten Reichtümer“ – und man dürfe „nicht zulassen, dass es wie eine Ware behandelt wird“.

Auch das Kultusministerium von Oaxaca schaltete sich ein. Die kommerzielle Nutzung kultureller Elemente ohne Zustimmung indigener Völker sei, so erklärte die Behörde, „eine Verletzung unserer kollektiven Rechte“. Man forderte Adidas auf, den Verkauf des Modells umgehend einzustellen und mit der Yalálag-Gemeinschaft einen Prozess des Dialogs sowie der Wiedergutmachung einzuleiten.

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Adidas-Streit: Präsidentin Sheinbaum fordert Entschädigung

Auch Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum meldete sich zu Wort. Sie bezeichnete das Schuhdesign als „unangemessene kulturelle Aneignung“. Große Unternehmen nähmen Produkte, Ideen und Designs der indigenen Gemeinschaften des Landes, sagte die Staatschefin – „das ist geistiges Eigentum“.

„Es muss eine Entschädigung geben“, forderte Sheinbaum und stellte damit klar, dass sie im Fall des „Oaxaca Slip-On“ nicht nur einen Dialog, sondern konkrete Wiedergutmachung erwartet.

News aus den USA

Modeindustrie: Wiederholte Vorwürfe gegen internationale Konzerne

Der Streit um den „Oaxaca Slip-On“ ist kein Einzelfall. In den vergangenen Jahren standen immer wieder globale Modeunternehmen im Fokus mexikanischer Behörden – darunter der chinesische Onlinehändler Shein, die spanische Modekette Zara und das Modehaus der venezolanischen Designerin Carolina Herrera. Der Vorwurf war stets ähnlich gelagert: Traditionelle indigene Designs seien ohne Absprache übernommen und kommerziell verwertet worden – ohne die beteiligten Gemeinschaften einzubeziehen oder zu entschädigen.

mit dpa