Im Immobilienkatalog des Auktionshauses Sotheby’s findet sich ein ungewöhnliches Verkaufsobjekt: eine Privatinsel, fast 4,5 Quadratkilometer groß, mitsamt den „atmosphärischen Ruinen“ eines Schlosses. Die Insel heißt Shuna, sie kann für 5,5 Millionen Pfund (rund 6,3 Mio. Euro) gekauft werden – was, im Vergleich zu manchen der anderen Herrenhäuser, die das Aktionshaus im Angebot hat, noch relativ günstig ist.

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Allerdings ist die Insel ziemlich abgeschieden: Shuna liegt in den Hebriden, der Inselgruppe an der wilden Westküste von Schottland (Großbritannien). Vom Festland aus ist die Insel innerhalb von 20 Minuten per Boot zu erreichen.
Seit achtzig Jahren gehört Shuna der aristokratischen Familie Gully. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs habe seine verwitwete Großmutter einen Neuanfang machen wollen, sagte Jim Gully gegenüber der BBC. Sie habe einen Immobilienmakler aufgesucht und gefragt, ob er eine Insel zu verkaufen habe. „Ohne dass sie die Insel jemals gesehen hatte, kaufte sie sie und zog mit ihrer Familie um“, erzählt Gully.
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Er und sein Bruder seien auf der Insel aufgewachsen, es sei eine idyllische Kindheit gewesen: sandige Strände, felsige Buchten, Schafzucht – klassische Schottland-Romantik. Morgens wurden sie jeweils in Mathematik und Englisch unterrichtet, am Nachmittag gab es die Insel zu erkunden. Die ersten zehn Jahre wohnte Jim Gully im Schloss, dem imposanten Shuna Castle.
Das Schloss ist einer mittelalterlichen Burg nachempfunden, mit runden Türmen und Brustwehr. Errichtet wurde es 1911 vom neuseeländischen Abenteurer George Alexander MacLean Buckley, der sich einige Jahre zuvor an der legendären Antarktis-Expedition von Polarforscher Ernest Shackleton beteiligt hatte. Der verantwortliche Architekt hatte Pläne, eine Reihe ähnlicher Schlösser in den USA zu bauen – aber er und seine Blaupausen sanken 1912 zusammen mit der Titanic, erzählt Jim Gully.
Auch Shuna Castle begann bald zu bröckeln. In den 1980er-Jahren war die Instandhaltung zu teuer geworden, langsam wurde das Schloss zu einer Ruine. „Als wir anfingen, in den Räumen Möbel herumzuschieben, um Ecken zu finden, wo sie nicht durch den Boden krachten, wussten wir, dass unsere Tage gezählt sind“, sagte Jim Gully.
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Schottland: Insel verfügt über Hubschrauberlandeplatz
Irgendwann zogen die Gullys aufs Festland. Die Verwaltung der sechs Ferienhäuser, die es auf der Insel zu mieten gibt, wurde an eine andere Familie übertragen. Zuletzt waren es Rob und Kathryn James, die in Vollzeit auf Shuna lebten. Aber weil sie nun ihre Tochter in die Schule schicken wollen, werden sie den Job aufgeben und ebenfalls auf Festland umziehen – und die Gullys entschieden sich, die Insel zu verkaufen.
Offenbar hat es bereits mehrere Interessenten gegeben, die einen Kauf erwägen. Laut Sotheby’s eignet sich Shuna perfekt als Boutique-Ferienort oder als „Wellness-Destination.“ Auch ein Renaturierungsprojekt wäre möglich. Gutbetuchte Kaufinteressenten dürften erleichtert sein: Die Insel verfügt auch über einen Hubschrauberlandeplatz.

Mit dem Hubschrauber sei die Insel innerhalb von 30 Minuten vom Flughafen Glasgow zu erreichen, das sagte Tom Stewart-Moore, Leiter des ländlichen Vertriebs der Immobilienagentur Knight Frank, gegenüber CNN. Die britische Agentur hat ebenfalls das Inserat für die Insel auf seiner Webseite gelistet.
Auf der Insel wimmelt es von Tieren
Laut dieses Inserates umfassen die 450 Hektar Land unter anderem 260 Hektar Weideland sowie 120 Hektar einheimischen Wald und Küstenvorland. Dort lebt eine Herde Beulah-Schafe mit etwa 220 Tieren. Die Farm der Insel profitiere zudem von einer staatlichen Agrarförderung. Außerdem wimmele es dort von Wildtieren, unter anderem gebe es Rot- und Damhirsche sowie Adler, Schweinswale und auch Delfine, heißt es.
Das Inserat bei Sotheby‘s spricht von einer praktischen wie auch zukunftsorientierten Infrastruktur. Es soll ein „robustes System erneuerbarer Energien“ geben, das mit Photovoltaikanlagen, Windturbinen, Batteriespeichern und Notstromaggregaten ausgestattet sei.
Shuna wird schon seit sehr langer Zeit von Menschen besiedelt. Grabhügel aus der Stein- und Eisenzeit sowie zerstörte Bauernhöfe und Häuser zeigen, dass seit mindestens 4500 Jahren Menschen auf dieser Insel leben. Im Jahr 1875 wurden auf Shuna drei Schwerter aus der Eisenzeit gefunden, die Teil eines Schatzes aus dem 8. Jahrhundert v. Chr. sein sollen. Die Schotten dürften gespannt verfolgen, wer sich letztlich den Zuschlag für ihre Insel sichert.







