Die Unesco hat die berühmten Märchenschlösser von Bayerns früheren König Ludwig II. zum Weltkulturerbe erklärt. Auf ihrer Sitzung in Paris nahm die Welterbekommission der UN-Kulturorganisation das Schloss Neuschwanstein, die Schlösser Herrenchiemsee und Linderhof sowie das Königshaus am Berg Schachen in die Welterbeliste auf. In Bayern war seit mehr als einem Vierteljahrhundert auf diese Auszeichnung hingearbeitet worden.

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Die prachtvollen Schlösser in idyllischer Umgebung in Oberbayern sind seit nahezu 140 Jahren ein Touristenmagnet. Die Prunkbauten von Ludwig II. lockten im vergangenen Jahr über 1,7 Millionen Besucher an, viele davon Urlauber aus dem Ausland.
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Unesco: Neuschwanstein und weitere Märchenschlösser sind Weltkulturerbe
„Die Aufnahme der Schlösser in die Welterbeliste ist eine herausragende Würdigung dieser eindrucksvollen Orte“, sagte die Präsidentin der Deutschen Unesco-Kommission, Maria Böhmer (CDU). „Sie sind allesamt architektonische Meisterwerke und zeugen von der künstlerischen Vorstellungskraft, aber auch der Exzentrik des Märchenkönigs.“ Die vier Schlösser seien „den Traumwelten Ludwigs II. entsprungen“, seit Samstag zählten sie nun „zum Erbe der gesamten Menschheit“, sagte Böhmer: „Mein herzlicher Dank gilt allen, die sich mit großer Hingabe für diesen Erfolg eingesetzt haben!“
Die Königsschlösser sind laut der bayerischen Schlösserverwaltung bereits seit 2015 offiziell auf der deutschen Vorschlagsliste zum Unesco-Welterbe eingetragen. Sie gehörten zu den weltweit bekanntesten Bauten Deutschlands, hieß es im Antrag für den Welterbe-Titel. Die Schlösser König Ludwigs II. übten auch 150 Jahre nach ihrer Entstehung über alle Kulturgrenzen hinweg eine ungebrochene Faszination aus. Die Staatsministerin im Auswärtigen Amt, Serap Güler (CDU), zeigte sich erfreut über die Aufnahme und lobte zugleich den hohen Denkmalpflege-Standard in Bayern.
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Neuschwanstein diente sogar Walt Disney als Vorbild
Neuschwanstein wurde als erstes der vier Schlösser erbaut und gilt mit seinen romantischen Türmen und seiner exponierten Lage vor dramatischer Bergkulisse als Inbegriff des Märchenschlosses und diente US-Trickfilmzeichner Walt Disney als Vorbild für seine „Cinderella Castle“.

In Linderhof habe Ludwig II. seine Rückzugssehnsucht mit technischen Finessen verbunden, die ihrer Zeit weit voraus gewesen seien, teilte die deutsche Unesco-Kommission weiter mit. Nach zehn Jahren Generalsanierung verfügt das Schloss inzwischen wieder über eine seiner Top-Attraktionen: die berühmte Venusgrotte. Als erster Raum weltweit verfügte sie über farbige elektrische Beleuchtung und ein eigenes Kraftwerk. Maschinen erzeugen Regenbogen und Wellen auf einem unterirdischen See.

Märchenschlösser kosteten dem bayerischen Staat Unsummen
Während das Königshaus am Schachen orientalisches Flair in die Alpen gebracht habe, sei das Neue Schloss auf der Insel Herrenchiemsee im Chiemsee schließlich der Bau gewesen, mit dem sich der König einst finanziell übernommen hat. Vorbild war das Schloss Versailles bei Paris. Das Neue Schloss – in Nachbarschaft zum älteren Schlossbau des Ordens der Augustiner Chorherren – bietet nur vordergründig den Eindruck eines vollständigen Schlossbaus. Touristen erleben bei Führungen auch die unvollendet gebliebenen Bautrakte.

Die Märchenschlösser Ludwigs II. kosteten dem bayerischen Staat seinerzeit Unsummen. Schließlich wurde der König am 12. Juni 1886 für „irre“ erklärt und entmündigt. Wenig später ertrank er unter rätselhaften Umständen im Starnberger See. Nach Ludwigs Tod ließ der Staat umgehend die Schlösser für die Öffentlichkeit öffnen. Die Bürger sollten sehen, was an Geld verschwendet worden war. Doch die Untertanen reagierten begeistert und die Touristen strömen noch immer. Dorthin, wo Ludwig am liebsten ganz allein war. Aus der Fluchtburg ist eine Massenattraktion geworden.
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Insgesamt 54 Welterbestätten in Deutschland
Das begehrte Welterbe-Siegel ist zwar nicht mit einer finanziellen Förderung verbunden, erhöht aber die weltweite Bekanntheit und das Ansehen der ausgezeichneten Kulturstätten, was dem Tourismus zugutekommt. Der Staat verpflichtet sich, Welterbestätten langfristig zu erhalten und zu schützen und muss der Unesco darüber regelmäßig Bericht erstatten.
Weltweit gab es nach Angaben der deutschen Unesco-Kommission vor der diesjährigen Sitzung. 223 Welterbestätten in 168 Ländern. Die meisten sind Kulturdenkmäler wie das mittelalterliche Quedlinburg in Sachsen-Anhalt. Es gibt aber auch Naturerbestätten wie die Grube Messel in Hessen, die durch ihre zahlreichen Fossilienfunde bekannt ist. Insgesamt gab es in Deutschland bislang 54 Welterbestätten, darunter die Altstädte von Lübeck, Stralsund und Wismar, der Kölner Dom, das Wattenmeer und die römischen Grenzanlagen des Limes.
jst/dpa, AFP, KNA, epd







