Er gilt als der bekannteste YouTube-Star des Planeten: „MrBeast“. Kürzlich hat es der schillernde Rekord-Mann international in die Schlagzeilen geschafft – mit zwei höchst „abenteuerlichen“ Videos im Stil von „Indiana Jones“. Worum es bei dem weltweiten Wirbel geht und warum ich den Archäologie-Aufreger mit gemischten Gefühlen verfolge.
MrBeast spielt Archäologe: Wer ist der bekannteste YouTuber der Welt?
Zunächst einmal: Wer steckt überhaupt hinter „MrBeast“? Mit bürgerlichem Namen heißt der US-Amerikaner James „Jimmy“ Donaldson und betreibt den derzeit erfolgreichsten YouTube-Kanal mit sage und schreibe über 409 Millionen Abonnenten. Donaldson ist 27 Jahre alt und auch sein TikTok Kanal ist ganz vorne mit dabei. Hier belegt er international Platz 3 mit über 118 Millionen Followern.

Seine Videos sind in erster Linie an ein junges bis sehr junges Publikum gerichtet. Dabei geht es oft um Wettbewerbe mit hohen Geldgewinnen, Spendenaktionen und um teure Stunts. Zu letzteren zählen auch mehrere als gefährliche Abenteuer inszenierte Videos, die vom Titelbild her stark an „Indiana Jones“ oder die Videospielreihe „Uncharted“ erinnern.
Zwischen Sphinx und Pyramiden: Rekord-YouTuber dreht Abenteuer-Show in Ägypten
Nun aber zu den beiden Aufreger-Videos, die einen archäologischen Hintergrund haben: Das erste davon erschien vor fünf Monaten und hat stand heute 200 Millionen Aufrufe sowie über 100.000 Kommentare. Der deutsche Titel lautet „Ich habe 100 Stunden in den Pyramiden verbracht!“ und dauert rund 20 Minuten. Unter anderem geführt vom bekannten „Indiana Jones von Ägypten“, Dr. Zahi Hawass, besuchten der YouTuber und seine Freunde die berühmten Bauwerke am Rande von Kairo. Die Erlaubnis dafür kam von ganz oben.
Spannende Achäologie-Artikel – für Sie recherchiert
Es ist kein Geheimnis: Die ägyptische Regierung, genauer gesagt das Ministerium für Tourismus und Altertümer, nimmt viel Geld in die Hand, um Werbung für das Land zu machen. In diesem Fall ließen sie sich wohl großzügig bezahlen, denn MrBeast „mietete“ einfach das UNESCO-Weltkulturerbe, um dort ungestört filmen zu können. Natürlich dürfen dabei Alien-Anspielungen seitens des US-YouTubers nicht fehlen, die aber sogleich von den anwesenden Ägyptern stark zurückgewiesen werden.

Im Verlauf des Videos werden Funde und Bauwerke präsentiert, es kommt zu einer kleinen Ausgrabung und Archäologen vermitteln dem Zuschauer Informationen zum alten Ägypten. Natürlich darf – typisch YouTube – auch die ein oder andere Eigenwerbung für Produkte von MrBeast nicht fehlen. Hierfür vergräbt er zusammen mit Dr. Hawass eine goldene Sammelfigur mit einem Brief in einem Schacht unter der Sphinx. Ob nur Show oder nicht – das wirkt doch sehr befremdlich.
Mexiko: Berühmte Tempelpyramide wird zur Kulisse für MrBeast – und falsch bezeichnet
Für das zweite Video, Titel „Ich erkunde 2000 Jahre alte Tempel“, reisen MrBeast und seine Freunde nach Chichén Itzá in Mexiko. Das vor etwa einem Monat veröffentlichte Video hat bereits 92 Millionen Aufrufe gesammelt und dauert nur 15 Minuten. Darin besucht der YouTube-Star wichtige Kultstätten der Maya-Zeit, darunter auch die berühmte Tempelpyramide des Kukulcán (Quetzalcoatl).

Mehrfach wird dieses Bauwerk im Video als eines der „sieben Weltwunder“ bezeichnet – jedoch ohne den Zusatz, dass es sich um eines der 2007 ausgerufenen „Neuen sieben Weltwunder“ handelt. Da kann man vermutlich drüber hinwegsehen, ich persönlich finde es schade vor so einem riesigen Publikum nicht genau zu bleiben. Vom Aufbau ist es sehr nah am Abenteuer-Video aus Ägypten, jedoch bekommen Zuschauer deutlich weniger Informationen vermittelt.
Gegenwind für YouTuber MrBeast: Einheimische und Präsidentin gehen auf die Barrikaden
Nach Veröffentlichung des Videos melden sich zahlreiche aufgebrachte Menschen, darunter vor allem Einheimische, in den sozialen Medien. Sie beschweren sich darüber, dass der reiche Influencer Zugang zu ansonsten streng abgesperrten Bereichen bekommen hat. In Windeseile verbreitet sich das Gerücht, Donaldson hätte sich dieses Recht bei den lokalen, aus Sicht der Kommentatoren, korrupten Verantwortlichen erkauft und illegal gehandelt.
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Was das Ganze tatsächlich bis zur mexikanischen Präsidentin, Claudia Sheinbaum, eskalieren ließ, war allerdings die von MrBeast im Video gezeigte Werbung. Die Staatschefin forderte Aufklärung, unter welchen Bedingungen das Filmrecht ausgestellt worden war. Das Filmen zum Zweck der Dokumentation der Kulturstätten ist in Mexiko mit einer Erlaubnis möglich – strengstens verboten ist es jedoch, diese als Werbekulisse zu nutzen.
Schnell war die Rede von einem Einreiseverbot und einer hohen Strafe für den weltbekannten YouTuber – tatsächlich scheint dieser aber aus dem Schneider zu sein. Ein Verfahren wurde dennoch eingeleitet – aber nur gegen die Produktionsfirma, mit der MrBeast vor Ort arbeitete.
Schande für die Archäologie! Oder doch nicht!?
Was ist nun vom Wirbel um den YouTube-Star zu halten? Als Archäologe freut man sich natürlich, wenn das eigene Fach in den Fokus der Öffentlichkeit rückt – vor allem, wenn es um eine Person mit dieser unglaublichen Reichweite geht. Unausweichlich ist aber auch gleich die kritische Stimme im Hinterkopf, die sich fragt, was dort wohl wieder alles erzählt wird.

In den Kommentarspalten bei Socia Media wird MrBeast sehr für seine Wissensvermittlung, aber auch die Dokumentation der archäologischen Stätten gelobt. Vor allem aber im Mexiko-Video geht der Informationsgehalt kaum über den ersten Absatz des entsprechenden Wikipedia-Artikels hinaus. Besser als nichts – aber warum man das lobend hervorheben muss, entzieht sich meinem Verständnis.
Unser Experte
Ägyptische Pyramiden, entdeckte Schätze, der Alltag der alten Römer und Griechen: Archäologie fasziniert viele Menschen. Konstantin Kárpáty hat seine Leidenschaft zum Beruf gemacht. Der Münchener ist nach seinem Studium an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) seit Kurzem Doktor der Archäologie. Was er in seinem Job erlebt und was die wichtigsten Neuigkeiten aus der Welt der Archäologie sind, erzählt er für uns regelmäßig aus ganz persönlicher Sicht. Außerdem betreibt er die Social-Media-Kanäle „Excavation Time“ und den Podcast „Ausgegraben“.
Gleiches gilt für die filmische Dokumentation der weltberühmten Orte, da man dies in zahlreichen großen Produktionen schon oft hat sehen können. Vielfach zu lesen ist auch, wie respektvoll er sich an solch bedeutenden Orten verhalten hat. Ich würde dem sehr widersprechen. Trotzdem erkenne ich beim Abwägen dann fast den „alten weißen Mann“ in mir (als der ich mich nicht fühle). Heißt: Man muss auch mal einen Schritt zurücktreten und das Ganze vielleicht ohne den strengen Blick eines Wissenschaftlers betrachten.
MrBeast: Junges Publikum für Archäologie „angefixt“
MrBeast hat einem jungen Publikum zwei sehr spannende Welterbestätten gezeigt – und vielleicht den ein oder anderen „angefixt“, sich mehr damit zu beschäftigen. Als Kind oder Teenager hätte ich die Videos vermutlich sehr positiv aufgenommen und am Ende des Tages hätte auch ein seriöserer Inhalt auf MrBeasts Kanal nichts zu suchen gehabt. Würde er diese Art von Inhalt machen, wäre er wohl kaum da, wo er heute ist.
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Dafür gibt es andere tolle YouTuber im Bereich Archäologie und Geschichte – manche größer, manche kleiner, aber man kann dort tatsächlich eine Menge lernen. Falls Sie also schon alle Dokumentationen aus dem Fernsehen in- und auswendig kennen, lohnt es sich wirklich, einmal auf YouTube zu stöbern.





