Das Leben von Wolfgang Grupp hat sich in den vergangenen zwei Jahren radikal verändert: Der Vorzeige-Geschäftsmann, der sein Textilunternehmen Trigema in der dritten Generation führte, übergab die Geschäfte an seine Kinder. Der inzwischen 83-Jährige wollte kürzertreten. Trotzdem gab er sich in der Öffentlichkeit betont fit: „Früher bin ich um sechs Uhr am Morgen im Freien bei gut 19 Grad geschwommen, jetzt um sieben Uhr“, sagte er noch vor wenigen Monaten im Interview mit der „Augsburger Allgemeinen“.

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Anfang Juli dann die Schlagzeile: Grupp ist im Krankenhaus. Um die Ursache rankten sich viele Gerüchte. Nun macht er selbst öffentlich, was passiert ist: In einem Schreiben an die Trigema-Belegschaft, das unserer Redaktion vorliegt, berichtet er von einem Selbstmordversuch infolge von Altersdepressionen. Aber immerhin: Er lebt.
Es ist eine tragische Wendung in einem außergewöhnlichen Leben, in dem Grupp nicht nur sein Familienunternehmen, sondern auch die deutsche Wirtschaft geprägt hat. Und das alles aus einem kleinen Städtchen in Schwaben: Burladingen.
Bei Trigema war Wolfgang Grupp der Vorzeige-Unternehmer
Burladingen ist die Heimat von Grupp, dem stets elegant gekleideten Textilunternehmer der alten Schule. 1969 übernahm er die von seinem Großvater gegründete Firma. Ein Name wie Chanel oder Boss war es nun nicht gerade. Mit Trigema verbanden viele eher Unterwäsche, die auch nach der zigsten Wäsche nicht aus dem Leim geht. Trigema, das klang so, wie es war: Hersteller für Wäsche, Freizeit- und Sportbekleidung. Allerdings hat das Unternehmen, das damit wirbt, zu 100 Prozent „Made in Germany“ zu sein, sich längst ein zeitgeistiges Image verliehen. „Perfect Shape“ heißt das neue „Sitzt gut“.
Qualität, das war immer das, was den braun gebrannten Firmenchef antrieb, der das Unternehmen mit eiserner Hand zu Deutschlands größtem T-Shirt- und Tennisbekleidungshersteller machte, wie zu lesen ist. 2022 lag der Produktionsumsatz bei 127,2 Millionen Euro, die Zahl der Mitarbeiter bei rund 1.160. Zwar gab Grupp gerne markige Bekenntnisse aus, zum Beispiel zum 100-jährigen Firmenjubiläum 2019: „Wer das Billigste möchte, ich nicht unser Kunde.“ Doch dann feierte er den Großauftrag mit Aldi, der ihm laut Medienberichten 36 Millionen eingebracht haben soll.

Das Geschäft mit Shirts und Shorts wurde zur Erfolgsgeschichte: 1984 eröffnete Trigema sein erstes eigenes Verkaufsgeschäft im Allgäu. Inzwischen vertreibt das Unternehmen einen großen Teil seiner Ware selbst, online sowie in sogenannten Testgeschäften bundesweit. Die meisten liegen abseits der großen Städte und ihren Fußgängerzonen. Sie stehen in Urlaubsgebieten, wo die Kundschaft stetig wechselt.
Dass so ein Zwölfender tatsächlich mal die Verantwortung abgibt, das war schon eine Überraschung. Anfang 2024 räumte er tatsächlich den Chefposten und übergab die Geschäftsführung an seinen Sohn Wolfgang Grupp junior und seine Tochter Bonita. Aber weg ist er natürlich nicht. „Ich gehe immer noch jeden Tag in die Firma, komme vielleicht mal etwas später oder gehe ein wenig früher“, so Grupp senior im Interview, der sich gern zum Maß der Dinge machte und mit Firmenchefs hart ins Gericht ging. Er unterstellte vielen Größenwahn und forderte die persönliche Haftung für alle Bosse: „Wir brauchen wieder Unternehmer mit Verantwortung, Disziplin und Vorbildfunktion.“
Grupp und der Schimpanse: Mit Affen-Clip wurde er berühmt
Grupp gilt nicht nur als einer, der richtig schuften konnte, sondern auch als schillernden Figur mit dem Hang zum Originellen. Kommen wir zu dem, was diesen Herrn im wie über den Körper gegossenen Zweireiher wirklich zur Marke machte – kommen wir zum Affen-Auftritt im TV.

Da saß also ein zum Affen gemachter Schimpanse im Fernsehen, kurz vor der Tagesschau, in weißem Hemd und mit schwarzer Krawatte, verkleidet sozusagen als Nachrichtensprecher, und warb für Textilien aus dem Hause Trigema. Über zwei Jahrzehnte war Affe Charly der wohl bekannteste Werbeaffe Deutschlands. Und Grupp stand in vielen Werbeclips an seiner Seite. Von sich selbst war er geradezu begeistert – ein Rieseneinfall, dieser Affen-Clip! Jedenfalls sah es der Meister so. Überall, wo er hingekommen sei, sei er als der Herr mit dem Affen vorgestellt worden. „Alle fragten mich: Wo ist Ihr Affe?“ Tierschützer fanden das weniger gut, dass ein Schimpanse zum Affen gemacht worden sei. Und so war Charly zeitweise sogar weg vom Fenster.
Dabei, so sagte Grupp gegenüber der „Augsburger Allgemeinen“, habe er „den Trigema-Affen“ doch noch „nie gesehen“. Also er sei ihm nicht einmal begegnet. Die Szenen mit ihm und dem Tier seien unabhängig voneinander gefilmt und dann zusammengeschnitten worden, erklärt Grupp. „Ich wurde aufgenommen, wie ich durch die Produktion lief. Der Affe wurde von einem Tierhalter gefilmt.“
Aber ganz darüber hinwegsetzen konnte er sich nicht über den Protest. „Wir hatten vor allem Ärger mit militanten Tierschützern, die zum Teil zum Boykott von Trigema aufgerufen haben.“ Dann habe er den Affen einfach digitalisieren lassen. Seit 2018 sei Affe Charly ein digitales, KI-generiertes Wesen, ein Fashion-Influencer im rosa Anzug.
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Seine Ehefrau lernte der Unternehmer auf der Jagd kennen
Grupp, von dem es heißt, er habe noch bis zum Ruhestand auf einen Computer als Arbeitsgerät verzichtet, erzählt gern von den analogen Momenten in seinem Leben, von der Jagd zum Beispiel, die er liebt. Auch, dass er seine Frau „bei einer Auerhahn-Jagd in der Steiermark kennengelernt hat“. Die Ehe, so hört es sich an, ist für ihn eine Zone, in der er auch mal klein beigeben kann. Er war ja „lange Junggeselle“, erzählt er im Interview mit der „Augsburger Allgemeinen“ und dass er erst mit 46 geheiratet habe. „Meine Frau ist 24 Jahre jünger als ich. Wegen Kleinigkeiten diskutiere und streite ich nicht mit meiner Frau. Ich gebe nach. Meine Frau und ich sind abends noch nie ins Bett gegangen, ohne vorher kleinere Differenzen auszuräumen.“
Klingt beispielhaft. Was nichts daran ändert, dass sein Rollenbild ganz bewusst von vorgestern ist: „Wenn heute Frauen die Jobs wollen, und die Männer sollen den Haushalt machen, dann ist die Welt verkehrt geworden“, sowas setzte er gerne in die Welt. Männer seien zuständig für das Einkommen, die Arbeit, die Mütter eben verantwortlich für die Kinder. „So war die Rollenverteilung früher. Da hat Familie noch funktioniert.“ Aber zu Hause, das betonte er oft, sage seine Frau sagt, wo es langgeht. Auch Patriarchen kennen eben ihre Grenzen.
Anmerkung der Redaktion
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