Immer wieder gibt es Diskussionen darüber, ob Noten in der Schule noch zeitgemäß sind. Sind Zeugnisnoten nur gerecht oder ignorieren sie im Gegensatz zu schriftlichen Bewertungen den individuellen Lernfortschritt? Eine kurz vor den Sommerferien veröffentlichte Studie liefert nun ein überraschendes Argument gegen sogenannte Lernstandsbeschreibungen. Eltern würden sich stärker engagieren, wenn die Leistungen ihrer Kinder in Schulnoten angegeben wird.

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Wie die am Mittwoch in Wiesbaden veröffentlichte Untersuchung des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BIB) zeigte, schätzen Eltern die schulischen Leistungen ihrer Kinder in Deutsch, Mathematik und Naturwissenschaften oft höher ein, als sie tatsächlich sind. Diese Fehleinschätzung könne dazu führen, dass Kinder von Eltern nicht ausreichend gefördert würden.

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Schulnoten korrigieren Missverständnisse bei Eltern

Lernstandsbeschreibungen ändern daran wenig, wie die Studie weiter ergab. Deutlicher reagieren Eltern hingegen auf Zeugnisnoten. Diese könnten sehr wohl helfen, das Missverständnis zu korrigieren. Gleiches gilt den Angaben zufolge für persönliche Gespräche mit Lehrkräften.

„Väter und Mütter, die präzisere Informationen zum Leistungsstand erhielten, lasen häufiger mit ihren Kindern und spielten öfter mit ihnen“, erklärte die BIB-Bildungsforscherin Elena Ziege. Dies gelte „insbesondere, wenn es sich um das erste Zeugnis im Schulverlauf handelte“. Die Studie beschränkt sich in ihren Aussagen auf das erste Grundschuljahr.

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Eltern mit Migrationshintergrund sind eher auf Noten angewiesen

Eltern bräuchten daher gut verständliche, strukturierte und frühzeitige Informationen über die schulischen Leistungen ihrer Kinder, hieß es weiter. Dies sei besonders für benachteiligte Familien wichtig. Die Deutschkenntnisse überschätzen demnach 53 Prozent der Eltern mit Zuwanderungsgeschichte im Vergleich zu 37 Prozent bei Kindern ohne Zuwanderungsgeschichte.

In Deutschland beginnt die Benotung von Schülern in den meisten Bundesländern wie Nordrhein-Westfalen oder Thüringen erst ab der 3. Klasse. In anderen Bundesländern beginnt die Benotung je nach Fach unterschiedlich. In Sachsen wird beispielsweise ab der 2. Klasse nur Deutsch, Mathematik und Sachunterricht benotet. In Hamburg erhalten Schüler erst ab der vierten Klasse Noten.

os/afp