Fast 250 Jahre nach ihrer Versenkung sorgt James Cooks Forschungsschiff „Endeavour“ noch immer für Aufregung. Nach 25 Jahren intensiver Untersuchungen hat das Australian National Maritime Museum (ANMM) in Sydney den Fundort des Wracks nun offiziell bestätigt: Die Überreste des ikonischen Schiffes liegen demnach im Hafen von Newport, Rhode Island – versenkt 1778 unter dem Namen „Lord Sandwich“ während des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges.

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„Dieser Abschlussbericht ist das Ergebnis von 25 Jahren detaillierter und sorgfältiger archäologischer Arbeit an diesem bedeutenden Schiff“, sagte Museumsdirektorin Daryl Karp. Man wolle damit eine definitive Aussage zur Identität des Wracks treffen.

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Doch die Erklärung ist nicht unumstritten – insbesondere in den USA. Dort reagierte das Rhode Island Marine Archaeology Project (RIMAP), das seit Jahrzehnten an derselben Fundstelle forscht, bereits 2022 mit scharfer Kritik auf eine frühere Vorabmeldung des Museums. Die US-Archäologen und Archäologinnen bezeichneten die damalige Bekanntgabe als „verfrüht“ und sprachen gar von einem „Vertragsbruch“.

Wrack der „Endeavour“ ist politisch und kulturell brisant

Die Aufregung hat auch mit der besonderen Symbolkraft des Schiffes zu tun: Die „Endeavour“ war jenes Schiff, mit dem James Cook 1770 die Ostküste Australiens kartierte und für die britische Krone in Besitz nahm – ein Moment, der vielfach als Beginn der kolonialen Besiedlung gilt. Für viele First Nations Peoples markiert dieser Moment hingegen den Beginn von Gewalt, Vertreibung und Enteignung.

Captain Cook statue
Ein Nachbau der „Endeavour“ liegt im Hafen von Australiens Hauptstadt Sydney.© picture alliance / empics | Owen Humphreys

Entsprechend groß ist die historische Aufladung – und der Wunsch Australiens, das Wrack als nationales Kulturgut zu beanspruchen. Die „Endeavour“ hat ihren festen Platz in der kollektiven Erinnerung: Ein Nachbau liegt im Hafen von Sydney, das Schiff ziert die neuseeländische 50-Cent-Münze, ein NASA-Raumschiff trägt seinen Namen, und einzelne Bauteile gelten als hochbegehrte Sammlerstücke. So wurde 2021 ein lediglich 22 Zentimeter langes Stück Holz, angeblich vom Kiel der „Endeavour“, in Sydney versteigert – für einen Schätzwert von 400.000 australischen Dollar (rund 225.000 Euro).

Forscherstreit über den Fund über den Fund tobt seit Jahren

Schon 2022 hatte das ANMM erste Ergebnisse seiner Analysen veröffentlicht: Übereinstimmungen in Rumpfstruktur, Mastpositionen, Dimensionen und Baumaterialien deuteten auf die „Endeavour“ hin. Besonders aufschlussreich seien Holzproben gewesen, die belegen, dass das Wrack aus europäischen Eichen und Ulmen gebaut wurde – typisch für britische Werften. Auch die neueren archäologischen Messungen stützen die These: Die sogenannten „Scantlings“ – die Maße der verbauten Hölzer – entsprechen denen von Schiffen mit über 350 Tonnen Verdrängung, genau der Größenordnung der „Endeavour“.

2022 mahnte RIMAP jedoch zur Vorsicht. Zwar räumt das US-Projekt ein, dass viele Details mit dem übereinstimmen, was man von der „Endeavour“ erwarten würde. Doch seien noch Fragen offen – etwa zur Ausschließung anderer Schiffe. Man wolle sich nicht von „australischen Emotionen oder Politik“ leiten lassen, so RIMAP damals. 2024 veröffentlichten die Amerikaner dann einen eigenen Bericht, der erneut anerkannte, dass die von ANMM identifizierte Fundstelle korrekt sein könnte. Doch auch in diesem Bericht wurden andere mögliche Wrackstellen weiterhin nicht ausgeschlossen. Auf eine redaktionelle Anfrage nach dem Abschlussbericht der Australier reagierte die amerikanische Seite bisher nicht.

„Endeavour“ wäre nur ein Wrack unter vielen vor Newport

Tatsächlich liegt die „Endeavour“ – wenn es sie denn wirklich ist – nicht allein auf dem Grund von Newport. Insgesamt wurden dort Überreste von bis zu 13 Schiffen gefunden, von denen fünf nachweislich während einer britischen Blockade im Unabhängigkeitskrieg 1778 versenkt wurden. Bereits 2018 hatten Forscher Newport als wahrscheinlich letzte Ruhestätte der „Endeavour“ identifiziert, doch ein zweifelsfreier Nachweis blieb bislang aus.

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Die australischen Forscher sehen sich dennoch bestätigt. „Wir stehen zu unserer Schlussfolgerung, wie wir sie 2022 bekannt gegeben haben“, heißt es. „In den drei Jahren seitdem hat keine internationale Fachkonferenz unsere Identifizierung widerlegt.“

Die „Endeavour“ wurde 1764 als „Earl of Pembroke“ gebaut und 1768 von der Royal Navy für eine wissenschaftliche Pazifikreise umgerüstet. Cook beobachtete mit ihr 1769 den Venustransit auf Tahiti, umrundete Neuseeland und landete im April 1770 an der Ostküste Australiens. Später diente das Schiff als Truppentransporter und wurde 1778 als „Lord Sandwich“ versenkt.