Der langjährige RTL-Chef Helmut Thoma ist tot. Der österreichische Medienmanager starb am 3. Mai – an seinem 86. Geburtstag – in Wien an Herzversagen, wie seine Familie mitteilte. Die Beisetzung habe bereits im engsten Kreis stattgefunden.

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Thoma wurde 1939 in Wien geboren und hatte einen ungewöhnlichen Einstieg in die Medienwelt. Nach einer Lehre in einer Molkerei studierte er Jura und begann seine Karriere in den 1960er-Jahren als Justiziar beim ORF. In den 1970er-Jahren wechselte er zum damaligen Radio Luxemburg, wo er in den 1980er-Jahren zum Programmdirektor aufstieg.

Helmut Thoma setzte bei RTL auf bekannte Gesichter

Mit der Einführung des Privatfernsehens in Deutschland übernahm Thoma 1984 die Leitung des neuen Senders RTLplus – dem Vorläufer des heutigen RTL. Mit dem RTL-Umzug von Luxemburg nach Köln und dem Einstieg von Bertelsmann begann der Aufstieg des Senders, den Thoma seit 1991 als alleiniger Geschäftsführer leitete. 

Unter seiner Führung wuchs RTL in den 1990er-Jahren von einem kleinen 25-Mann-Betrieb zu einem der größten Fernsehsender Europas. Thoma setzte dabei konsequent auf populäre Formate, hohe Reichweiten und prominente Gesichter. Er holte etwa Thomas Gottschalk, Karl Dall oder Hans-Joachim Kulenkampff zum Sender, ebenso wie Moderatorinnen und Moderatoren wie Ulla Kock am Brink, Hans Meiser oder Schauspielerinnen wie Hella von Sinnen und Esther Schweins.

Thoma brachte legendäre Formate zu RTL

In dieser Zeit entstanden auch zahlreiche Formate, die das Programm von RTL bis heute prägen – darunter „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“, „Unter uns“ oder „Alarm für Cobra 11“. Auch das Konzept der sogenannten „werberelevanten Zielgruppe“, also Zuschauerinnen und Zuschauer im Alter von 14 bis 49 Jahren, geht maßgeblich auf Thoma zurück – auch wenn er es später selbst als überholt bezeichnete.

Dennoch bemängelten Kritiker Klamauk, Gewalt und Sex im RTL-Programm. Etwa die Show „Tutti Frutti“, moderiert von Hugo Egon Balder, bei der viel nackte Haut zu sehen war, oder spätabends laufende Lederhosen-Erotik-Filmchen sorgten für Diskussionen. Gleichzeitig lieferte Thoma dem Sender aber hohe Einschaltquoten und Werbe-Einnahmen. Parallel dazu baute Thoma das Informationsangebot aus, um dem reinen Unterhaltungsimage ein Gegengewicht zu bieten.

Helmut Thoma war bekannt für seine Direktheit

Thoma war bekannt für seine medienwirksamen Auftritte, seine Direktheit und seine teils provokanten Aussagen. So hielt er dem Bertelsmann-Konzern vor laufender Kamera aufgrund ihrer Pläne fürs digitale Fernsehen „elektronischen Rinderwahnsinn“ vor.

Helmut Thoma in Köln
Helmut Thoma wohnte lange Zeit in der Nähe von Köln.© Rolf Vennenbernd/dpa | Rolf Vennenbernd

Für seine Arbeit wurde Helmut Thoma vielfach ausgezeichnet – unter anderem mit der Goldenen Kamera (1990), dem Deutschen Medienpreis (1992) und einem Emmy Award (1994). Auch innerhalb der Branche galt er als prägende Figur: Der frühere Sat.1-Programmchef Fred Kogel bezeichnete ihn einst als den „König des deutschen Privatfernsehens“.

Auch nach RTL blieb Thoma in der Medienlandschaft aktiv

1998 zog sich Thoma aus der operativen Leitung von RTL zurück und übergab die Geschäftsführung an Gerhard Zeiler. Dem Mediengeschäft blieb er jedoch weiter verbunden. 1999 wurde er Berater des damaligen nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Wolfgang Clement (SPD). Darüber hinaus war er als Aufsichtsrat beim Deutschen Anleger Fernsehen und als Kolumnist tätig.

Im Sommer 2014 – da war er 75 Jahre alt – versuchte sich Thoma noch einmal an einem neuen Format. Gemeinsam mit dem Regionalsender NRW-TV in Düsseldorf entwickelte er „NIX“, ein Projekt, das junge Menschen wieder für Live-Fernsehen begeistern sollte. Der Versuch blieb aber kurzlebig.

Thoma bezeichnete Stefan Raabs Comeback als „Fehler“

Noch im hohen Alter kommentierte Thoma das deutsche Fernsehen. So kritisierte er etwa das RTL-Comeback von Stefan Raab als „schweren Fehler“ und bezeichnete Dieter Bohlen als das eigentliche Aushängeschild des Senders.

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Auch privat blieb er dem Thema Medien verbunden. Als Hobbys nannte er einmal Fernsehen, Radiohören, Zeitunglesen und Medienpolitik. In einem Interview zu seinem 80. Geburtstag verriet er, dass er das Tauchen für sich entdeckt habe – und sich insgesamt etwas zurücklehne. Thoma war mehrfach verheiratet, unter anderem mit seiner langjährigen Assistentin Daniele Milbert, von der er sich 1997 trennte und mit der er 2004 wieder zusammenfand. Milbert veröffentlichte später ein Buch über ihre Ehe mit dem Medienmanager mit dem Titel: „Mein Leben mit Mr. RTL“.

dpa/kath