Der Geisterflug einer vollbesetzten Lufthansa-Maschine von Frankfurt nach Sevilla beschäftigt die Flugaufsichtsbehörden – und verschafft der Diskussion um erhöhte Sicherheitsvorkehrungen im Cockpit neuen Auftrieb. Anlass ist ein Bericht über den Lufthansa-Flug LH1140 am 17. Februar des vergangenen Jahres. Eine spanische Behörde veröffentlichte erst in dieser Woche ihren Untersuchungsbericht über den Fall, der zwar glimpflich ausging, aber leicht in einer Katastrophe hätte enden können.

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Was war passiert? Der Flug der mit 199 Passagieren besetzten Lufthansa-Maschine verläuft zunächst ohne Zwischenfälle. Während des Flugs geht der Kapitän auf Toilette und übergibt die Maschine seinem Co-Piloten. Ein alltäglicher Ablauf über den Wolken. Doch während des Toilettengangs des Kapitäns wird sein Stellvertreter plötzlich bewusstlos, offenbar ein neurologisch bedingter Anfall.
Die Cockpit-Tür, so sehen es die Sicherheitsbestimmungen vor, ist abgeriegelt. Nach seinem Toilettengang gelangt der Kapitän nicht zurück ans Steuer. Der Co-Pilot reagiert zunächst nicht auf Signale der Sprechanlage. Die Folge: Der Flug LH1140 ist für acht Minuten führungslos. Für Fluglotsen oder andere Flugzeuge ist die Maschine nicht erreichbar.
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Einen Ausweg aus der drohenden Katastrophe gibt es dennoch: Durch die Eingabe eines Notfallcodes kann der Kapitän die Cockpit-Tür öffnen. Automatisch ertönt dabei ein akustisches Signal. Schon dadurch kommt der Co-Pilot wieder zu Bewusstsein und kann die Tür öffnen. Die Maschine ist wieder unter Kontrolle, ein mitreisender Arzt leistet erste Hilfe und kann den Co-Piloten stabilisieren. Der Kapitän verkürzt den Flug nach Sevilla und landet die Maschine schließlich sicher am Flughafen in Madrid.
Der Untersuchungsbericht schildert, dass der bewusstlose Co-Pilot durch unwillkürliche Bewegungen den eingeschalteten Autopiloten hätte deaktivieren und die Maschine zum Absturz bringen können. Unter diesem Blickwinkel ähnelt LH1140 dem Absturz der Germanwings-Maschine 9525, bei der der Co-Pilot Andreas Lubitz den Toilettengang seines Kapitäns ausnutze, um die Maschine gegen ein Felsmassiv in den Alpen zu steuern. Alle 150 Passagiere kamen bei dem Absturz ums Leben. Im Nachgang stellte sich heraus, dass Lubitz wegen Depressionen krankgeschrieben war.
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Der Lufthansa-Flug von Frankfurt und Sevilla wirft erneut die Frage auf, ob es zulässig ist, dass ein Co-Pilot über kürzere Zeitspannen allein im Cockpit verbleiben darf – oder ob in dieser Zeit ein Mitglied der Kabinen-Crew ins Cockpit steigt. So könnte verhindert werden, dass etwa bei medizinischen Notfällen eine Person von innen das Cockpit öffnen könnte. Die spanischen Ermittler habe eine klare Empfehlung: Sie schreiben in ihrem Untersuchungsbericht, die Europäische Flugaufsichtsbehörde möge prüfen, über die Einführung einer Vier-Augen-Regel neu nachzudenken.
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