Dass auf dem „Traumschiff“ Unterhaltungsschauspieler für Unterhaltung sorgen? Wer wollte das bemängeln? Aber dass Comedians oder Kabarettisten, die sich sonst dazu berufen fühlen, den Irrsinn der Welt zu analysieren, hier wie auf einem Kindergeburtstag feixend auf heile Kreuzfahrt-Welt machen, das ist schon kühn. Besonders in der neuen Folge „Miami“ (Ostersonntag, 20. April, ZDF, 20.15 Uhr) fühlt man sich dabei wie im falschen Film.

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Nehmen wir nur Harald Schmidt als Kreuzfahrtdirektor Oskar Schifferle, der in der Rolle ja schon 2009 angeheuert wurde. Ja, er ist sympathisch. Und deshalb hat man auch schon fast vergessen, zu welcher geistigen Kraft er fähig war, wenn sich die TV-Legende mit Hohn, Spott und Zynismus über andere lustig gemacht hat. Was konnte der kübeln! Im Geiste hört man ihn geradezu, wie er über sich selbst ablästert: Dass sich so ein Geisteskaliber wie er für die seichteste Unterhaltung durch die Paradiese der Welt schippern lässt.

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Beim „Traumschiff“ sucht Haraldt Schmidt Hilfe bei einer Esoterikerin

Der bissige ehemalige Late-Night-Talker erklärte einmal, dass er beim „Traumschiff“ eine wichtige Rolle übernommen hatte, damit dem ZDF so die alten Zuschauer bei der Stange blieben. Für ihn sei das Format einfach nur ein „absoluter Traum“. Keine Frage. Und er war ja tatsächlich ein Gewinn. Wenn er, der eingefleischte Hypochonder, der ehemaligen Chefstewardess Beatrice (Heide Keller) seine Wehwechen klagte, waren das kleine Kammerspiele.

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Aber der Lack ist ab. Jetzt geht er zusammen mit einer durchgeknallten Esoterikerin auf die Suche nach seinem inneren Kind. Sagen wir so: Wenn diese schräge Chakren-Nummer während des gesamten Films durchgehalten würde, wär das ein Statement. Aber viel zu schnell ist Schmidt wieder ganz normal, also normal langweilig und sagt Sätze wie: „Danke, das war sehr schön“. Keine Bonmots, keine ironischen Spitzen. Warum sorgen die Verantwortlichen eigentlich nicht dafür, dass so ein TV-Schwergewicht schön süffige Dialoge bekommt, bei denen man nicht sofort seekrank wird.

Das Traumschiff
Mit Metalldetektor am Strand: Gibt sich als „Tourist aus Essen-Kray“ aus – Atze Schröder beim Junggesellinnen-Ausflug von Maike Kappes (Birthe Wolter, l.) und Dr. Jessica Delgado (Collien Ulmen-Fernandes).© ZDF und Dirk Bartling | Dirk Bartling

Die Krönung des Unausgegorenen ist aber die Rolle, die Comedian Atze Schröder hier spielt. Wie er da plötzlich am Strand von Miami in kurzer Hose, Flatterhemd und komischem Hut herumgrinst – zum Wegschämen. Man muss Atzes Bühnensprüche ja nicht super finden, aber dass so ein schlagfertiger Typ hier als Touristen-Blödi Münzen im Sand aufstöbert, ist weniger als Laientheater .Und sollte einer meinen, es sei doch als Karikatur des typischen Touris aus Essen-Kray gemeint: Träum weiter, kann man da nur sagen. Schon ärgerlich, dass die „Traumschiff“-Macher diese kleinen Schmankerl so lieblos anlegen.

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Einen Lichtblick aber gibt es durchaus: Sven Martinek („Morden im Norden“, ARD, „Tierärztin Dr. Mertens“, ARD), der als Gast hier echte Schauspieler-Qualitäten einbringt. Und damit ist er schon in gewisser Weise der Retter dieses Traumschiffs. Alles andere ist ziemlich fad: zum Beispiel der irrwitzig naiv wie peinliche Junggesellinnenabschied. Und als Höhepunkt der Langeweile der Ausflug von Kapitän Parger (Florian Silbereisen) mit seinem Staff-Kapitän (Daniel Morgenroth) durch die Everglades, wo ab und zu ein Krokodil dekorativ auf gefährlich macht. Sorry, aber das ist ganz dünne Suppe.