Wissenschaftler feierten in Spanien einen „historischen Meilenstein“ im Kampf gegen Krebs. An dem Universitätsklinikum Hospital Clínic de Barcelona wurden innerhalb der letzten Jahre über 500 Krebspatienten mit einer neuartigen CAR-T-Zelltherapie behandelt – mit überwältigendem Erfolg, wie Ärzte und Forscher vor kurzem auf einer Pressekonferenz bekanntgaben.

Jeden 2. Sonntag

Ein FUNKE Liebe

Alle zwei Wochen sonntags: Antworten auf Beziehungsfragen – ehrlich, nah und alltagstauglich.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Die fortschrittliche Immuntherapie nutzt die körpereigenen T-Zellen, um verschiedene Blutkrebsarten zu bekämpfen. Seit der ersten Anwendung einer CAR-T-Zelltherapie 2017 habe das Krankenhaus die Behandlung zu verschiedenen Immuntherapien gegen Blutkrebs weiterentwickelt, heißt es in einer Pressemitteilung.

Lesen Sie auch

Krebs: Forscher vermelden Behandlungserfolg bei über Hälfte der Patienten

Zwei der sogenannten ARI-Therapien wurden bereits von der spanischen Arzneimittel-Agentur zur weiteren Anwendung freigegeben. Die eine zielt auf Patienten mit akuter lymphatischer Leukämie ab, während die andere sich als wirksam gegen Multiple Myelome erwies, eine von den Plasmazellen des Knochenmarks ausgehende Krebsart. Beide Therapien schlugen auch bei Patienten an, die zuvor nicht auf andere Methoden reagierten.

In den Versuchen, bei denen auch Menschen mit Non-Hodgkin-Lymphomen behandelt wurden, konnte mehr als die Hälfe der Patienten von Krebs geheilt werden. Demnach schlug die Behandlung bei 90 Prozent der Patienten mit lymphatischer Leukämie an, während der Wert für Multiples Myelom bei 60 Prozent und für Non-Hodgkin-Lymphom bei 50 Prozent lag.

„Die große Mehrheit der (...) 502 Behandlungen betraf Menschen mit Blutkrebs, bei dem herkömmliche Behandlungen nicht angeschlagen hatten. Die ARI-Therapien waren eine Lebensader, und viele dieser Patienten sind inzwischen geheilt“, zitiert ein Statement Dr. Álvaro Urbano-Ispizua, den Leiter des Therapieprogramms. Das Hospital Clínic de Barcelona wolle nun die zwei erfolgreichen Immuntherapien weiterentwickeln und innerhalb und außerhalb Spaniens verbreiten.

Auch interessant

T-Zellen greifen Krebszellen im Körper an

T-Zellen, auch T-Lymphozyten genannt, sind spezialisierte weiße Blutkörperchen und ein zentraler Bestandteil des Immunsystems. Sie entstehen im Knochenmark und reifen im Thymus, weshalb sie den Namen „T“-Zellen tragen. Ihre Hauptaufgabe besteht darin, infizierte oder veränderte Zellen im Körper zu erkennen und zu zerstören – dazu zählen auch Krebszellen.

Besonders die sogenannten Killer-T-Zellen können entartete Zellen direkt angreifen und abtöten. Helfer-T-Zellen hingegen koordinieren die Immunantwort, indem sie andere Immunzellen aktivieren. Bei Krebs spielen T-Zellen eine wichtige Rolle, da sie in der Lage sind, Tumorzellen anhand bestimmter Merkmale auf deren Oberfläche zu erkennen. Allerdings entwickeln viele Tumore Strategien, um dieser Erkennung zu entgehen, indem sie sich „tarnen“.

Hier setzt die CAR-T-Zelltherapie an, eine hochmoderne Form der Immuntherapie, bei der körpereigene T-Zellen gentechnisch so verändert werden, dass sie Krebszellen gezielt erkennen und angreifen können.

CAR-T-Zelltherapie erzielt vielversprechende Erfolge

Laut der Deutschen Krebsgesellschaft werden dabei dem Patienten T-Zellen entnommen und im Labor mit einem künstlichen Rezeptor – dem sogenannten chimären Antigenrezeptor (CAR) – ausgestattet. Dieser Rezeptor ermöglicht es den T-Zellen, spezifische Merkmale (Antigene) auf der Oberfläche von Tumorzellen zu erkennen. Nach der gentechnischen Modifikation werden die CAR-T-Zellen vermehrt und dem Patienten zurückgegeben.

Einmal im Körper, greifen sie gezielt die Krebszellen an. Besonders bei bestimmten Formen von Blutkrebs, wie akuter lymphatischer Leukämie oder den Non-Hodgkin-Lymphomen, zeigen Therapien wie in Barcelona beeindruckende Erfolge.