Der Espresso an der Bar, ein tägliches Ritual für Millionen von Italienern, könnte bald zu einem kleinen Luxus werden. Grund dafür ist der Preisanstieg für Rohkaffee, der wegen des Klimawandels und anderer Faktoren ein Rekordhoch erreicht hat.

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Obwohl der Preis für eine Tasse Kaffee und für einen Cappuccino im Vergleich zu anderen europäischen Ländern in Italien immer noch konkurrenzlos günstig ist, ist der Anstieg binnen vier Jahren dennoch beträchtlich. Seit 2021 hat sich der Preis eines Espressos um 20 Prozent erhöht, wie aus Angaben des Konsumentenschutzverbands Assutenti hervorgeht.

Steigende Kosten: Droht der Zwei-Euro-Espresso?

Dabei gibt es starke regionale Unterschiede zwischen Nord- und Süditalien. Während in Bozen ein Espresso durchschnittlich 1,40 Euro kostet, liegt der Preis im nationalen Durchschnitt bei 1,20 Euro. Rohe „Arabica“- oder „Robusta“-Bohnen werden zu ständig neuen Höchstpreisen gehandelt. Der Börsenpreis für Rohkaffee hat seit 2020 um 247 Prozent zugenommen und damit den höchsten Stand seit 1977 erreicht.

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Neben den Rohstoffpreisen, die weltweit gestiegen sind, belasten auch höhere Betriebskosten die Inhaber von Cafés und öffentlichen Lokalen. Mehrkosten für Mieten, Personal und Strom könnten den Kaffeepreis an der Theke bereits ab den nächsten Monaten deutlich in die Höhe treiben. Ein Espresso für zwei Euro wird nicht mehr ausgeschlossen. Das wäre eine schwere Belastung für den Geldbeutel des Durchschnittskonsumenten, denn die italienischen Gehälter zählen seit jeher zu den niedrigsten in Europa. Besitzer von Kaffeebars befürchten, dass immer mehr Italiener beim täglichen Espresso-Genuss bald den Rotstift ansetzen könnten. 

Zwischen Verständnis und Frust: Wie Cafés mit den steigenden Kosten umgehen

„Im letzten Jahr ist der Preis der Kaffeelieferungen zweimal gestiegen. Wir versuchen, die Kosten niedrig zu halten und die Preiserhöhungen durch Anpassungen bei anderen Produkten abzufedern, um den Kunden nicht so sehr zu belasten. Wir haben viele Stammkunden, die wir nicht verlieren wollen“, sagt Catia Silvestri, Betreiberin des Cafés „Antico Caffé della Pigna“ wenige Schritte vom Pantheon entfernt, einer der beliebtesten Touristen-Attraktionen in Rom.

Silvestri, die seit 25 Jahren ihr Café betreibt, hofft, dass sie den Preis für ihren Espresso nicht weiter anpassen muss. Das würde sie nur ungern tun, denn Kunden reagieren auf die Preiserhöhungen zum Teil mit Verständnis, vielfach aber auch mit Unmut. Früher verkaufte sie den Espresso für 0,90 Cent, mittlerweile kostet er hier 1,10 Euro und der Cappuccino 1,30 Euro – für römische Verhältnisse immer noch günstig. Während viele die Gründe für die höheren Preise nachvollziehen können, sind andere enttäuscht, dass auch ein so alltägliches Produkt wie Kaffee teurer wird. 

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Die Fachgruppe Gastronomie im Südtiroler Wirtschaftsverband hds nimmt zur aktuellen Diskussion rund um die Kaffeepreise Stellung. „In Italien waren die Kaffeepreise lange auf einem sehr niedrigen Niveau, was für viele Betriebe jetzt eine Herausforderung darstellt. Die Preisanpassungen sind notwendig geworden, um das Fortbestehen zahlreicher Gastronomiebetriebe zu sichern und Betriebsschließungen, insbesondere von Bars, entgegenzuwirken“, erklärt Kurt Unterkofler, Präsident der Gastronomie im Wirtschaftsverband hds (Handels- und Dienstleistungsverband Südtirol).

Italienische Familien geben im Jahr fast 400 Euro für Kaffee aus

Für Kaffee geben die Italiener mehr als acht Milliarden Euro pro Jahr aus, das sind etwa 392 Euro pro Familie. Kaffee-Kapseln generieren einen jährlichen Wert von 595 Millionen Euro, während Mokka-Kaffee einen Umsatz von 640 Millionen Euro verzeichnet. Sieben Milliarden Euro entfallen auf das Geschäft mit Espresso, der meist im Stehen in Cafés getrunken wird.

Cristina Scocchia, Chefin von Illy, einem großen italienischen Hersteller, bereitet die Kunden bereits auf den nächsten Anstieg vor. Der Preis für ein Tässchen „caffé“ werde „in den kommenden Monaten schätzungsweise zwei Euro erreichen, da der Preis für den Rohstoff von einer hohen Volatilität und einem noch nie dagewesenen Aufwärtstrend betroffen ist“. Scocchia beklagt Preisspekulationen. „Die Preiserhöhungen sind nicht mehr nur allein dem Klimawandel zuzuschreiben“, sagte die Illy-Chefin.

Hinter dem Anstieg der Rohkaffeekosten stehen viele Faktoren. Bis 2050 könnte sich die Kaffeeanbaufläche auf globaler Ebene halbieren, warnen Branchenexperten. Nicht nur das Klima macht dem Kaffeemarkt zu schaffen. Die Kaffeeversorgungskette steht auch wegen logistischer Probleme unter Druck. Darüber hinaus haben Spekulationen über Rohstoffe die Situation weiter verschärft.