In Mailand gilt seit Jahresbeginn das strengste Rauchverbot Italiens – und eines der strengsten in ganz Europa. Rauchen ist nicht nur in Innenräumen, sondern auch im Freien nahezu überall untersagt. Erlaubt ist es lediglich, wenn ein Mindestabstand von zehn Metern zu anderen Personen eingehalten wird. Andernfalls drohen Bußgelder von bis zu 240 Euro.

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Begründet wird das damit, dass die Luft in der Hauptstadt der Lombardei so belastet ist wie kaum sonst wo in Italien. Nach offiziellen Angaben sind Zigaretten in der Region ursächlich für sieben Prozent der Feinstaub-Emissionen. Andere Städte erwägen, dem Beispiel zu folgen, auch Rom. In Turin gilt draußen bereits ein „Höflichkeitsabstand“: Wenn Kinder oder Schwangere in der Nähe sind, ist Rauchen nur mit deren Zustimmung erlaubt.

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In Mailand selbst ist die Stimmung nach den ersten drei Monaten geteilt. Viele freuen sich, auf Spielplätzen, an Haltestellen oder vor Restaurants nicht mehr den Rauch anderer Leute einatmen zu müssen. Aber es gibt auch viele Gegenstimmen - von Rauchern natürlich, aber auch grundsätzlicher Natur.

Mailands konservative Tageszeitung „Il Giornale“ erklärte in einem Leitartikel: „Das eigentliche Problem ist nicht die Zigarette, sondern der Verlust an Freiheit. In einer Welt, in der versucht wird, jeden Aspekt unseres Lebens zu kontrollieren, in der wir vor allem und jedem Angst haben, ist das Rauchen im Freien nicht nur eine Geste der geselligen Kraft des Tabaks, sondern auch ein Akt der Rebellion gegen die Konformität.“

So sahen das wohl auch die Leute, die einem früheren Stadtoberen auf seinem Denkmal vor der Universität eine riesige Zigarette in den Mund steckten. Oder Flugblätter zum aktuellen Bürgermeister Giuseppe Sala mit dem Untertitel „Du bist nicht unser Papa. Lass uns rauchen“ in Umlauf brachten.

Nicht einmal mehr jeder fünfte Italiener raucht noch

In Italien, wo zum Abschluss eines Essens die Zigarette früher ebenso dazu gehörte wie der Espresso, gilt schon seit 2005 eines der strengsten Nichtrauchergesetze Europas. Anfangs glaubte niemand daran, dass sich die Italiener daran halten. Inzwischen ist es völlig normal, dass Zigaretten in Cafés, Restaurants, Schulen und Universitäten nicht mehr erlaubt sind. Offiziellen Zahlen zufolge raucht nicht einmal mehr jeder Fünfte (19 Prozent). 

Allerdings wäre die Annahme, dass sich in Mailand nun alle auch ans Draußen-Verbot hielten, ziemlich verkehrt. Auf dem Boden liegen Kippen überall: auf den Straßen, vor dem Dom und auch in der noblen Einkaufspassage Vittorio Emanuele II, die vom Domplatz abgeht. Dort haben sich zwei Kellnerinnen für eine Zigarettenpause an den Eingang gestellt. „Je mehr man uns etwas verbietet, desto mehr machen wir es“, meint Alessia, eine von ihnen.

Schonfrist noch für Touristen

Mittags und abends sind auch vor vielen Restaurants Gruppen von Rauchern zu sehen. Kaum jemand macht sich die Mühe, die Kippe versteckt zu halten - zumal elektronische Zigaretten nach der städtischen Verordnung weiterhin erlaubt sind. In den ersten drei Monaten wurden auch nur einige Dutzend Strafzettel verhängt. Genauere Zahlen nennt die Stadt nicht. Touristen, von denen viele das Verbot überhaupt nicht kennen, haben ohnehin Schonfrist.

Allerdings könnte sich das bald ändern. Im ersten Vierteljahr war auch in Mailand das Wetter nicht immer unbedingt so, dass man längere Zeit draußen sein wollte. Mit den steigenden Temperaturen wird das anders. 

Die Stadt hat angekündigt, härter durchzugreifen, Bußgeld inklusive. Vize-Bürgermeisterin Anna Scavuzzo sagt: „Italiener sind keine Skandinavier, die ein Gesetz auch einhalten, wenn es keine Strafe gibt.“

Polizist jagt lieber Taschendiebe

Vermutlich wird es noch ein paar Monate dauern, bis klar ist, was aus dem Verbot wird. Auf die Polizei vor dem Domplatz sollte sich die Stadtverwaltung dabei nicht unbedingt verlassen. Dort schaut einer der uniformierten Beamten zwei Rauchern in aller Ruhe zu, ohne etwas zu unternehmen. Seine Erklärung: „Wir haben mit Taschendieben genug zu tun.“

ef/dpa