Seinen letzten Filmauftritt hatte Val Kilmer vor drei Jahren. Ausgerechnet in „Top Gun: Maverick“. Schon im ersten „Top Gun“-Film 1985 hatte er den Kampfpiloten Tom „Iceman“ Kazanski gespielt, damals noch als erbitterter Gegner von der von Tom Cruise gespielten Hauptfigur Maverick Mitchell. In der Fortsetzung wirkte er wieder mit, diesmal als dessen alter Freund.

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Wobei Iceman kaum sprechen kann, weil er durch eine Kehlkopfkrebserkrankung seine Stimme verloren hat, und mit Cruises Maverick Mitchell über Computer kommuniziert. Am Ende steht Mitchell vor Icemans Grab. Und das waren die berührendsten Momente dieses Films. Und auch ganz wahrhaftige. Denn auch Kilmer selbst war an diesem Krebs erkrankt und hatte seine Stimme verloren. Nun ist er am 1. April, mit nur 65 Jahren, in Los Angeles an einer Lungenentzündung gestorben, wie US-Medien übereinstimmend unter Berufung auf seine Tochter berichteten.

Nach nur wenigen Filmen gehörte Kilmer schon zu Hollywoods Top-Liga

Valmers Karriere begann, ganz Top-Gun-like, als Höhenflug, geriet dann aber ins Trudeln und schwankte zwischen Höhen und Tiefen. Eigentlich wollte Kilmer zum klassischen Theater. Weshalb er, obwohl in Los Angeles, also zu Füßen Hollywoods geboren und aufgewachsen, an die andere Küste Amerikas zog, nach New York, wo er mit 17 als einer der Jüngsten in der ehrwürdigen Juilliard School das Schauspiel erlernte.

Sein Broadway-Debüt gab er 1983 in „Slab Boys“, neben Sean Penn und Kevin Bacon, die wie er Filmstars werden sollten. Es folgten weitere Auftritte in Shakespeare-Stücken. Aber dann rief doch die große Leinwand. Sein Gesicht mit den kantigen Zügen, den sinnlichen Lippen, den stechenden blauen Augen und den vielen Einflüssen, die sich darin spiegelten (Kilmer hatte deutsche, britische, französische und schwedische Wurzeln) waren einfach zu aufregend, als dass die Filmstudios es hätten ignorieren können.

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Tom CRUISE und Val KILMER in Top Gun', 1986
Dieser Part brachte ihn ganz groß raus: Kilmer (l.) 1986 in „Top Gun“ als erbitterter Gegner von Tom Cruise. © picture alliance / Keystone | Röhnert

Und so folgte sein Leinwanddebüt nur ein Jahr später, in der durchgeknallten Agentenfilmparodie „Top Secret!“, mit der die Macher Jim Abrahams sowie der Zucker-Brüder Jerry und David eine neue Art von Trash-Filmkomödie begründeten, die wirklich alles durch den Kakao zog. Kilmer spielte da einen US-Popsänger, der auf ein Kulturfestival nach Ostdeutschland eingeladen wird und dann die Welt retten muss (mit Tischtanzeinlage!), weil das Festival nur ein Ablenkungsmanöver des Ostblocks ist, um eine Nato-Flotte zu vernichten.

Seine reifste Leistung war Jim Morrison in „The Doors“

Kilmer wurde da noch als klassischer Jugendschwarm eingesetzt, der aber schon mit diesem Image spielte und eine Parodie auf Popstars im Allgemeinen und Elvis Presley im Besonderen gab. Ein weiterer Film mit „Top“ im Titel, eben „Top Gun“ katapultierte ihn dann vom Trash-Kino in die oberste Star-Riege.

Und fortan konnte er sich seine Hauptrollen aussuchen. Ob in Fantasyfilmen wie „Willow“ (1988) – wo er Joanne Whalley kennenlernte, mit der er sieben Jahre verheiratet war und zwei Kinder hatte, Tochter Mercedes und Sohn Jack –, Thriller wie „Halbblut“ (1992) oder Western wie „Tombstone“ (1993), wo er Doc Holliday spielte. Seine stärkste Performance, für die ihn die Kritik feierte, gab er allerdings in Oliver Stones Film über die Rockband „The Doors“, wo er Jim Morrison nicht nur optisch verblüffend nachstellte, sondern bei allen Konzertszenen auch selber sang. Damit war Kilmer endgültig weg vom Mädchen-Kreisch-Image hin zum ernsten Schauspieler.

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Top Secret
Seinen Kinoeinstand gab Kilmer 1983 in „Top Secret!“ © picture alliance / | Pa

Sein erfolgreichstes Jahr war 1995, als er in „Batman Forever“ Michael Keaton als Fledermaus-Superhelden beerbte und außerdem in Michael Manns Thrillerklassiker „Heat“ neben Robert De Niro und Al Pacino spielte. Aber im Folgenden legte er auch immer wieder veritable Flops hin, wie „Die Insel des Dr. Moreau“ mit Marlon Brando oder den Science-Fiction-Film „Red Planet“ (2000). Und mit der Jahrtausendwende geriet die Karriere in den Sinkflug.

Kilmer erzählte sein Leben nicht nur mit Memoiren, sondern auch in einem Film

Daran war er nicht ganz unbeteiligt. Kilmer galt als Diva voller Launen, Allüren und Streitlust. Er legte sich gern mit seinen Regisseuren und Schauspielkollegen an. Schon Ron Howard beschrieb Kilmer nach „Willow“ als schwierigen Zeitgenossen, John Frankenheimer wollte nach „Dr. Moreau“ nie wieder mit ihm zusammen arbeiten und Joel Schumacher ließ nach „Batman Forever“ die Hauptrolle des Superhelden neu besetzen – mit George Clooney. Auch sein Privatleben war voller Höhen und Tiefen. Nach seiner Scheidung hat er nie wieder geheiratet, seine Beziehungen mit Stars wie Cher, Michelle Pfeiffer oder Daryl Hannah waren schlagzeilenträchtig, hielten aber nie lange.

All das aber war vergessen über die Krebserkrankung, die er 2017 erstmals öffentlich machte. Und womit er eines der stärksten schauspielerischen Ausdrucksmittel verlor. Ähnlich wie seine Iceman-Figur konnte er nur noch über Technik kommunizieren. Eine britische Softwarefirma stellte ihm dazu mittels alten Audio-Aufzeichnungen und künstlicher Intelligenz eine Kopie seiner Stimme her.

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THE DOORS
Für diesen Film feierte ihn die Kritik: Val Kilmer 1991 mit Kathleen Quinlan in „The Doors“ (1991). © picture-alliance / Mary Evans Picture Library | Rights Managed

Sein wechselvolles Leben hat Kilmer nicht nur 2020 in seinen Memoiren „I‘m Your Huckleberry“ beschrieben, sondern auch in einer Filmdokumentation „Val“, die 2022 auf den Filmfestspielen in Cannes Premiere hatte. Seine Tochter hat den Film produziert, und sein Sohn ersetzte seinen Vater wegen dessen angeschlagener Stimme als Erzähler.

Eine sehr persönliche Produktion, in der Kilmer in seinen Filmen, aber auch privat zu sehen ist. Und offen bekennt, er habe sich daneben benommen, sei aber mutig gewesen, manchmal grotesk, aber auch sensibel und klug. Mit der Seele eines Clowns.