In vier Bundesländern sind am Dienstagvormittag mehrere Hundert Polizisten mit Razzien gegen die Mafia und organisierte Kriminalität vorgegangen. Das teilte die Polizei im baden-württembergischen Aalen mit. Demnach liefen Untersuchungen in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen, dem Saarland und auch in Italien. In Baden-Württemberg gab es Maßnahmen im Rems-Murr-Kreis, im Kreis Ludwigsburg und im Großraum Stuttgart, Fellbach, Kernen im Remstal, Weinstadt, Rudersberg, Schorndorf, Waiblingen, Steinheim/Murr, Kuppenheim und Mühlacker. Die Polizei arbeitet bei der Aktion mit den italienischen Behörden zusammen.

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Am Nachmittag teilten Polizei und Staatsanwaltschaft weiter mit, es seien 34 Haftbefehle vollstreckt worden, darunter auch einer gegen einen Polizisten aus Baden-Württemberg.

Dem 46 Jahre alten Polizeihauptmeister, der beim Polizeipräsidium Aalen beschäftigt ist, wird demnach Geheimnisverrat vorgeworfen. Der Verdacht gegen ihn bestand nach Angaben der Ermittler seit 2021. Er sei bereits nach dem ersten Verdacht intern versetzt worden. „So konnten wir sicherstellen, dass keine weiteren Informationen weitergegeben werden“, sagte der Polizeipräsident von Aalen, Reiner Möller.

Razzien in Deutschland: Waffen, Munition und Bargeld sichergestellt

Nach seinen Angaben wurde der Beamte, der keine italienischen Wurzeln hat, im Rems-Murr-Kreis im Großraum Stuttgart festgenommen. Dort habe er auch gearbeitet. Die anderen in der Mehrzahl italienischstämmigen Verdächtigen sollen unter anderem Verbindungen zur kalabrischen Mafia Ndrangheta haben, teilten die Ermittler weiter mit. Insgesamt 40 Objekte seien bei dem rund zweistündigen Einsatz in Deutschland und Italien durchsucht worden. Es wurden dabei auch Schusswaffen, Munition und digitale Speichermedien, Geschäftsunterlagen und Bargeld sichergestellt.

Nach einer Auskunft des Innenministeriums vom April vergangenen Jahres leben in Baden-Württemberg rund 170 Personen, die das Landeskriminalamt Baden-Württemberg der organisierten Kriminalität zurechnet. Tätige Mafiaorganisationen seien ’Ndrangheta, Cosa Nostra, Camorra und Sacra Corona Unita. Die regionale Verteilung der rund 170 Personen zeige eine Häufung im Bodenseeraum und im Großraum Stuttgart.

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Nicht nur als Rückzugsraum, sondern auch als Aktionsraum nutzten kriminelle Organisationen nach Art der italienischen Mafia die wirtschaftlich und geografisch günstige Lage Baden-Württembergs. Das Spektrum der Straftaten geht laut Ministerium dabei vom betrügerischen Handeln mit Lebensmitteln über den illegalen Drogenhandel, Waffendelikte und Geldwäsche bis hin zum Steuerbetrug.

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In Baden-Württemberg sei bislang keine Zusammenarbeit von verschiedenen Gruppierungen festgestellt worden, hieß es in der Antwort des Innenministeriums auf eine Anfrage der FDP im Landtag. Experten italienischer Antimafiabehörden vertreten jedoch die Auffassung, dass die Gruppierungen bei Erforderlichkeit und beiderseitigem Vorteil auch temporär beziehungsweise im Einzelfall zusammenarbeiten..

jst/dpa