Der Espresso an der Bar oder am Automaten ist ein tägliches Ritual für Millionen von Italienerinnen und Italienern. Doch nicht jeder schätzt diese Einrichtungen: Der Bürgermeister der Kleinstadt Pieve di Soligo in der norditalienischen Region Venetien gelegen hält sie sogar für ein großes Übel. Statt zu arbeiten, holten sich die Leute ständig einen Becher Kaffee. Also machte Stefano Soldan kurzen Prozess und ließ die Heißgetränkeautomaten aus den Amtsräumen und aus der städtischen Bibliothek der Gemeinde entfernen – ganz zum Ärger der 56 Beschäftigten.

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Er habe gar keine Wahl gehabt. Denn es ginge doch nicht an, dass die Mitarbeiter ihre Zeit mit Kaffeetrinken verschwendeten, während die Bürger und Bürgerinnen, die die Gemeinde für ihre bürokratischen Angelegenheiten aufsuchten, immer länger warten müssen. Zunächst hatte sich Soldan, Bürgermeister der 12.000-Einwohner-Stadt, noch konstruktiv gegeben und die Mitarbeiter nur ermahnt, sie sollten es mit den Kaffeepausen nicht übertreiben. Als dies aus seiner Sicht nichts half, ließ er die insgesamt drei Kaffee-Automaten entfernen.

Italiens Bürgermeister: Eigene Thermoskanne statt Espresso-Automaten

Schweren Herzens, so scheint es. Denn Soldan klagte, dass „alle Warnungen nutzlos“ waren. „Man hat mir gesagt, dass klarere Regeln nötig seien. Aber ich denke: Alles, was nötig wäre, ist ein bisschen gesunder Menschenverstand und Höflichkeit gegenüber der Gemeinschaft und den Kollegen.“ Den Beschäftigten empfahl er nun, sich für eine Pause offiziell auszustempeln und den Espresso außerhalb zu sich zu nehmen. „In Italien gibt es keinen Mangel an Cafébars“, sagte der Bürgermeister. „Oder man bringt sich seine Thermoskanne von zu Hause mit.“

Die Gewerkschaften sind nun auf dem Baum. Es sei ungerecht, dass das Verhalten einiger weniger zum Nachteil aller städtischen Bediensteten ausfällt, so der Tenor. Der Bürgermeister soll doch umgehend einen Rückzieher machen und die Automaten wieder aufstellen.

Aber nicht nur strenge Chefs machen kaffeedurstigen Italienern das Leben schwer. Auch die steigenden Preise für den täglichen Espresso sind für viele schwer verdaulich. Seit 2021 hat sich der Preis eines Espressos um 20 Prozent erhöht, wie aus Angaben des Konsumentenschutzverbands Assutenti hervorgeht. Obwohl der Preis für eine Tasse Kaffee im Vergleich zu anderen europäischen Ländern in Italien noch immer wesentlich niedriger ausfällt, stößt der Anstieg auf heftige Kritik.

Rome, Italy: Server at Outdoor Caffè Sant'Eustachio
Statt im Büro ständig an der Kaffee-Maschine herumzustehen, sollten die Mitarbeiter einfach mal auswärts ihren Espresso trinken.© iStock | JannHuizenga

Italienweit sind die Kaffee-Preise sehr unterschiedlich: Bozen ist mit einem Durchschnittspreis von 1,43 Euro die Stadt mit dem teuersten Espresso, gefolgt von Trient, Pescara und Triest mit 1,34 Euro. Catanzaro im süditalienischen Kalabrien ist die billigste italienische Stadt für Espresso-Liebhaber. Hier kostet eine Tasse Kaffee nicht mehr als einen Euro.

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In den kommenden Monaten könnte der Preis für Kaffee weiter beträchtlich steigen, warnen italienische Kaffeeröster. Grund dafür ist der Preis für Rohkaffee, der wegen des Klimawandels und anderer Faktoren ein Rekordhoch erreicht hat.

Italiener geben acht Milliarden Euro pro Jahr für den Kaffeegenuss aus

Nicht nur das Klima macht dem Kaffeemarkt zu schaffen. Die Kaffeeversorgungskette steht auch wegen logistischer Probleme unter Druck. Darüber hinaus haben Spekulationen über Rohstoffe die Situation weiter verschärft.

Für Kaffee geben die Italiener mehr als acht Milliarden Euro pro Jahr aus, das sind etwa 392 Euro pro Familie. Kaffee-Kapseln generieren einen jährlichen Wert von 595 Millionen Euro, während Mokka-Kaffee einen Umsatz von 640 Millionen Euro verzeichnet. Sieben Milliarden Euro entfallen auf das Geschäft mit Espresso, der in Cafés getrunken wird.

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Die Teuerungswelle könnte den Kaffeekonsum der Italiener beeinträchtigen, warnte der Konsumentenschutzverband Codacons. Die Chefin des traditionsreichen italienischen Kaffeerösters Illy, Cristina Scocchia, beklagte gegenüber der Tageszeitung „Corriere della Sera“ Preisspekulationen beim Rohkaffee. Trotz wachsender Preise erfreut sich Espresso einer Beliebtheit wie noch nie. Um der steigenden Nachfrage gerecht zu werden, will Illy 120 Mio. Euro in die Verdoppelung der Produktionskapazität am Standort Triest investieren.