Als Japans Prinz Hisahito vor Kurzem vor die Presse trat, eroberte er die Herzen der Menschen im Sturm. Hingerissen waren sie von dem jungen Mann, der gerade mal 18 Jahre alt ist. Mit seiner Ungezwungenheit ließ er fast vergessen, dass hier Japans zukünftiger Kaiser steht. Ein wenig linkisch, aber sehr charmant wirkte Hisahito, nach seinem Vater die Nummer zwei der kaiserlichen Thronfolge, beim ersten öffentlichen Auftritt in Tokio. Und das Schöne: Der einzige Neffe des derzeitigen Tenno Naruhito (65) ist noch zu haben.

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Chic gestylt im schwarzen Anzug zeigte sich der Prinz auf der Pressekonferenz. Dass er, wie er selbst einräumte, nervös gewesen sei? Man hat es ihm nicht angemerkt. Zudem wirkte er noch „rührend wohlerzogen“, so Adelsexperte Jürgen Worlitz gegenüber unserer Redaktion.

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„Das war eine perfekte Inszenierung“, erklärt Worlitz weiter. „Für die Japaner war er geradezu ein Prinz wie aus dem Märchenbuch. Solch einen Schwiegersohn wünschte sich in diesem Augenblick doch wohl jeder.“ Aber Hisahito machte künftigen Schwiegereltern keine Hoffnung: Er befasse sich am liebsten mit Libellen.

Japans Märchenprinz: Adelsexperte erklärt, warum Hisahito keine Familie will

Was eine schillernde Hochzeit, Ehe und Familie angeht, scheint man sich also noch gedulden zu müssen. „Ich habe noch nicht gründlich über den idealen Zeitpunkt oder die ideale Partnerin nachgedacht“, gestand der junge Prinz kürzlich bei seiner ersten Pressekonferenz. Gut, er ist erst 18. Aber warum wies der prominente Adlige überhaupt so ausdrücklich darauf hin, dass er mit Heirat und Co. nichts am Hut hat? Die Gründe für sein Verhalten, so der Adelsexperte, liegen offen auf der Hand und haben eine geradezu hochpolitische Dimension: „Es geht um nicht weniger als die Rettung der kaiserlichen Dynastie.“

Statt Abdriften ins Private ist Repräsentieren angesagt: Für Japans Kaiserfamilie sei die Absage an Ehefrau und Kinder also kein Grund zur Traurigkeit. Hisahito, einziger Sohn von Prinz Fumihito und dessen Frau Prinzessin Kiko, gilt mit seinem Familienverzicht als Kaiser im Wartestand. Endlich kann sich mal wieder einer auf die Tenno-Rolle vorbereiten. Hatte doch akuter Männermangel Japans Royals in Alarmstimmung versetzt. Hisahito sei, was die Thronfolge angeht, sozusagen „eingesprungen“. „Selbst vorgedrängelt hat er sich nicht. Es war schlicht kein anderer da“, so Worlitz.

Crown Prince Family Visit Gifu - Day 1
Prinz Hisahito mit seinem Vater, Kronprinz Fumihito, und seiner Mutter, Kronprinzessin Kiko, bei einem Kultur-Festival an the National High School in Tokio.© The Asahi Shimbun via Getty Images | The Asahi Shimbun

Dass er einmal den Chrysanthementhron besteigen soll, war Hisahito erst 2020 im Alter von 14 Jahren beigebracht worden. Da hatte sein Onkel, Kaiser Naruhito, schweren Herzens die Hoffnung begraben, das Zepter einmal an sein einziges Kind, Prinzessin Aiko, weiterreichen zu können. „Der Kaiser hatte begriffen“, so Worlitz, „dass die Mühlen im Parlament unendlich langsam mahlen. Und dass er es womöglich nicht mehr erleben wird, dass die starren, antiquierten Gesetze fallen, die Frauen von der Erbfolge ausschließen.“

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Anstatt das Verbot, das aus dem Jahre 1889 stammt, abzuschaffen, kam die Regierung zu einer anderen Lösung: Royals, die bürgerlich heiraten wollen, sollten ihren royalen Status nicht verlieren, sondern Teil der Kaiserfamilie bleiben. Männliche Nachkommen willkommen. Zudem gab es Pläne, wonach die Adoption von Jungen aus einstigen Kaiserhausfamilien ermöglicht werden sollte. Diesen Familien war nach dem Zweiten Weltkrieg der royale Status entzogen worden.

Japans Prinz Hisahito: Das Geheimnis seiner Faszination für Insekten

Alles erübrigte sich, als Hisahito auf die Welt kam. Sämtliche Reformpläne wurden über Bord geworfen. Der neue Prinz sollte zum Erfolgsschlager werden: Und mit Hisahitos 18. Geburtstag erreichte im September 2024 zum ersten Mal seit 1985 wieder ein männlicher Royal in Japan die Volljährigkeit.

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Doch auch Hisahito ist nur ein Rad im System und braucht einen langen Atem. „Er muss die Regentschaften von Kaiser Naruhito, der jetzt 65 ist, aussitzen, ebenso wie die seines 59-jährigen Vaters. Es kann also gut und gerne noch 25 oder 30 Jahre dauern, bis Hisahito ans Ziel gelangt“, erklärt Adelsexperte Worlitz. Noch also könne der junge Prinz weiter ganz entspannt und gelassen in die Zukunft schauen. „Er weiß, dass sich bis dahin noch unendlich viel auf der Welt, in Japan und womöglich auch im Kaiserhaus verändern wird.“

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Wie geht es weiter mit dem Prinzen? Was die Liebe angeht, so will es der Mann mit dem Pony bis tief in die Stirn erst mal bei Krabbeltierchen belassen. „Ich bin schon seit Langem von Insekten fasziniert“, erklärte der Prinz jüngst einer Vielzahl von Journalisten. Die Natur insgesamt interessiere ihn über alle Maße, sodass er sich auch wissenschaftlich damit befassen möchte.

Er will erst mal ganz der Tradition seiner Vorfahren folgen und genau wie sie im Ausland studieren. Lebens- und Umweltwissenschaften, das habe er sich ausgesucht. Allerdings wolle er sich auch „an außerschulischen Aktivitäten beteiligen“, wie er verschmitzt hinzufügte. Was auch immer das konkret bedeuten soll. Besser mal eine Party schmeißen, als Heiratspläne zu schmieden? Wobei sich die Pläne junger Menschen ja schneller ändern können, als einem alten Kaiser lieb ist.