Emilie ist sieben Jahre alt. Ihr Tag ist durchgetaktet. Das ist sie so gewohnt. Erst die Schule, und dann, am Nachmittag, geht es weiter: reiten, flöten, Ballett. Und jetzt ist auch noch Kickboxen dazu gekommen. War ja noch ein Nachmittag frei in der Woche, an dem nichts los war. An dem Emilie sich sonst gelangweilt hätte. Und was passiert, wenn sie sich langweilt? Nichts Gutes, so die Eltern. Genörgel sei noch die harmlose Variante. Ausrasten treffe es viel mehr.
Langeweile ist Gift für Kinder, glauben jedenfalls viele Eltern. Und geben alles, um ihre Nachkommen zu bespaßen, so Psychologe, Generationenforscher und Bestseller-Autor Rüdiger Maas. Eltern seien als Entertainer und Chauffeure gefragt: Sie fahren die Kinder von Event zu Event. Geraten dabei selbst oft in Zeitstress. Weil es alle so machen, hinterfragen sie nicht mehr, ob die Dauer-Performance überhaupt gut ist. Ist sie nicht, so der Experte. Im Gegenteil.
Das Kurioses sei ja, dass Eltern versuchen in der Kindererziehung, alles richtig zu machen. Sie wollen das Beste fürs Kind – und denken, das Beste sei auf jeden Fall Spaß! Und keine Langeweile.


