Der Wert von Kunst wird immer wieder unterschätzt. Der Fall der Bouchardon-Büste, die von der schottischen Stadt Invergordon für nur fünf Pfund Sterling erworben wurde, zeigt jedoch auf geradezu groteske Weise, wie sehr ein Kunstwerk verkannt werden kann.
Wertvolle Büste stammt aus dem 18. Jahrhundert
Denn seit einer Untersuchung der Büste weiß man, dass es sich um die Darstellung des Highland-Lords Sir John Gordon handelt, eines schottischen Parlamentsabgeordneten und Namensgebers der Stadt Invergordon. Seine Familie besaß einst große Ländereien in Easter Ross.
Geschaffen wurde die Büste 1728 von keinem Geringeren als Edmé Bouchardon, einem der größten Bildhauer seiner Zeit. Bouchardon (1698-1762) schuf unter anderem Skulpturen für die Gärten des Schlosses von Versailles, dem ehemaligen Sitz des französischen Königshauses, und gestaltete die berühmte Fontaine des Quatre Saisons in Paris.
Spannende Achäologie-Artikel – für Sie recherchiert
Meisterwerk verschwindet aus unerklärlichen Gründen
Umso verwunderlicher ist es, dass die Stadt Invergordon die Büste 1930 für nur 5 britische Pfund erwarb. Der Grund für den Kauf war außerdem weniger künstlerischer als lokalhistorischer Natur: Sir John Gordon, der auf der Büste dargestellt ist, gilt als Gründer der Stadt. Geplant war, die Skulptur im Rathaus auszustellen – ein Vorhaben, das allerdings nie realisiert wurde.
Nach dem Kauf verschwand die wertvolle Büste auf mysteriöse Weise. Jahrzehntelang blieb sie unauffindbar, bis sie 1998 an einem denkbar unwürdigen Ort wieder auftauchte: In einem Materialschuppen in einem Industriegebiet in Balintore, wo sie offenbar als Türstopper diente. Ironischerweise führte dieses Verschwinden zu einer enormen Wertsteigerung des Kunstwerks.
Lesen Sie auch: Magischer Schiffsfund: „Das ist archäologischer Sternenstaub“
Millionenangebot für Bouchardon-Büste
Kürzlich wurde nun bekannt, dass ein privater Käufer aus dem Ausland über Sotheby’s ein Kaufangebot von 2,5 Millionen Pfund (rund 3 Millionen Euro) für das historische Kunstwerk abgegeben hat – mit der Aussicht auf eine weitere Steigerung.

Jeden 2. Sonntag
Ein FUNKE Liebe
Alle zwei Wochen sonntags: Antworten auf Beziehungsfragen – ehrlich, nah und alltagstauglich.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Die Büste, die sich derzeit im Besitz des Highland Councils befindet, soll in einer der nächsten Sitzungen des Kommunalausschusses behandelt werden. Fest steht: Das Angebot übertrifft den im Vorjahr geschätzten Wert von 1,4 Millionen Pfund (rund 1,7 Millionen Euro) bei weitem. Doch die Entscheidung zwischen Verkauf und Verbleib in der Region wird immer mehr zu einer Zerreißprobe zwischen finanziellen Interessen und kulturellem Erbe.
- Dank geheimer Fotos: Polizei findet prall gefülltes Schatz-Grab
- Polen: Archäologen lösen 400 Jahre altes Rätsel um „Vampirfrau“
- Unterwasser-Archäologie: Wrack von legendärem U-Boot aus Zweitem Weltkrieg gefunden
- Kannibalismus: Archäologen machen schaurige Entdeckung in Jamestown-Kolonie
- Altes Ägypten: Krebsoperationen schon vor 4300 Jahren?
Kritik an möglichem Verkauf
So äußerte der renommierte Kunsthistoriker Dr. Bendor Grosvenor gegenüber der „BBC“ deutliche Kritik an einem möglichen Verkauf ins Ausland: „Dieses Kunstwerk ist dem Highland Council praktisch in den Schoß gefallen. Es gibt keinen Grund, es an den Meistbietenden zu versteigern.“ Grosvenor plädiert dafür, die Büste als Leihgabe an Institutionen wie das Inverness Museum oder die National Galleries of Scotland zu geben, damit sie in ihrer historischen Heimat bleiben kann.
Die Zukunft der Bouchardon-Büste bleibt ungewiss – doch dass sie zu sehenswert ist, um für teures Geld in einer Privatsammlung zu verschwinden, hat sie in der jüngeren Vergangenheit bereits bewiesen. 2016 war sie im Pariser Louvre zu sehen, später folgte eine Ausstellung im J. Paul Getty Museum in Los Angeles.








