Erst kürzlich wurden bei einer Kunstauktion 6,2 Millionen Dollar für die Banane von Maurizio Cattelan geboten. Das Werk will der Käufer essen. Was absurd klingt, aber gut zeigt, wie viel Geld reiche Leute bereit sind, für ein Kunstwerk zu bieten. Zumindest für eines, das von einem der wenigen „Superstar-Künstler“ geschaffen wurde, auf die sich der Markt immer mehr zu fokussieren scheint. Denn für die aufsteigenden Künstler im Mittelfeld ist die Lage eine andere.

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„Dieses ganze Star System hat dazu geführt, dass quasi keine Brücke von den Einsteigern zu den Stars reicht“, sagt Holm Friebe, Publizist, Autor und Geschäftsführer der Zentralen Intelligenz Agentur. Diese Brücke will ein Team um Helene Bosecker und Friebe nun mit einer Initiative schaffen. Mit der dritten Auflage der Direkten Auktion wollen sie gemeinsam mit dem Auktionshaus Jeschke Jádi aufstrebende Künstler aus dem Mittelfeld wirtschaftlich unterstützen und ihnen Sichtbarkeit verschaffen. Oder wie die Projektmanagerin und Kuratorin Helene Bosecker es ausdrückt: „Wir wollen den Kunstmarkt am Leben erhalten.“
Der Name „Direkte Auktion“ verrät bereits den wesentlichen Unterschied zur klassischen Auktion. Die Werke werden ohne Zwischenbesitzer direkt vom Künstler versteigert. In erster Linie profitieren hier also die Kunstschaffenden selbst. Der Primär- und Sekundärmarkt wird zusammen gedacht. Kurze Erklärung: auf dem Primärmarkt werden Kunstwerke erstmals angeboten, während sie auf dem Sekundärmarkt über Galerien, Kunsthandlungen oder Auktionshäuser weiterverkauft werden. „Wir machen Sozialismus, aber mit kapitalistischen Mitteln“, sagt Friebe.
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Die Idee zur ersten Direkten Auktion ist während Corona geboren. Die Lage war ernst – für die kleinen Künstler und die im Mittelfeld, die normalerweise mit ihrer Kunst gerade genug verdienen, um leben zu können. Heute, zwei Jahre nach der Pandemie, in eigentlich „normalen Zeiten“, ist die Situation nicht viel besser. „Der Kunstmarkt in Deutschland ist schockgefrostet“, sagt Friebe. Als Grund nennt er die Wirtschaftskrise. Die Direkten Auktion will sich nicht gegen Galerien stellen, aber einen weiteren Topf für die Studios schaffen, Kunst und Wirtschaftlichkeit zusammendenken. „Das ist eine Investition in die Zukunft“, sagt Bosecker.
Einer der Künstler, die sich durch die Direkte Auktion Sichtbarkeit – und natürlich bietende Käufer – erhofft, ist Sascha Boldt, der seit 2012 in Berlin lebt. Den Kunstmarkt in der Stadt beschreibt er als so „desolat wie nie zuvor“. Während in den 90er-Jahren Berlin als lebendige Kunstszene angepriesen wurde, werde es heute für aufsteigende junge Kreative immer schwieriger, bezahlbare Ateliers zu finden und sich zwischen den vielen Kunstschaffenden durchzusetzen. Seinen Arbeitsraum hat der Künstler in Tempelhof. Spraydosen, Acrylfarben und Pinsel stapeln sich auf dem Tisch. Die Wände sind bedeckt mit seinen Arbeiten.
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Boldt wurde von einem der Kuratoren entdeckt, die die Künstler für die Auktion ausgewählt haben. Von ihm wird sein Werk „Naughty by Nature“ versteigert. Der multikonzeptionelle Künstler vereint sowohl in der Herstellung als auch im fertigen Bild Elemente aus der digitalen und analogen Welt. „Das Grundthema meiner ganzen Kunst ist quasi diese überbordende Informationsflut, der wir ausgesetzt sind“, sagt er. In „Naughty by Nature“ ist eine Elster zu sehen. Um sie herum: ein Ring, ein Diamant, Wassertropfen. Sie pickt sich ihren Schatz raus, fokussiert sich darauf. „Diese Fokussierung fehlt uns heutzutage durch Instagram und den überbordenden medialen Überfluss“, sagt Boldt.
Wenn sein Bild ersteigert wird, erhält er selbst 85 Prozent des Verkaufspreises. Für den Käufer kommt auf den Preis noch ein für Auktionen typisches Aufgeld dazu und eine Mehrwertsteuer. Dazu wurde für jede Arbeit ein Limitpreis, also ein Mindestpreis, festgelegt, damit die Kunst nicht unter Wert verkauft wird.
Insgesamt 35 Werke von 24 Kunstschaffenden werden in vier Slots angeboten. Wie wurden die Arbeiten ausgewählt? Für Bosecker ist Authentizität wichtig. Nicht alle Künstler sind aus Berlin, aber sie alle haben eine Verbindung dazu. „Es sind Positionen vertreten, die sind so divers wie auch Berlin divers ist“, sagt Friebe. In einem Katalog sind alle Werke abgedruckt. Wer ihn durchblättert, sieht: Das ist keine alte Kunst verstorbener Männer. Nein, hier werden poppige, bunte Werke von lebenden, aufstrebenden Kunstschaffenden angeboten.
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Natürlich müssen sich die Künstler auch auf die Direkte Auktion einlassen können. Es ist eine harte Bewertung des Marktes. Boldt stellt sich dieser Bewertung: „Es ist immer ein Wagnis. Gerade in meinem Fall weiß ich, dass ich ein Künstler bin, der einen sehr speziellen Markt hat“.
Durch unterschiedliche Preisniveaus möchte das Team rund um Bosecker und Friebe ein breites Publikum ansprechen. Die Hemmschwelle vor Auktionen soll abgebaut werden, wer noch keine Erfahrung hat, soll herangeführt werden. Und auch wenn hier keine Banane für 6,2 Millionen Dollar versteigert wird, so wird zumindest der Berliner Kunstmarkt umgewürfelt.
Auktionshaus Jeschke Jádi, Potsdamer Straße 16, Zehlendorf. Vorbesichtigungsmöglichkeit: 30.11. - 6.12. zu den Öffnungszeiten und nach Absprache. Auktion: 7.12. ab 14 Uhr live im Auktionshaus und im Internet über die Plattformen Lot-Tissimo, Invaluable und andere.







