Für das norwegische Königshaus ist es ein harter Schlag: Der Sohn von Kronprinzessin Mette-Marit wurde wegen vierfacher Vergewaltigung angeklagt. Zudem wirft die Staatsanwaltschaft Marius Borg Høiby 28 weitere Straftaten vor, darunter tätliche Angriffe. Dem 28-Jährigen drohen bis zu zehn Jahre Haft.

Jeden 2. Sonntag

Ein FUNKE Liebe

Alle zwei Wochen sonntags: Antworten auf Beziehungsfragen – ehrlich, nah und alltagstauglich.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Neben den vier Vergewaltigungen werden Hoiby unter anderem auch häusliche Gewalt, Freiheitsberaubung, Vandalismus und Verstöße gegen ein Kontaktverbot vorgeworfen, wie Generalstaatsanwalt Sturla Henriksbo am Montag mitteilte. Zudem habe er laut Anklage die Genitalien von Frauen ohne ihr Wissen oder ihre Einwilligung gefilmt.

Die Höchststrafe für die in der Anklage genannten Straftaten sei „eine Gefängnisstrafe von bis zu zehn Jahren“, sagte Henriksbo. Es gehe um „sehr schwere Taten, die bleibende Narben hinterlassen und Leben zerstören können“. Der Prozess gegen Hoiby könnte nach Angaben der Staatsanwaltschaft im kommenden Januar beginnen. Lesen Sie hier, was über Marius Borg Høiby bekannt ist.

Lesen Sie auch

Mette-Marits Sohn gestand Drogenmissbrauch ein

Zunächst ein Rückblick: Nach ersten Vorwürfen wegen Körperverletzung und Sachbeschädigung hatte Høiby im August 2024 eingeräumt, unter Alkohol- und Kokain-Einfluss gegenüber seiner damaligen Freundin gewalttätig geworden zu sein und Dinge in ihrer Wohnung zerstört zu haben. Die Behörden waren zuvor wegen eines Streits in ein Apartment in Oslo alarmiert worden, Høiby wurde vorübergehend festgenommen, kam jedoch schon kurze Zeit später wieder frei.

In einer schriftlichen Stellungnahme berichtete der Sohn von Mette-Marit später von psychischen Problemen und gestand ein, seit längerem mit Drogenmissbrauch zu kämpfen. Marius wolle sich auch bei seiner Familie entschuldigen, wie er schrieb: „Ich weiß, dass mein Verhalten große Auswirkungen auf sie hatte.“ Im Laufe der Ermittlungen weitete die Polizei die Anschuldigungen gegen ihn immer weiter aus. Er wurde mehrmals festgenommen und verhört. Im November 2024 saß Høiby sogar eine Woche in Untersuchungshaft, nachdem damals neue Vorwürfe zu mehreren mutmaßlichen Sexualdelikten bekanntgeworden waren.

Kronprinz Haakon Mette-Marit und Sohn
Bei der königlichen Hochzeit 2001 stahl Mette-Marits Sohn Marius dem Brautpaar die Show.© picture-alliance / dpa | Martin_Athenstädt

Kronprinz Haakon (51), nannte die Ermittlungen gegen seinen Stiefsohn eine „ernste Angelegenheit“. In einem Interview des Senders NRK Ende 2024 sagte Mette-Marit, die Ermittlungen gegen Marius hätten die königliche Familie belastet. „Es war hart. Anders kann man das nicht nennen“, sagte die Kronprinzessin. „Es war wirklich, wirklich hart für uns.“ Zur Anklage gegen Høiby wollte sich das norwegische Königshaus nicht direkt äußern. „Es ist Sache der Gerichte, diesen Fall zu behandeln und zu einer Entscheidung zu kommen. Wir haben darüber hinaus nichts hinzuzufügen“, teilte die Hofsprecherin Guri Varpe der Nachrichtenagentur NTB mit.

Sohn von Mette-Marit: Deshalb hat Haakon ihn nie adoptiert

Anders als sein güldenes Haar und seine enge Verbindung zum Herrscherhaus vermuten lassen, ist Mette-Marits Sohn kein Prinz. Sein Vater ist der Unternehmer Morten Borg. Als Marius 1997 zur Welt kam, waren seine Eltern bereits wieder getrennt. Mette-Marit musste sich als Alleinerziehende mit Kellner-Jobs über Wasser halten. Bis sie durch einen glücklichen Zufall um die Jahrtausendwende den norwegischen Kronprinzen Haakon kennenlernte.

Dass sie einen unehelichen Sohn mit ins Schloss brachte, machte ihr den ohnehin steinigen Anfang als Bürgerliche unter Royals nicht leichter. Aber spätestens als das Paar 2001 im Osloer Dom heiratete, eroberte der vierjährige Marius mit dem Gesicht eines norwegischen Michel aus Lönneberga alle Herzen. Die Patchworkfamilie sollte in den kommenden Jahren um Ingrid Alexandra (21) und Sverre Magnus (19) wachsen. Die beiden dürfen sich Prinzessin und Prinz schimpfen und stehen an zweiter und dritter Stelle der Thronfolge – während Marius von der Seitenlinie aus zusieht.

Mehr Artikel über Europas Adel

Denn der wurde nie von Prinz Haakon adoptiert. Nicht etwa, weil Norwegens zukünftiger König seine Rolle als Stiefpapa nicht gerne antrat. Er habe sich lediglich nicht zwischen Marius und dessen leiblichen Vater stellen wollen, heißt es. Auf offiziellen Anlasskarten saß der kleine Junge auf Haakons Schoß. Dem erwachsenen Marius legt der Kronprinz auf privaten Schnappschüssen gerne mal einen väterlichen Arm um die Schultern.

Norwegens Royals: Marius wollte nie in der Öffentlichkeit stehen

Mette-Marits Erstgeborener teilt also nicht die Pflichten eines Prinzen aus dem Haus Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg. Ihr Sohn sei bei ihrer Hochzeit „das Symbol einer ungewöhnlichen Wahl“ geworden, schrieb Mette-Marit einst in einem offenen Brief anlässlich seines 20. Geburtstages. Eine eigene Wahl hatte er nie. Um sich den Medien zu entziehen, die die „Rebellionen seiner Jugend“ genauestens verfolgten, wolle er in den USA studieren. „Als Mutter könnte ich nicht stolzer sein“, so die Kronprinzessin.

Norway's Princess Ingrid Alexandra, front center...
Die norwegische Königsfamilie (v.l.): Prinz Sverre Magnus, Kronprinz Haakon, Prinzessin Ingrid Alexandra, Kronprinzessin Mette-Marit, Marius Borg Høiby.© picture alliance / AP | Lise Aaserud

Schon seit 2017 ist auf der Website des Königshauses nichts mehr über ihren Sohn zu lesen – auf seinen Wunsch, angeblich. Dort konnte man zumindest erfahren, dass er Klavier spielt und sich gerne sportlich betätigt, sogar seinen Abschluss an einem Sportgymnasium in Oslo machte. Da kommt ihm seine Abkehr vom Hof sehr gelegen, denn ohne Prinzentitel bleibt bekanntlich mehr Zeit zum Feiern, Surfen, für Motorradfahren, Skiurlaub, Jetski-Touren oder Skateboarden, wie er seinen Followern auf Instagram demonstriert.

Sein Wirtschaftsstudium in Los Angeles verfolgte er weit weniger leidenschaftlich, wie zu lesen ist. Während seiner Zeit an der Uni versuchte sich Marius als Modedesigner und entwarf Lederjacken unter seinem eigenen Label „MBH“. Sein Studium aber brachte er nicht zu Ende, sondern sicherte sich ein Praktikum bei Designer Philipp Plein. Eine Zeit lang schrieb Marius außerdem für die britische Zeitschrift „Tempus“ über teure Autos und Luxusuhren. Viel mehr ist über seine Karrierepläne nicht zu lesen. In Norwegen schien man vor allem interessiert an seinen Beziehungen, unter anderem zu Schauspielerin und „Playboy“-Model Juliane Snekkestad. Diverse Frauen, darunter auch Ex-Freundinnen, sollen inzwischen Anschuldigungen gegen Høiby erhoben haben.

fmg/dpa/AFP

Dieser Artikel erschien zuerst im Juli 2024 und wurde aktualisiert.