Der Karneval der Kulturen konnte in diesem Jahr gerade noch auf den letzten Drücker gerettet werden, da scheint die Zukunft von Berlins größtem Multi-Kulti-Event erneut in Gefahr. Vertreter der Karnevalsgruppen, die sich seit Jahren für den traditionell am Pfingstwochenende startenden Umzug nebst Straßenfest engagieren, sprechen sogar schonvom „drohenden Ende dieses Festes“.

Der Grund für den neuen Tanz um den Karneval: Integrationssenatorin Dilek Kolat (SPD) plant eine drastische Kürzung der Finanzierung des international bekannten Spetakels, das allein in diesem Jahr wieder 1,5 Míllionen Besucher nach Kreuzberg zog.

So sollen nach den Plänen Kolats im nächsten Jahr für den Karneval der Kulturen zwar noch auskömmliche 830.000 Euro in den Haushalt eingestellt werden. 2017 aber will die Senatorin nur noch 270.000 Euro im Haushalt einstellen. Damit nicht genug, ist auch die Frage der künftigen Trägerschaft des multikulturellen Großevents für 2016 noch nicht geklärt. In diesem Jahr hatte wie berichtet die landeseigene Kulturprojekte GmbH die Trägerschaft übernommen. Die Karnevalsgruppen fordern einen unabhängigen Träger.

Konzeptdialog erfolgreich durchgeführt

Nada Mau wurde Leiterin des Büros, das den Karneval der Kulturen 2015 organisiert hat. Sie hatte bereits von 2004 bis 2012 als damalige Mitarbeiterin der Werkstatt der Kulturen den Karneval geleitet. Doch wie Nada Mau gegenüber der Berliner Morgenpost am Donnerstag bestätigte, laufen die Verträge der Mitarbeiter des Karneval-Büros zum Ende des Jahres aus.

„Damit haben wir jetzt wieder die gleiche Situation wie Anfang dieses Jahres, als die Zukunft des Karnevals der Kulturen total unklar war“, kritisiert Mau und bezieht sich dabei sowohl auf die Finanzierung als auch die Trägerschaft. Zwar wurde der von den Karnevalsgruppen geforderte Konzeptdialog erfolgreich durchgeführt, doch bleiben einige der erarbeiteten Forderungen der Gruppen offenbar wieder auf der Strecke.

So haben die Gruppen als Ergebnis des Konzeptdialogs unter anderem gefordert, dass das Großevent unter die Ägide einer unabhängigen Trägerschaft gestellt wird. Vom bisherigen Träger, der Kulturprojekte GmbH, fühlen sich viele der Gruppen nicht gut vertreten, betont beispielsweise Francesco Campitelli.

Unabhängiger Träger gefordert

Der Sprecher der süditalienischen Gruppe „Tarantella“ bestätigte am Donnerstag, „wir fordern einen unabhängigen Träger“. Zur Finanzierung sagte Campitelli, dass es unmöglich sei, das für 2017 erfordserliche Geld durch Drittmittel einzuwerben, „ohne die Seele des Karnvals zu verkaufen“. Auch Perry Ottmüller von reggaeberlin.de betonte, „wir sind nicht bereit aus dem Karneval der Kulturen durch den Verkauf der Namensrechte den Karneval für irgendeinen Großkonzertn zu machen“.

Der Integrationsbeauftragte Andreas Germershausen sieht den Karneval weiter als gesichert an. 2015 und 2016 stelle der Senat wesentlich höhere Mittel zur Verfügung, um den Karneval zu stabilisieren. „Der Senat möchte aber nicht dauerhaft den Karneval in dieser Höhe finanzieren“, so der Integrationsbeauftragte. Er erwarte, dass sich dieses Event erfolgreicher selbst finanziere.