Montagabende gehören für Benjamin Kessel fernsehtechnisch nicht zu den aufregendsten, was die Auswahl betrifft. Weshalb er meist beim Fußball hängenbleibt. „Es kommt ja nichts Besseres“, sagt er. Also guckt er die Zweite Liga, und da er selbst Profi ist, kann er da sogar immer ein bisschen mitnehmen. An diesem Montag spielten Nürnberg und 1860 München gegeneinander (Endstand: 2:2). Wie passend. Denn zu 1860 muss der 1. FC Union, Kessels Klub, am Sonntag. „Für einen ersten Eindruck ist das gut“, sagt er. Der Blick geht schon nach vorn.

Der Blick zurück fällt nicht gerade angenehm aus. Am Sonntag spielten die Berliner 2:2 gegen den 1. FC Kaiserslautern. Ein an sich annehmbares Resultat, aber auch eines, das nach mittlerweile vier sieglosen Pflichtspielen zum Saisonstart niemanden zufrieden stellt. Zum vierten Mal in Folge wurde eine Führung kurz vor Schluss hergegeben. „Wenn es optimal gelaufen wäre, hätten wir den einen oder anderen Punkt mehr“, sagt Kessel, dessen Mannschaft sich sehr schwer tut mit der Konzentration für eine ganze Partie. „Wir stellen uns der Sache“, kündigte Trainer Norbert Düwel an. Wobei allgemein darauf gesetzt wird, dass sich die Sache von allein erledigt. „Wenn wir ein Spiel gewinnen, ist das vorbei. Dann kriegen wir die Dinger über die Zeit“, sagt Stürmer Sören Brandy.

Längerer Findungsprozess

Positive Signale haben die Berliner bereits vernommen. Der Kampf gegen Kaiserslautern, das Drehen der Partie nach einem Rückstand in der zweiten Halbzeit, das „war für den Findungsprozess wichtig“, so Abwehrchef Kessel. Dass der so lange dauern würde, damit hatten sie nicht unbedingt gerechnet. Schließlich soll diese Saison die Aufbauarbeit der vergangenen fortführen. Vor einem Jahr begann der große Umbau mit den zu erwartenden Anlaufschwierigkeiten.

Die Problemlage hat sich nun etwas verschoben. Damals konnten die Berliner anfangs kaum Tore erzielen. Jetzt treffen sich ordentlich. „Nach vorn haben wir immer die Qualität“, so Kessel. Doch in der Abwehr hapert es. „Wir hoffen, dass jetzt langsam mal die Null steht. Das ist der nächste Schritt, den müssen wir machen“, sagt der Innenverteidiger und verlangt vom Team, dieses Ziel „mit aller Macht“ anzustreben.

So lange wie im Vorjahr soll es schließlich nicht dauern, bis die Berliner ihren ersten Saisonsieg feiern können. Damals gelang dies erst im sechsten Liga- und siebten Pflichtspiel, und zwar gegen RB Leipzig. Die sind der Gegner in der nächsten Heimpartie, was das sechste Pflichtspiel ist. Benjamin Kessel konnte sich am TV aber schon mal einen Eindruck machen, ob nicht vorher bereits in München mehr drin ist.