Gegen Kaiserslautern

Neues System, altes Problem bei Union

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Marcel Stein
Wann kommt der erste Saisonsieg bei Union? Trainer Norbert Düwel (l.) und Stephan Fürstner suchen nach der Antwort

Wann kommt der erste Saisonsieg bei Union? Trainer Norbert Düwel (l.) und Stephan Fürstner suchen nach der Antwort

Foto: Florian Pohl / City-Press GbR

2:2 gegen Kaiserslautern – auch im vierten Pflichtspiel gelingt Union kein Sieg. Wieder wurde der Erfolg kurz vor Schluss vergeben.

Ist die Zeit des Leidens nun vorüber? Bobby Wood sprang über den Rasen der Alten Försterei, er lief auch noch zur Bank, um dort abzuklatschen. Ein schöner Moment für den Stürmer des 1. FC Union. Endlich konnte er seinen ersten Treffer erzielen. Gut eine halbe Stunde später stand der US-Nationalspieler schon wieder ganz anders vor der Kabine des Berliner Zweitligisten. Der Blick traurig, die Mundwinkel nach unten. Keine Spur mehr von Freude, die hatte ihm ein spätes Gegentor vollends verhagelt. 2:2 (0:1) trennten sich die Köpenicker Fußballprofis vom 1. FC Kaiserslautern.

Unentschieden, immerhin. „Aber es fühlt sich an wie eine Niederlage. Wir haben super gespielt, uns aber nicht belohnt“, sagte Wood. Gut war vor allem die zweite Halbzeit vor den 20.149 Zuschauern, in der ersten blieben die Berliner vieles schuldig. Doch der erste Saisonsieg gelang wieder nicht. Obwohl Neuling Wood nun traf. „Aber wenn ich Tore schieße, und wir unentschieden spielen, ist das egal“, erzählte Wood. Er leidet also weiter.

Gegentor nach Standard

Vier Pflichtspiele liegen nun hinter Union, noch immer konnte das Team von Trainer Norbert Düwel nicht gewinnen. Dabei sah es bis kurz vor dem Ende gut aus. Torhüter Daniel Haas parierte einen Strafstoß von Kacper Przybylko (78.). Die Führung, die sich die Berliner nach einem 0:1-Rückstand erarbeiten konnten, hielt. Doch wie in den drei anderen Partien kam kurz vor Schluss erneut die Ernüchterung, als Maurice Deville in seinem ersten Zweitligaspiel mit dem zweiten Ballkontakt per Kopf nach einem Freistoß zum Ausgleich traf (87.). „Das wir das Spiel abgegeben haben, ist bitter“, sagte Trainer Düwel. Auch im vierten Pflichtspiel konnte Union einen Vorsprung nicht ins Ziel retten. „Vorher haben wir alle Standards gut verteidigt, kurz vor Schluss pennen wir wieder“, sagte Stürmer Sören Brandy.

Am Kopf lag es, einmal mehr. „Man hat ja gesehen, dass wir körperlich dabei sind“, so Brandy. Eigentlich wollten die Berliner daran von Anfang an keinen Zweifel lassen in dieser Partie. Sie stiegen gleich voll ein nach dem Pokal-Aus beim Viertligisten Viktoria Köln in der vergangenen Woche. Es war zu sehen, dass die Berliner etwas vorhatten. Nur was, das wurde schnell unklar.

Im Vergleich zum Köln-Spiel stellte Düwel um, indem er Verteidiger Fabian Schönheim, der zuletzt nicht im Kader gewesen war, in die Startelf berief und Stürmer Collin Quaner auf die Bank setzte. Damit einher ging ein Systemwechsel, Union setzte erstmals in dieser Saison auf Viererkette und 4-4-2. „Das hatte sich angedeutet“, sagte Düwel. Wobei die Diskussion über Vor- und Nachteile der Abwehrsortierung nicht seine Sache ist. Mehr Punkte brachte die Umstellung schließlich auch nicht.

Schwache erste Halbzeit

Zunächst einmal wirkte Union nach dem energischen Start, als wäre die Mannschaft auf der Suche nach sich selbst. „Wir haben in der ersten Halbzeit keinen Zugriff bekommen“, so Brandy. Es war schon Glück, dass nach es dem Treffer von Ruben Jenssen (23.) nur mit einem 0:1 in die Kabine ging. Union spielte schwach, ohne Tempo, ohne Durchsetzungskraft, ohne Ideen auch.

Ein ganz anderes Gesicht präsentierten die Berliner in der zweiten Hälfte. Der Trainer hatte umgestellt, Damir Kreilach etwas weiter nach vorn beordert und damit gleich eine Wirkung erzeugt. Union spielte aggressiver, setzte die Gegenspieler schon früh unter Druck. Gleich nach Wiederbeginn brach Maximilian Thiel links bis zur Grundlinie durch und passte nach innen, wo Wood und Steven Skrzybski verpassten (49.). Zwar konnte auch Kaiserslautern mit Kontern immer wieder gefährlich werden, doch Union blieb bei seiner Linie und drehte die Partie. Zunächst traf der sehr aktive Thiel (67.), dann wurde Wood von Brandy per Kopf bedient und erzielte nur vier Minuten später das 2:1. „Wir haben nach dem blamablen Pokal-Aus Moral und Charakter gezeigt“, sagte der Trainer. Grundsätzlich ist das gut, in diesem Fall aber nicht gut genug.

Mit zwei Zählern auf Rang 13

Problematisieren will Brandy die Situation, Union liegt mit zwei Zählern auf Rang 13 der Tabelle, trotzdem nicht. „Ich bin ein positiver Mensch. Auf der zweiten Halbzeit können wir aufbauen. Wir haben guten Fußball gezeigt“, sagte der Stürmer, der sich für seinen Kollegen freute: „Ich habe Bobby immer gut zugeredet in den vergangenen Wochen.“ Wood befand dann auch, dass der Treffer „wichtig“ für ihn sei. Die jüngste Zeit „war schwer für mich, eine Lernphase, aber die Mannschaft hat mich unterstützt“, sagte der Angreifer, dem sein persönlicher Erfolg so gar nicht anzusehen war. „Wir wussten, dass wir zurückkommen können und haben so gekämpft. Das ist schade“, sagte Wood. Er und Union müssen nun einen neuen Anlauf nehmen, um den ersten Sieg einzufahren. Nächsten Sonntag bei 1860 München besteht die Gelegenheit, bei dem Klub, von dem Wood nach Berlin wechselte.