Syrische Sicherheitskräfte haben nach Angaben von Menschenrechtsaktivisten am Freitag in den Städten Idlib, Daraa und Hama mindestens 34 zivile Regierungsgegner erschossen. Ungeachtet der Präsenz von Beobachtern der Arabischen Liga seien dort außerdem mehr als 40 Menschen verletzt worden, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit.
Hunderttausende Menschen gingen demnach gegen die Regierung auf die Straße.
Der in London ansässigen Beobachtungsstelle zufolge eröffneten die Sicherheitskräfte in der südsyrischen Stadt Daraa das Feuer auf eine Demonstration und töteten mehrere Menschen. Tote gab es demnach auch in der nördlichen Stadt Hama. Auch in der Hauptstadt Damaskus sei auf Demonstranten geschossen worden. Dort seien überdies Menschen beim Verlassen von Moscheen festgenommen worden.
250.000 Menschen in der Provinz Idlib
In der nordwestlichen Provinz Idlib seien mehr als 250.000 Menschen dem Protestaufruf gegen Staatschef Baschar al-Assad gefolgt. Die Demonstranten hätten sich nach dem Freitagsgebet an 74 verschiedenen Orten der Provinz versammelt, darunter in der gleichnamigen Stadt Idlib, in Maaret al-Noman, Chan Scheichun und Sarakeb.
In Chan Scheichun und Sarakeb habe die syrische Regierung Panzer vor dem erwarteten Besuch von Beobachtern der Arabischen Liga abgezogen. Allein in der Stadt Idlib habe es zahlreiche Verletzte gegeben, als die Sicherheitskräfte das Feuer eröffneten, um das Vorrücken von Demonstranten auf einen Platz zu verhindern, nachdem arabische Beobachter diesen verlassen hatten.
Bei Protesten zehntausender Menschen nahe der syrischen Hauptstadt Damaskus kam es der Beobachtungsstelle zufolge zu gewaltsamen Zusammenstößen. Die Sicherheitskräfte hätten in der Stadt Duma nördlich von Damaskus neben Tränengas und Blendgranaten auch Nagelbomben eingesetzt, um die Demonstranten auseinanderzutreiben, hieß es.
Mindestens 24 Menschen seien dabei verletzt worden. In Duma seien zwischen 60.000 und 70.000 Menschen zum Rathaus der Stadt gezogen. Für die Angaben der Beobachtungsstelle gab es keine unabhängige Bestätigung.
Arabische Beobachter sorgen für Unmut
Die Mission der arabischen Beobachter in Syrien sorgt derweil bei der Opposition zunehmend für Unmut. In mehreren Städten protestierten Menschen auch gegen die Delegation der Arabischen Liga, weil sie das Blutvergießen bislang nicht stoppen konnte.
Die Teams der Arabischen Liga setzten unterdessen ihre Besuche in den Krisenherden des Landes fort. Mehr als 100 Konfliktregionen wollen sie bis Ende Januar inspiziert haben.
Am Freitag sprachen sie in der Stadt Harasta bei Damaskus mit Bewohnern, wie aus dem Umfeld der Beobachter verlautete. Zu Beginn der Mission hatten arabische Beobachter am Dienstag die Provinz Homs besucht.
Unterdrückung der Opposition
Ein Aktivist äußerte im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa scharfe Kritik an dem Delegationsleiter, den Sudanesen Mustafa al-Dabi. Er sei Vertreter eines Regimes, das für die Unterdrückung der Opposition bekannt sei, betonte Omar Idlibi.
Der sudanesische General gilt als Vertrauter von Sudans Präsidenten Omar al-Baschir, gegen den wegen der Kriegsverbrechen in Darfur ein internationaler Haftbefehl vorliegt.
Al-Dabi hatte für Ärger gesorgt, als er nach seinem Aufenthalt in Homs mit den Worten zitiert wurde, er habe nichts Beunruhigendes gesehen. Er hatte später um Zeit für die Beobachter gebeten.
US-Regierung lobt Beobachtermission
Die US-Regierung bezeichnete die Präsenz der Beobachtermission der Arabischen Liga als hilfreich für den Schutz der Protestbewegung. US-Außenamtssprecherin Victoria Nuland äußerte aber zugleich Sorge über die andauernde Gewalt.
Sie verwies jedoch auch darauf, dass auf dem Videoportal YouTube „großartige Aufnahmen einer Kundgebung für Demokratie“ in Idlib zu sehen seien, während die Kontrolleure am Donnerstag dort waren. Dies zeige, dass ihre Gegenwart einen gewissen Raum für öffentliche Meinungsäußerung geschaffen habe.
Nuland forderte die syrische Führung auf, das Abkommen mit der Arabischen Liga vollständig umsetzen. Damaskus hatte nach langem Zögern zugestimmt, Beobachter ins Land zu lassen, die Armee aus den Städten abzuziehen und Gefangene freizulassen.
Russland äußerte sich zufrieden über den Beginn der Beobachtermission der Arabischen Liga. Das Außenministerium in Moskau erklärte, laut dem Chef der Mission, Mustafa al-Dabi, sei die Lage in der Protesthochburg Homs nicht Besorgnis erregend, und es habe keinen Bericht über einen Konflikt gegeben.
Deserteure setzen Angriffe aus
Unterdessen setzen die Deserteure der syrischen Streitkräfte während des Besuchs der arabischen Beobachter ihre Offensive gegen Regierungsziele aus. Der Führer der Freien Syrischen Armee (FSA), Oberst Riad al-Asaad, erklärte, seine Soldaten hätten ihre Angriffe mit der Ankunft der Beobachter am Dienstag eingestellt. Auf diese Weise wolle die FSA zeigen, dass das Regime friedliche Demonstranten töte.
Nach dem Ende der Beobachtermission werde seine Organisation die Angriffe wieder aufnehmen. Der FSA gehören nach eigenen Angaben etwa 15.000 Mann an, die dem Regime ihre Unterstützung entzogen haben.
Nach UN-Schätzungen sind seit Beginn des Aufstandes gegen Assad im März mehr als 5000 Menschen getötet worden.
AFP/Reuters/dpa/dapd/mcz




