Assad-Regime

Fast hundert Tote bei Kämpfen in Syrien

In Syrien eskaliert erneut die Gewalt: Allein am Samstag sollen mindestens 96 Menschen ums Leben gekommen sein. Die Arabische Liga berät über ihr weiteres Vorgehen.

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Die syrische Stadt Duma ist in der Nacht zu Samstag nach wenigen Stunden von den bewaffneten Kräften der Opposition wieder geräumt worden. Die Deserteure der syrischen Armee, die am Abend die Stadt im Nordosten von Damaskus nach heftigen Kämpfen unter ihre Kontrolle gebracht hatten, hätten sich wieder „in ihre Basis“ zurückgezogen, erklärte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte.

Der Leiter der in London ansässigen Organisation, Rami Abdel Rahman, hatte am Abend unter Berufung auf Aktivisten vor Ort berichtet, die zur Opposition übergelaufenen Soldaten kontrollierten sämtliche Bezirke der Stadt. Demnach wurden die Gefechte durch einen Angriff der Sicherheitskräfte auf einen Beerdigungszug ausgelöst, bei dem am Samstagnachmittag vier Trauergäste getötet worden waren.

17 Häftlinge in Gefängnistransporter getötet

Nach Angaben von Abdel Rahman wurden zudem in der zentralsyrischen Stadt Maaret al-Noaman bei Zusammenstößen mit übergelaufenen Soldaten neun Militärs getötet. Außerdem seien 17 Häftlinge in einem Gefängnistransporter getötet worden, als eine am Straßenrand versteckte Bombe explodierte.

Bei gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Aufständischen und Regierungstruppen sollen nach Zählung von Oppositionsgruppen insgesamt mindestens 96 Menschen ums Leben gekommen. Allein 60 Tote seien in der Leichenhalle eines Krankenhauses in der Provinz Idlib gefunden worden, berichtete ein Oppositionsvertreter.

In Syrien gibt es seit mehr als zehn Monaten gewaltsame Proteste gegen Staatspräsident Baschar al-Assad, bei denen nach UN-Angaben bereits mehr als 5400 Menschen ums Leben kamen.

Arabische Liga entscheidet über Mission in Syrien

Die Außenminister der Arabischen Liga wollen derweil heute bei einem Treffen in Kairo über die Zukunft ihrer Beobachtermission in Syrien entscheiden.

Diese lief am Donnerstag nach einem Monat aus. Möglich ist nach Angaben aus Delegationskreisen auch eine Ausweitung der Mission auf 300 Beobachter.

Der Einsatz, der das Blutvergießen in Syrien beenden sollte, war angesichts der anhaltenden Gewalt in den vergangenen Wochen in die Kritik geraten. Viele Aktivisten sprachen sich für eine Entsendung internationaler Truppen oder für einen Militäreinsatz ähnlich wie in Libyen aus.

Unterdessen beraten auch die EU-Außenminister über eine Verschärfung der Sanktionen gegen Syrien. Die Gemeinschaft will 22 weiteren Führungspersonen des Regimes von Präsident Baschar al-Assad Einreiseverbote erteilen. Zudem sollen acht syrische Unternehmen zusätzlich auf die schwarze Liste gesetzt werden, berichteten Diplomaten.