Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat den Lebensmittelhersteller Danone wegen der neuen Verpackung seines "Activia"-Joghurts abgemahnt. Sie warf dem Konzern eine "ungewöhnlich dreiste Art der Verbrauchertäuschung" vor und kündigte eine Klage an. Danone verkauft seinen speziellen Joghurt seit April in Bechern, die aus Polymilchsäure (PLA) hergestellt werden.
Dieser sogenannte Biokunststoff wird auf der Basis von Maisstärke erzeugt. Die Verpackung wurde nach Angaben von Danone in Zusammenarbeit mit der Naturschutzorganisation WWF entwickelt.
Danone bewirbt die grünen Becher "aus nachwachsenden Rohstoffen" als "umweltfreundlichere Verpackung" und bezieht sich dabei auf eine Untersuchung des Heidelberger Instituts für Energie- und Umweltforschung (IFEU) . Dieses hatte die Verpackungen im Bezug auf ihre Ökobilanz untersucht.
Danone zieht aus der Analyse die Schlussfolgerung, "dass der PLA-Becher im Vergleich zum bisher verwendeten Becher aus Polystyrol 25 Prozent weniger Treibhausgase erzeugt". Darüber hinaus ließe sich der Verbrauch an fossilen Rohstoffen um 43 Prozent senken. Die Forscher betonen allerdings in den Empfehlungen an das Unternehmen, dass eine Fokussierung auf die Umweltziele Klimawandel und fossiler Ressourcenverbrauch "nicht dem ganzheitlichen Ansatz“ entspreche, das das Umweltbundesamt für Analysen zur Ökobilanz anlegt.
Die Wissenschaftler haben neben den beworbenen Vorteilen der PLA-Verpackung auch Nachteile festgestellt, unter anderem bei der Emission von Feinstaub sowie der Belastung von Böden und Gewässern.
Sie empfehlen Danone "eine entsprechende Differenzierung bei der Kommunikation", also die Vorteile hervorzuheben "ohne die Nachteile zu verschweigen". Genau das tut Danone der DUH zufolge nicht. Die Kommunikationsstrategie sei ein "Musterbeispiel für Greenwashing", empört sich Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch.
Danone wehrt sich gegen Vorwürfe
Die Umwelthilfe mahnte Danone nach eigenen Angaben wegen irreführender Werbung ab. Nachdem der Konzern sich geweigert habe, eine entsprechende Unterlassungserklärung zu unterschreiben, „wird die DUH nunmehr auf dem Klageweg die rechtliche Klärung vor Gericht herbeiführen“, teilte die Verbraucherorganisation mit.
Die Vorwürfe der DUH haben Danone kalt erwischt. "Wir haben erst heute aus der Presse erfahren, dass die DUH den Klageweg beschreiten will", sagte ein Unternehmenssprecher Morgenpost Online. Die Kritik könne man "in keinster Weise" nachvollziehen. "Wir verschweigen gar nichts", betonte er und verwies darauf, dass Danone die Verbraucher auf der Internetseite umfassend informiere.
Danone will sich bei seinen neuen Verpackungen nach eigenen Angaben zunächst auf die beiden – in der Bilanz als vorteilhaft beschriebenen – Kriterien "Vermeidung von Treibhausgasen" und "Reduzierung fossiler Rohstoffe" konzentrieren. "Das ist ein erster Schritt, eine Verbesserung des Status Quo", sagte der Sprecher Morgenpost Online. Die Bewerbung der Becher als "umweltfreundlicher" solle genau diese Fortschritte dokumentieren.
Der Verbraucherorganisation Foodwatch zufolge werden die Vorteile jedoch zu offensiv vermarktet. Die Nachteile verschweige Danone dagegen in den Werbetexten auf der Verpackung, heißt es hier. "Der Erfolg von Activia beruht einzig auf dem Geschäftsmodell Etikettenschwindel", sagte die Leiterin der Foodwatch-Kampagne "Abgespeist", Anne Markwardt.
Vor einigen Wochen hatte die Verbraucherorganisation den "Activia“-Joghurt von Danone wegen seiner beworbenen Wirkung auf das Darmwohlbefinden an den Pranger gestellt. Sie hatte dem Unternehmen im Rahmen ihrer "Abgespeist"-Kampagne die Verbreitung von "Werbelügen" vorgeworfen.
Foodwatch verleiht seit 2009 alljährlich den "Goldenen Windbeutel“ für die "frechste Werbelüge". Verbraucher können im Internet darüber abstimmen, welches von fünf nominierten Produkten aus ihrer Sicht am wenigsten hält, was seine Reklame verspricht.
Danone landete in diesem Jahr auf Platz 2, hinter der "Milchschnitte" von Ferrero . Foodwatch glaubt "Activia" nicht, dass der Joghurt die Verdauung – wie in der Werbung suggeriert – regulieren kann.
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