"Aus eigener Schlachtung"

Metzger streiten sich mit Aldi Süd über Reklame

Der Fleischer-Verband hat Aldi Süd wegen einer Wurst-Verpackung abgemahnt. Sie täusche Verbraucher mit "metzgertypischen Begriffen".

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Neuer Ärger für Aldi Süd : Nach den Bäckern klopfen jetzt auch die Fleischer dem Lebensmittel-Discounter auf die Finger. Der Deutsche Fleischer-Verband habe Aldi Süd per Abmahnung aufgefordert, seine Werbung und Präsentation für Wurstpackungen der Marke „Meine Metzgerei“ zu ändern, berichtete die „Wirtschaftswoche“.

Ein Verbandssprecher bestätigte diesen Schritt. Der Fleischer-Verband prüfe jetzt weitere Schritte, sagte er der dpa. Aldi weist die Vorwürfe laut Magazin zurück. Nach Meinung des Verbandes verkaufe Aldi Süd Fleisch und Wurst eines der größten deutschen Fleischverarbeiter mit irreführenden, metzgertypischen Begriffen wie „aus eigener Schlachtung“, berichtete das Magazin.

Man erwarte bei einer solchen Aussage, die der Verband in einem Info-Blatt gefunden habe, handwerklich hergestellte Produkte und keine Industrieprodukte, erläuterte der Verbandssprecher. Der Verband werfe Aldi Süd eine „bewusste Täuschung“ der Verbraucher vor. Der Discounter weist den Vorwurf laut Magazin entschieden zurück. Das Unternehmen habe „die Unterzeichnung einer Unterlassungserklärung abgelehnt“, teilte Aldi Süd der „WirtschaftsWoche“ mit. Aldi Süd selbst war am Wochenende für eine Stellungnahme zu dem Thema nicht zu erreichen. Der Fleischer-Verband bespricht mit seinen Anwälten das weitere Vorgehen.

„Wir prüfen weitere Schritte“, sagte der Sprecher des Verbandes. Eine Klage schloss er in dem Zusammenhang nicht aus. Aldi Süd befindet sich bislang bereits im Rechtsstreit mit dem Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks, der vor mehr als einem Jahr Klage wegen irreführender Werbung beim Landgericht Duisburg einreichte.

Dabei geht es um frische Backwaren aus Back-Automaten, die der Discounter beworben hatte. Der Zentralverband sprach vom Aufwärmen fertiger Backwaren oder höchstens von leichter Bräunung. Aldi Süd erklärte hingegen damals, es finde ein Backvorgang statt.

Verbraucher melden 3500 Produkte

Wie die „Lebensmittel Zeitung“ im vergangenen Monat berichtete, rechnet der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks mit einem Abschluss des Verfahrens um die Back-Automaten nicht vor Ende 2011.

Verbraucher können sich auf einem Internetportal über Kennzeichnung und Aufmachung von Lebensmitteln beschweren, die sie für irreführend halten. Rund drei Monate nach dem Start von lebensmittelklarheit.de sind aber noch immer tausende Verbraucherbeschwerden unbearbeitet.

„Wir haben 3.500 Produktmeldungen bekommen, davon sind 900 in Bearbeitung“, sagte der Leiter des Projekts, Hartmut König, dem „Tagesspiegel“. „Der Berg ist noch nicht abgearbeitet.“ Am kommenden Donnerstag will Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) eine 100-Tage-Bilanz des von ihrem Haus geförderten Portals ziehen.