Mögliche EHEC-Quelle

Ägyptische Samen nach Bienenbüttel geliefert

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Bockshornkleesamen, die Auslöser von EHEC sein könnten, sind aus Ägypten nach Bienenbüttel geliefert worden. Der dortige Sprossenhersteller gilt als Ursprung der Epidemie.

Neue Indizien für die Ägypten-These: Ägyptischer Bockshornkleesamen , der als möglicher Auslöser für EHEC-Ausbrüche in Deutschland und Frankreich gilt, ist auch an den gesperrten Sprossen-Hof in Bienenbüttel geliefert worden. „Dies geschah über einen Zwischenhändler“, sagte der Sprecher des niedersächsischen Agrarministeriums, Gert Hahne, am Freitag. Über die Verbindung berichtete auch das Bielefelder „ Westfalen-Blatt “ (Freitagausgabe).

Aufgrund einer dichten Indizienkette war der Hof südlich von Lüneburg als Ursprung der Epidemie in Deutschland mit mehr als 40 Toten ausgemacht worden. Die Untersuchungen in dem Bienenbütteler Betrieb seien weitgehend abgeschlossen, sagte Hahne. Der gefährliche Darmkeim habe bisher aber nicht nachgewiesen werden können.

Drei Mitarbeiterinnen des Hofes hatten sich Anfang Mai wegen Durchfalls krankgemeldet, bei einer Angestellten wurde der EHEC-Erreger nachgewiesen. Unklar ist bisher, ob die Frauen die Sprossen verunreinigt haben oder aber die gefährlichen Bakterien schon in den aus dem Ausland gelieferten Samen steckten.

„Die ägyptische Spur verstärkt den Eindruck, dass die Sprossen der Ursprung der Epidemie waren“, sagte Hahne. Der ägyptische Samen war von EU-Behörden, die die Lieferwege untersucht hatten, als möglicher Ursprung der EHEC-Epidemie ausgemacht worden. Es seien aber weitere Untersuchungen notwendig, hieß es vonseiten der EU-Behörden.

Zur Sprossenherstellung verwendete Bockshornkleesamen seien „mit großer Wahrscheinlichkeit“ Ursache des Ausbruchs, teilte das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) am Freitag in Berlin mit. Die rheinland-pfälzische Landesregierung warnt daher vor Bockshornkleesamen. Das Verbraucherschutzministerium empfahl am Freitag unter Verweis auf das BfR, generell keine rohen Sprossen und keine Sprossen aus Bockshornkleesamen zu essen, auch nicht selbstgezogene.

Restaurants, Hotels und Kantinen sollten ebenfalls darauf achten. „Die Lebensmittelüberwachungsbehörden in Rheinland-Pfalz überwachen den Rückruf bestimmter Lieferungen von Bockshornkleesamen und führen Probenahmen durch“, teilte das Ministerium in Mainz mit.

Das ägyptische Agrarministerium wies die Vorwürfe unterdessen zurück. Die Behauptungen, dass ägyptische Bockshornkleesamen bei den EHEC-Ausbrüchen eine Rolle gespielt hätten, seien „völlig unwahr“, sagte der Chef einer zuständigen Behörde des Ministeriums, Ali Suleiman, der ägyptischen Nachrichtenagentur Mena. Die Präsenz des Keims in Ägypten sei nicht bewiesen und nicht dokumentiert.

Die Landesregierung zieht eine positive Bilanz ihres Krisenmanagements bei der mittlerweile abklingenden EHEC-Epidemie. „Die unverzüglich eingeleitete intensive Zusammenarbeit der unterschiedlichen niedersächsischen Behörden war wesentliche Grundlage für die erfolgreiche Aufklärung des Ausbruchs“, heißt es in der Antwort des Landwirtschaftsministeriums auf eine Kleine Anfrage im Landtag.

Gemüseerzeuger könnten eine EU-Entschädigung erhalten, wenn sie seit dem 26. Mai Gurken, Tomaten, Salat, Paprika und Zucchini nicht vermarktet haben. Für die niedersächsischen Erzeuger ergebe sich eine mögliche EU-Entschädigung von rund 2,5 Millionen Euro.

800 Menschen zum EHEC-Massentest im Kreis Paderborn

Nach den EHEC-Erkrankungen an einer Grundschule in Altenbeken hat der Kreis Paderborn unterdessen einen Massentest angesetzt. In den nächsten Tagen sollen 800 Kinder und andere Kunden eines Caterers in Bad Lippspringe auf den Erreger getestet werden. Der Betrieb beliefert auch die Schule, in der drei Jungen am lebensgefährlichen HU-Syndrom erkrankt waren.

Weitere 14 Schüler haben sich ebenfalls angesteckt, allerdings ohne erkrankt zu sein. Auch bei Mitarbeitern der Fleischerei ist der EHEC-Erreger nachgewiesen worden. Im Laufe des Freitags erwarten die Behörden weitere Untersuchungsergebnisse. Am Montag soll entschieden, wann der Unterricht an der Schule wieder beginnen kann.

( dpa/dapd/AFP/mk )