VW Polo, Renault Clio, Ford Fiesta – die Hauptrollen unter den europäischen Kleinwagen sind derzeit fest verteilt. Doch jetzt will in dieser Liga auch Citroën wieder mitmischen und bringt deshalb einen neuen C3 auf den Weg. Zwar ist der Fünftürer nicht mehr ganz so erfrischend innovativ wie der luftige Enten-Enkel Pluriel mit seinem großen Schiebedach, der den letzten Generationswechsel begleitet hat. Doch auch der jüngste C3, der im Januar zu Preisen ab 12.700 Euro in den Handel kommt, garantiert durchweg ungewöhnliche Ausblicke.

Zum ersten Mal reicht seine Frontscheibe auf Wunsch bis weit hinein ins Dach und öffnet so sogar den Passagieren im Fond ein kleines Fenster zum Himmel. Damit die Sonne allerdings nicht zur Qual wird, haben die Franzosen die riesige Scheibe progressiv getönt und verschiebbare Sonnenblenden montiert. So stellt sich ein angenehmes Cabrio-Gefühl ein, dass zur Abwechslung nicht mit den (mitunter lästigen) Nebenwirkungen von Wind und Wetter einhergeht.


Zu den neuen Aussichten kommt das im Grunde schon bekannte kuschelige Design mit seinen betont runden Grundformen. Allerdings wurde der Wagen bei unverändertem Radstand ein wenig kräftiger, muskulöser und sehniger gezeichnet. Am kompakten Format ändert sich jedoch nichts: Mit einer Länge von 3,94 Metern (plus acht Zentimeter), einer um drei Zentimeter auf 1,71 Meter gewachsenen Breite und einem Wendekreis mit 10,2 Metern bleibt der C3 ein Kleinwagen-Zwerg mit praktischen Vorteilen für das Gewühl des Stadtverkehrs.

Dennoch bietet der Charmeur nicht nur 300 Liter Kofferraum, sondern auch jede Menge Platz für die Passagiere in beiden Reihen: Weil die Designer ein paar Kunstkniffe angewandt haben und die Sitze dünner sind, wächst die Kniefreiheit um drei Zentimeter. Und weil man die Vordersitze fast bis zum Anschlag nach hinten schieben kann, haben Singles und Pärchen unter der Glasglocke beinahe mehr Platz als in einem Mittelklasse-Modell.


Das gilt auch für die deutlich verbesserte Materialauswahl und die Ausstattung – zumindest wenn man genügend Optionen bucht: Vier Airbags und ESP sind immer Serie, zwei weitere Prallsäcke, den Parfümspender und endlich auch ein vernünftiges Naiv, Klima und allerlei Luxus kann man Extra bestellen. Nur Gimmicks wie Klapptische oder Geheimfächer im Fußboden haben die Franzosen der Modellpflege geopfert. „Wer darauf wert legt, bekommt diese Features ja neuerdings im C3 Picasso“, verweist Citroen-Pressesprecher Thomas Albrecht auf das Brudermodell.

Während Form, Format und Ausstattung absolut konkurrenzfähig sind, dürften die Motor-Ingenieure der Franzosen den frühen Start des C3 mit gemischten Gefühlen sehen. Denn die Start-Stopp-Automatik ist erst im zweiten Halbjahr 2010 verfügbar, für die neuen Automatikgetriebe gibt es nicht Mal einen Termin, die beiden Diesel scheitern noch an der Euro-5-Norm und die nächste Generation von Benzinmotoren mit drei Zylindern, einem Liter Hubraum und 70 bis 100 PS kommt erst 2011.

Wer sich trotzdem schon jetzt für den französisch weich abgestimmten und deshalb angenehm komfortablen Charmeur entscheidet, hat die Auswahl zwischen vier Benzinern: Einem 1,1-Liter mit 60 PS, einem 1,4 Liter mit 73 PS oder 95 PS und einen 1,6 Liter, der auf 120 PS kommt. Der schnellste C3 schafft damit 190 km/h, und der sparsamste verbraucht 5,9 Liter. Erst im Sommer folgen dann die beiden 1,6-Liter-Diesel mit 93 PS oder 112 PS. Sie schaffen 180 und 190 km/h und verbrauchen im besten Fall 3,8 Liter (CO2: 99 g/km).

Der C3 ist allerdings nicht der einzige neue Kleinwagen der Franzosen. Schon im März folgt auf derselben Plattform der vornehmere DS3, der Fahrzeugen wie dem Mini Konkurrenz machen soll. Das noch auf alter Basis montierte Cabrio C3 Pluriel ist vom Generationswechsel nicht betroffen. „Das läuft erst einmal ungehindert weiter“, sagt Pressesprecher Thomas Albrecht. Allerdings räumen er ein, dass das wandlungsfähige Cabrio die Erwartungen nicht erfüllt hat und nur noch in homöopathischen Stückzahlen gebaut wird.

Dennoch ist Citroën die Lust an der Offenheit nicht vergangen und auch die riesige Scheibe im C3 ist dafür offenbar kein Ersatz. Albrecht: „Über ein neues Cabrio in diesem Segment wird deshalb ernsthaft nachgedacht.“