Sie wollte einfach nicht aus ihrem Loch: Als der neue Rolls-Royce Ghost vor wenigen Wochen potenziellen Käufern in Berlin vorgestellt wurde, ließ sich die versenkbare Kühlerhaubenfigur trotz technischer Kniffe und guten Zuredens nicht herauslocken.

„Die ‚Spirit of Ecstacy’ ist heute etwas schüchtern“, scherzte Sibylle Thomas-Göbelbecker, die eine der beiden deutschen Vertretungen von Rolls-Royce in Dresden betreibt.

Jetzt hat aber die britische Luxusmarke tatsächlich Grund, auf Tauchstation zu gehen: Um 17 Prozent ist der Verkauf 2009 weltweit zurückgegangen.

2008 waren es 1212 Stück, 2009 sind es 1002 – damit ist man in Goodwood weiter von einem Märchen à la 1001 Nacht entfernt, als dort zugegeben werden mag. „Dies ist ein gewaltiges Ergebnis und ein besonders starker Auftritt, wenn man die herausfordernden ökonomischen Verhältnisse bedenkt, mit denen alle Hersteller 2009 konfrontiert waren“, versuchte Konzernchef Tom Purves den Verkaufsrückgang aufzuwerten.

Galt lange Zeit trotz Wirtschaftskrise auch in der Automobilindustrie die Luxussparte als weitgehend frei von Turbulenzen, unterstreichen die Zahlen von Rolls-Royce die Entwicklung, die sich auch bei teuren Fahrzeugen auf dem deutschen Markt widerspiegeln: Minus 18 Prozent verloren die Autos im Segment Oberklasse im Vergleich zum Vorjahr. Minus 49 Prozent musste etwa der Bentley Continental hinnehmen. Beim Audi A8 waren es sogar Minus 55 Prozent, was aber damit zusammenhing, dass der A8 in diesem Jahr neu aufgelegt wird.

Diese Hoffnung dürfte Rolls-Royce auch mit dem neuen Ghost haben, nachdem vom Phantom – erstmals 2003 auf den Markt gekommen – in Deutschland vergangenes Jahr nur noch 14 Stück abgesetzt wurden. Der „Geist“ von Rolls-Royce soll nun im Mai in Deutschland auf den Markt kommen. Weltweit wurden bereits 150 Ghost im Dezember an die Kundschaft ausgeliefert.

Der Ghost ist mit 5,40 Meter Länge 43 Zentimeter kürzer als der kleinste Phantom (5,83 bis 6,08 Meter) und mit 253.470 Euro Grundpreis mehr als 150.000 Euro deutlich günstiger. Das Konzept eines „Volks-Rolls“ scheint fürs erste aufzugehen.

Denn nach Angaben des britischen Herstellers, der zu BMW gehört, sind 85 Prozent aller Ghost-Käufer Neukunden. Es muss also nicht auf Dauer so bleiben, dass sich die „Spirit of Ecstacy“ schamhaft in der Kühlerhaube des Rolls-Royce versteckt.