Oberklasse-Limousine

So feudal und sparsam fährt der neue Audi A8

| Lesedauer: 7 Minuten
Thomas Geiger

Gegen den 7er von BMW und die Mercedes S-Klasse hatte der A8 bisher einen schweren Stand. Mit der neuen Generation aber könnte sich das ändern: Der Luxusliner erfüllt zwischen Aluminium und Klavierlack alle hochtrabenden Ansprüche – vom sportlichen 372-PS-Antrieb bis zum sparsamen Sechs-Liter-Verbrauch.

Sie haben zwar die ambitioniertesten Pläne und wähnen sich auf dem Weg zum erfolgreichsten Premium-Hersteller der Welt. Doch ausgerechnet in der Oberklasse fahren die Herren der Ringe bislang noch hinterher. Denn auch wenn sich die Luxuslimousinen aus Ingolstadt von Generation zu Generation näher an Mercedes S-Klasse und den Siebener von BMW heran geschoben haben, konnte der A8 zumindest bei den Stückzahlen nicht zur Konkurrenz aufschließen. Im dritten Anlauf wollen die Bayern das jetzt endlich ändern und planen deshalb vollends den Sturm aufs Oberhaus.

Wenn Ende März zu Preisen ab 89300 Euro der neue A8 an den Start geht, werden sich Vorstandschef und andere Führungskräfte deshalb gehörig umschauen, prophezeit die VW-Tochter: „Dieses Auto verkörpert alles, was Audi kann und was Audi ausmacht“, sagt Vorstandschef Rupert Stadler mit Blick auf Technologie, Eleganz und Effizienz des Luxusliners. Kein anderes Auto in dieser Klasse sei so sportlich, keines so effizient und keines so modern.

Die Bayern nehmenden Mund also ziemlich voll. Doch ist ihnen mit dem neuen A8 auch tatsächlich ein großer Wurf gelungen. Die Limousine ist sparsamer und trotzdem sportlicher denn je, sie bietet mehr Luxus und Komfort, steckt voller neuer Technik. Und sie ist spürbar gewachsen: Ein Radstand von 2,99 Metern und eine Länge von 5,14 Metern machen den A8 schon ohne die fest eingeplante Langversion zum längsten Lulatsch im Oberhaus. Einzig das Design gilt vielen Kritikern als austauschbar – zumindest bei Tag. Nachts dagegen ist der A8 dank der erstmals in der Großserie eingesetzten Voll-LED-Scheinwerfer und seiner markanten Rückleuchten auf Anhieb von jedem anderen Modell zu unterscheiden.

Dass sich der Wagen trotz seines feudalen Formats so sportlich um die Kurven zirkeln lässt, verdankt er dem Audi „Drive Select“: Auf Knopfdruck kann man damit die Härte der serienmäßigen Luftfederung variieren, die Schaltpunkte der neuen Achtstufen-Automatik verschieben, das Drehzahlniveau anheben und die optionale Dynamiklenkung modifizieren. Eben noch gediegener Gleiter für die Langstreckenfahrt auf der linken Spur wird der A8 damit beinahe zum Sportwagen, der zumindest ein paar seiner Zentner abschüttelt und plötzlich beinahe leichtfüßig über die Landstraße eilt.

in Fahrt bringen ihn dabei zunächst zwei V8-Motoren, die man beide vom Vorgänger kennt. Allerdings wurden sowohl der 4,2 FSI als auch der 4,2 TDI zum Generationswechsel überarbeitet und bieten nun mehr Leistung bei weniger Verbrauch. Der Benziner startet bei 83.900 Euro und lockt mit 372 PS und 445 Nm, Damit schafft er den Sprint in 5,7 Sekunden, hat keinerlei Mühe mit dem selbst gewählten Limit von 250 km/h und ist doch vorbildlich sauber. Schließlich geht der Normverbrauch trotz 22 PS Mehrleistung um 1,4 auf 9,5 Liter zurück.

Noch imposanter allerdings fährt der Diesel, der mit 90.800 Euro in der Liste steht. Er kommt nun auf 350 PS und macht beim Drehmoment einen satten Sprung um 150 auf eindrucksvolle 800 Nm. Ohne mit der Wimper zu zucken, schlenzt er in sogar in 5,5 Sekunden auf Tempo 100 und folgt trotzdem ähnlichen Sparzielen: Sein Verbrauch geht sogar um 1,8 auf 7,6 Liter zurück und macht ihn mit 199 g/km zum einzigen V8-Diesel dieser Liga, der unter 200 g/km bleibt.

Der ganze Stolz in Sachen Sparsamkeit jedoch ist der neue V6-TDI, der kurz nach der Markteinführung kommt und den Preis auf zunächst 72.200 Euro drückt. Es bleibt bei drei Litern Hubraum, doch klettert seine Leistung auf 250 PS und das maximale Drehmoment erreicht nun 550 Nm, womit immerhin 6,6 Sekunden machbar und 250 km/h ebenfalls garantiert sind. Weil Audi den Motor zum ersten Mal in diesem Segment mit einer Start-Stopp-Automatik kombiniert und auch sonst alle Sparschrauben gedreht hat, sinkt der Verbrauch um 1,9 auf 6,6 Liter und stempelt die Konkurrenten zu Säufern.

Und das ist noch nicht einmal das Ende der Fahnenstange. Denn später im Jahr gibt es als ersten A8 mit Frontantrieb noch eine auf 204 PS reduzierte Version des TDI-Motors, mit der nicht nur der Preis unter 70.000 Euro sinken dürfte, sondern vor allem der Verbrauch noch einmal in den Keller geht: 6,0 Liter und 159 g/km schafft sonst keiner.

Obwohl der sportliche Fahreindruck ganz oben im internen Anforderungskatalog der Ingolstädter stand, ist der A8 behaglich und feudal wie die Suite eines Fünf-Sterne-Hotels. Man schwelgt in einem noblen Ambiente aus Wurzelholz, blankem Aluminium und Klavierlack, genießt die fürstlichen Platzverhältnisse der gestreckten Karosserie, thront auf sündhaft bequemen Ledersitzen und nutzt eine futuristische Infotainment-Welt, die den A8 zum rollenden Hotspot mit integriertem WLAN-Zugang und live in die Navigation eingespielten Google-Fotos macht.

Daneben setzt Audi vor allem auf die geballte Intelligenz neuer Assistenzsysteme. So bekommt der A8 nicht nur wie die Konkurrenz Kameras und Sensoren, die Verkehrsschilder und nächtens auch Fußgänger erkennen oder vor einem Auffahrunfall eine Notbremsung einleiten können. Sondern erstmals machen sie die Ingenieure auch die Ortskenntnis des Navigationssystems zu Nutze und stellen mit den elektronischen Kartendaten die adaptiven Scheinwerfer ein, schon bevor der Fahrer etwa eine Kreuzung oder die Autobahnauffahrt erreicht. Und nie zuvor konnte man das Navigationssystem mit seiner Handschrift bedienen.

Wie eh und je ist der neue A8 natürlich wieder aus Aluminium gebaut. Damit kaschieren die Bayern im Konkurrenzvergleich nicht nur den serienmäßigen Allradantrieb, sondern auch das spürbare Wachstum ihres Luxusliners. Obwohl das größte Auto im Segment, wiegt der A8 deshalb rund 100 Kilo weniger als Siebener und S-Klasse – wenngleich man bei mindestens 1,8 Tonnen schwerlich von Leichtbau reden kann.

Der neue A8 ist unbestritten eine der besten Oberklasse-Limousinen der Welt und eine ernst gemeinte Kampfansage an Mercedes und BMW. Doch für den Moment können sich die Konkurrenten noch relativ gelassen zurücklehnen: Während Audi bei uns im letzten Jahr gerade einmal 2000 Exemplare verkauft hat, kommen S-Klasse Siebener auf mehr als das Dreifache. Zumindest in der Statistik hat der Gipfelstürmer deshalb noch gutes Stück Weg vor sich.

.