Tuning

Hier rast die schnellste Limousine der Welt

Gegen den Brabus E V12 sieht selbst der E 63 AMG aus wie ein Waisenknabe. Die Höchstgeschwindigkeit des Brabus liegt bei 370 km/h. Damit ist diese getunte E-Klasse die schnellste Limousine der Welt. Auf deutschen Straßen wird man das Auto mit den verkleideten Radhäusern aber nur mit viel Glück entdecken.

Sicher, luxuriös, komfortabel – für einen Mercedes gibt es viele wohlmeinende Adjektive. Aber Begriffe wie sportlich oder gar spektakulär fallen dabei nur selten. Zumindest, so lange das Auto aus Stuttgart kommt. Sobald allerdings Bodo Buschmann die Finger im Spiel hat, sieht die Sache schon ganz anders aus. Denn keiner macht die Autos mit dem Stern schneller als der Chef des Tuning-Riesen Brabus.

Zur IAA in Frankfurt zeigt der Tuner aus Bottrop sein bislang stärkstes Stück: Mit einem neuen Zwölfzylinder mit 800 PS und einem aerodynamischen Karbonanzug wird die E-Klasse zur schnellsten Limousine der Welt. „Mindestens 370 km/h“, versprechen die Entwickler und haben vorsichtshalber noch oben noch etwas Luft gelassen: Der Tacho jedenfalls reicht bis 400.

Warum aber üben ausgerechnet die im Wettbewerbsvergleich eher soliden als sportlichen Mercedes-Modelle auf die Tuner und ihre Kunden die größte Faszination aus? Egal ob Brabus, Lorinser oder Carlsson – wann immer ein extremes Kraftpaket lanciert wird, prangte bis kurz vorher noch ein Stern auf der Haube. Und auch wenn Firmen wie Abt, Hartge oder Alpina ebenfalls gut zu tun haben, sieht man solche rekordverdächtigen Komplettumbauten fast nie auf Audi- oder BMW-Basis.

Für Brabus-Chef Buschmann, der zugleich dem Verband der deutschen Autotuner vorsteht, ist die Frage nicht schwer zu beantworten: Zum Ersten brauche es für solche extremen Fahrzeuge ein technisches Know-how, das in diesem Maß nur die wenigsten Tuner aufgebaut hätten. „Zum Zweiten müssen natürlich auch die Basisfahrzeuge das Potenzial mitbringen", sagt Buschmann und meint Stabilitätsreserven in der Karosserie wie in den Motoren.

„Wer seine Autos spitz entwickelt und bis oben hin ausreizt, macht das Tuning schwerer“, sagt Brabus-Entwicklungschef Ulrich-Joachim Gauffrés. Doch der entscheidende Punkt seien die Kunden, sagt Buschmann: Nur unter Mercedes-Fahrern gebe es genügend Enthusiasten mit ausreichend finanziellem Spielraum, dass sich Abenteuer wie ein E V12 bezahlt machen. „Wer würde für einen Audi oder einen BMW schon eine halbe Million ausgeben?“

Genauer gesagt: 592.620 Euro. So viel kostet einer der mattschwarz lackierten und auf zehn Stück limitierten Umbauten, die von einem weiterentwickelten Mercedes-Zwölfzylinder angetrieben werden. Zwar setzt Brabus den von 5,5 auf 6,2 Liter Hubraum aufgebohrten V12 bereits in einer ganzen Reihe von Autos ein. Doch für das schnellste Stück war selbst dieses Kraftpaket noch zu schwach, sagt Entwicklungschef Gauffrés: „Bei 730 PS war bislang Schluss.“

Gauffrés und sein Team mussten für die Frischluft eine komplett neue Führung aus Karbon entwickeln und die Kühlleistung für die Ladeluftkühler verdoppeln. 800 PS und maximal 1420 Newtonmeter (Nm) Drehmoment lautet das Ergebnis. Das Drehmoment wird aber elektronisch auf 1100 Nm begrenzt, da das ohnehin verstärkte Getriebe nicht mehr verkraftet.

Doch Kraft allein reicht nicht für Rekorde: Um die Limousine in derartige Geschwindigkeitsbereiche zu treiben, wurde vor allem an der Aerodynamik gefeilt, berichtet Gauffrés. Dabei hat er sich unter anderem eines Tricks bedient, der in diesen Tagen ausgerechnet bei Ökoautos wieder populär wird, aber früher auch bei Weltrekordfahrzeugen angewandt wurde: Vollverkleidete Radhäuser an der Hinterachse reduzieren dramatisch den Luftwiderstand. „Außerdem erhöht das natürlich die Fahrstabilität“, ergänzt Buschmann.

Und das ist auch nötig, wie eine erste kurze Testfahrt beweist. Als lösten sich seine insgesamt zwei Tonnen mit einem Wimpernschlag in Wohlgefallen auf, schiebt der Benz voran wie eine Boeing. In nur 3,7 Sekunden steht die Tachonadel bei 100 km/h. Weitere 6,2 Sekunden würden für 200 und noch einmal 14 Sekunden sogar für 300 km/h reichen – aber das auszuprobieren, weigern sich die Techniker so kurz vor der IAA-Premiere.

Denn bislang gibt es nur dieses eine Exemplar. Noch ehe das Auto seinen ersten Meter gefahren war, lagen drei Bestellungen auf dem Tisch von Buschmann. Auf der deutschen Autobahn wird man diese drei Wagen aber nicht sehen. Buschmann: „Die ersten Autos gehen nach Arabien.“