Während der Absatz von Kleinwagen in Deutschland dank Abwrackprämie boomt wie noch nie, sieht es am anderen Ende der automobilen Skala düster aus: Ein Viertel weniger Oberklasse-Autos wurden in den ersten drei Monaten des Jahres verkauft.
Der Absatzeinbruch in der Luxusliga ist für die Hersteller besonders schmerzlich, da dort im Verhältnis das meiste Geld verdient wird. Mercedes versucht jetzt, durch die Erneuerung der S-Klasse den Absturz aufzuhalten.
Dazu braucht es mehr als ein paar optische Veränderungen – die große Limousine rollt als erster deutscher Vertreter mit einem Hybridantrieb an den Start. Zwar bietet die Toyota-Tochter Lexus mit dem Oberklasse-Modell LS600h schon seit Jahren ein Auto an, das auf die Kombination aus Benzin- und Elektromotor setzt.
In Deutschland fehlt der Marke im Gegensatz zu den USA aber das Prestige.
Wer hierzulande seinen Schreibtisch in der Chefetage stehen hat, für den kommen nur Mercedes S-Klasse, BMW 7er, Audi A8 oder demnächst auch Porsche Panamera infrage. Andere Limousinen werden beim Parken vor dem Golfplatz mit hochgezogener Augenbraue empfangen.
Mit dem neuen S 400 Hybrid bietet Mercedes ab Juni zu einem Preis ab 85.323 Euro aber nicht nur den ersten deutschen Hybrid-Vertreter in Serie an, sondern übernimmt mit dem erstmaligen Einsatz von Lithium-Ionen-Akkus als Stromspeicher für den Elektromotor auch eine Vorreiterrolle.
Die Batterietechnik, die sonst in Handys oder Notebooks zum Einsatz kommt, gilt als zukunftweisend, wirft aber beim Einsatz im Auto Probleme auf. Die teuren Akkus sind leistungsstark und kompakt, entwickeln im Betrieb aber viel Hitze.
Deshalb war es notwendig, die Batterie in den Klimakreislauf der S-Klasse zu integrieren. So bleibt die Temperatur zwischen 15 und 35 Grad in einem Bereich, der eine lange Batterielebensdauer garantieren soll. Mercedes spricht von zehn Jahren und 600.000 Ladezyklen.
Als Hauptantrieb kommt im S 400 Hybrid ein Sechszylinder-Benziner zum Einsatz, der 279 PS leistet. Unterstützt wird der Benziner von einem 20PS starken Elektromotor, der platzsparend als Scheibe zwischen dem serienmäßigen Siebengang-Automatikgetriebe und dem Verbrennungsmotor sitzt und auch als Anlasser und Lichtmaschine dient.
Beim Anfahren arbeiten beide Motoren zusammen und schieben das Auto mit einer Kraft von 385 Newtonmetern nach vorne.
Der Elektromotor unterstützt den Benziner immer dann, wenn dessen Spritverbrauch besonders hoch ist: beim Anfahren und beim Beschleunigen. Deshalb bietet das Antriebs-Duo seine größten Vorteile bei Stadt- und Überlandfahrten, zumal in diesen Situationen auch durch die automatische Start-Stopp-Funktion weitere Spareffekte erzielt werden.
Sobald der Autofahrer zum Beispiel vor einem Ampelstopp den Fuß vom Gaspedal nimmt, schaltet sich der Sechszylinder unterhalb von 15 km/h vollständig ab und überlässt die Energieversorgung für Servolenkung, Bremse, Klimaanlage und andere Systeme der Hochleistungsbatterie.
Die E-Maschine wird gefordert, wenn die Fahrt weitergehen soll: Sobald der Fahrer den Fuß von der Bremse nimmt oder aufs Gaspedal tritt, startet der Elektromotor das Haupttriebwerk wieder und greift ihm beim Anfahren unter die Arme. Rein elektrisch fahren kann die S-Klasse aber nicht.
Trotzdem sichert sich der neue S 400 Hybrid mit einem Durchschnittsverbrauch von 7,9 Litern den Titel „sparsamste Luxuslimousine mit Benzinmotor“ und kommt auf einen CO2-Ausstoß von 186 Gramm pro Kilometer.
Neben der Einführung des Hybridantriebs beim S 400 hat Mercedes aber auch für die restliche S-Flotte Neuigkeiten im Programm.
Für die dezent überarbeitete Front sind nun markante LED-Leuchten und Tagfahrlicht erhältlich. Und nach der Einführung in der E-Klasse ist ab Juni auch in der Top-Baureihe der Einschlafwarner „Attention Assist“ serienmäßig mit an Bord.
Gegen Aufpreis kann der Kunde noch weitere neue Sicherheitsextras bestellen: Das Nachtsichtgerät der neuesten Generation erleichtert bei Dunkelheit das Erkennen von Fußgängern, und die Pre-Safe-Bremse bremst nun bei Unfallgefahr selbsttätig bis zum Stillstand ab. Per Kamera erkennt die S-Klasse Verkehrsschilder und blendet im Tacho das aktuelle Tempolimit ein.
Neben der Sicherheitselektronik rüstet Mercedes auch das Unterhaltungsprogramm auf: In der Mittelkonsole thront auf Wunsch ein sogenannter Splitview-Monitor, auf dem Fahrer und Beifahrer zur gleichen Zeit ein unterschiedliches Bild sehen können, für den Fond gibt es größere Bildschirme, und die Festplatte bietet mehr Speicherplatz für die Lieblingsmusik.
Obwohl Mercedes mit dem S 400 Hybrid im Moment der deutschen Konkurrenz einen Schritt voraus ist und die Umweltfreundlichkeit des Autos hervorhebt, ändert der Hersteller bei seinen Top-Modellen noch nichts. Ganz oben steht nach wie vor der S 600 L mit Zwölfzylindermotor und 517PS – Normverbrauch 14,3 Liter.




