"Team zwei an Team eins, hier geht’s nicht weiter, da liegt ’n Baum auf dem Weg.“ Was die Besatzung des Land Rover per Funk an die Kollegen im zweiten Freelander meldet, klingt nach einem größeren Problem. Wenigstens 80 Zentimeter Durchmesser hat der Stamm, der das Fortkommen des Konvois auf dem Dschungelpfad behindert. Die Regenzeit hat begonnen, und der heftige Niederschlag bringt immer wieder Hänge ins Rutschen.
Das ist die Stunde von Markus Grond. Allerdings sind es nicht seine Fähigkeiten als Airbus-Pilot, die dem 31-Jährigen jetzt abverlangt werden. Mit Helm, Gehörschutz und Sicherheitshose ausgestattet, wirft er die Kettensäge an. Minuten später hat er aus dem tonnenschweren Stamm ein gut 2,5 Meter großes Stück herausgetrennt. Krachend rollt es den Abhang hinab. Die "Land Rover Experience Tour" kann weitergehen.
Malaysia heißt das Abenteuer, das sechs mehr oder weniger Offroad-erfahrene Geländewagen-Fans erleben dürfen. Unter rund 2000 Bewerbern qualifizierten sie sich für die Teilnahme, rund anderthalb Wochen haben sie sich auf Schlamm-, Sand- und Schotterpfaden einen Weg durch eine weitgehend unberührte Tropenregion gebahnt, gestern kamen sie wieder in Deutschland an.
Rund 1200 Kilometer haben die Tourgewinner und ihre Begleiter in Malaysia zurückgelegt, etwa ein Drittel davon jenseits der Straßen. "Das dauert aber zwei Drittel der Zeit", warnt schon zu Beginn Cheforganisator Dag Rogge, ein erfahrener Offroad-Spezialist, der die Touren gemeinsam mit der deutschen Vertretung des britischen Geländewagenherstellers ausrichtet. Von Jordanien bis Argentinien reichen die Ziele, die später auch von abenteuerlustigen Autofahrern regulär gebucht werden können.
Doch manchmal liegt auch der erfahrenste Experte falsch. Auf einzelnen Abschnitten reicht die veranschlagte Zeit zur Bewältigung der vorgesehenen Etappe nicht aus. Nach dem Start auf der malerischen Insel Langkawi, einer entspannten Überfahrt zum Hafen Kuala Perlis, wird es ernst: Der Konvoi erreicht das erste Dschungelcamp mit dem letzten Licht des Tages. Auf den Komfort von Fernseh-Promis müssen die Teams jedoch verzichten. Als persönliche Ausrüstung für die Nacht sind ein klappbares Feldbett, ein Moskitonetz und Ohrstöpsel vorgesehen. Der tropische Regenwald mag zwar finster sein, aber er ist alles andere als ruhig. Überall zirpt und flötet es, Schnalzgeräusche wechseln sich mit Klappern und Fiepen ab.
"Angst vor Problemen hab’ ich noch nie gehabt", sagt Gerti Idzidor. Zwar ist sie 62 Jahre alt und weicht damit vom Durchschnittsalter der bisherigen Experience-Tour-Teilnehmer deutlich ab. Doch kann sie durch DDR-Biografie, Leistungssport, Fluchtversuch und Lkw-Führerschein auf Erfahrungen aufbauen, die anderen fehlen. "Bei der Qualifikation hing mir ein bisschen die Zunge", gibt die gelernte Veterinär-Ingenieurin zu, die mit Empor Rostock sogar Vize-Europameisterin im Handball wurde.
Der größte Feind des Dschungelfahrers ist der Regen. Er überzieht den lehmigen Boden mit einer seifigen Schlammschicht, die im Nu die grobstolligen Reifen der Freelander zusetzt. Die Autos entsprechen weitgehend den Serienfahrzeugen, allerdings musste wegen der arg schwankenden Dieselqualität auf die serienmäßigen Partikelfilter verzichtet werden.
Wenn der Grip vergeht, ist Teamgeist gefragt. Es wird geschoben und mit Schaufeln gegraben, manchmal hilft nur die Machete oder die Winde. Dennoch ist erstaunlich, wie wacker sich der Freelander in schwerem Gelände schlägt. Manuelle Schaltung aktiviert, Traktionskontrolle ausgeschaltet, geht es mit Vollgas ab durch den vom Regen ausgewaschenen Hangweg. Einmal ist die Natur stärker: Der Konvoi bleibt über Nacht am Berg zurück, die Insassen schlagen sich zu Fuß zum Camp durch. Bei 30 Grad Celsius und 90 Prozent Luftfeuchtigkeit sehen sich Einzelne am Rand ihrer Leistungsfähigkeit. Aber einen Spaziergang hat ja eh keiner erwartet.




