Stadionneubau

Hertha-Stadion in Tegel: Geisel-Vorschlag stößt auf Skepsis

Die Pläne für ein neues Stadion auf dem Olympiagelände sind gescheitert. Nun wird Hertha BSC eine Alternative angeboten.

Luftaufnahme des Flughafen Tegel: Innensenator Geisel hält den TXL für einen geeigneten Standort für ein neues Hertha-Stadion.

Luftaufnahme des Flughafen Tegel: Innensenator Geisel hält den TXL für einen geeigneten Standort für ein neues Hertha-Stadion.

Foto: Oliver Lang / picture alliance / Oliver Lang

Berlin. Der Flughafen Tegel könnte nach der geplanten Schließung 2021 zu einem neuen Anlaufpunkt der Fußball-Fans werden. Der Berliner Sportsenator Andreas Geisel (SPD) hat in der Debatte über einen Stadionbau des Bundesligisten Hertha BSC einen neuen Vorschlag unterbreitet – einen Standort auf dem in Zukunft geschlossenen Tegeler Airport.

„Wenn Hertha einen Neubau in Berlin will, wäre der Flughafen Tegel ein Standort“, erklärte Geisel in der „Bild“-Zeitung. „Wir freuen uns, dass Bewegung in das für den Verein sehr wichtige Thema kommt“, kommentierte Hertha-Manager Michael Preetz den Vorstoß von Geisel.

Den Plan mit Tegel bestätigte der Sprecher der Berliner Innenverwaltung, Martin Pallgen, der dpa. Ob das Flughafen-Gelände aufgrund verschiedener Faktoren überhaupt als Stadion-Standort geeignet wäre, ist aber nicht nur wegen der derzeitigen Verkehrsanbindung noch nicht gänzlich geklärt. „Es müsste dann geprüft werden“, sagte Geisel. Dafür verantwortlich ist die Tegel Projekt GmbH. Pallgen betonte, dass andere Planungen auf dem Flughafen-Gelände nicht betroffen sein sollen.

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Stadion in Tegel? Hertha will den Ball aufnehmen

Hertha wertet den Vorschlag als „gutes Signal“, dass die Forderung einer eigenen Arena ernst genommen würde: “Erstmal freuen wir uns, dass beim Senat offenbar angekommen ist, dass es ein unterstützungswürdiges Projekt ist“, sagte Preetz. Bisher habe der Verein “das nicht so klar von Herrn Geisel gehört“. Hertha werde nun „mit dem Senat in Austausch gehen“, sagte Preetz, “wir werden selbstverständlich den Ball aufnehmen und mit dem Senat über die Option sprechen. Wir sagen aber auch deutlich, dass wir den Olympiapark für den geeigneteren Standpunkt halten.“

Der Bundesligist hatte den Flughafen Tegel bei der Suche nach einem geeigneten Ort für den Bau einer rein privat finanzierten Fußball-Arena mit geprüft, dann aber nicht weiter verfolgt. Für Hertha kam bislang nur ein Neubau im Olympiapark infrage, nachdem die Alternative Ludwigsfelde von den Mitgliedern abgewählt wurde.

Flughafen TXL soll halbes Jahr nach BER-Eröffnung schließen

Der neue Hauptstadtflughafen BER soll nach mehrmaliger Verschiebung des Eröffnungstermins im Oktober 2020 in Betrieb gehen. Tegel soll spätestens ein halbes Jahr später geschlossen werden, also aktuell im März 2021. Das wäre für Hertha zu kurz. Geplant ist, spätestens Anfang 2022 mit dem Bau des neuen Stadions zu beginnen. Aufgrund „dieser Zeitachse und der fehlenden Infrastruktur“ sei Tegel „keine unmittelbare Möglichkeit für uns“, hatte Preetz noch vor zehn Tagen erklärt. Nun ist Hertha bemüht, die Schärfe aus der Auseinandersetzung mit dem Senat zu nehmen.

Kommentar: Der Standort Tegel für ein neues Hertha-Stadion ist falsch

Auch Geisel hält die Lösung Tegel bis 2025 nicht für realisierbar, „das wäre erst 2027/28 möglich“. Der Sportsenator will bis dahin “mit Hertha Vereinbarungen treffen, um dem Verein den Aufenthalt im Olympiastadion angenehmer zu machen“. Dazu soll eine neue Beleuchtung gehören, mit der die Arena wahlweise blau (bei Hertha-Spielen) oder grün (bei DFB-Veranstaltungen wie dem Pokalfinale) erstrahlen soll. Die 40 Millionen Euro, die der Senat in verbesserte Infrastruktur des Stadions auch mit Blick auf die Heim-EM 2024 investieren will, waren schon zuvor ein Thema.

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„Tegel einzig sinnvoller Ort innerhalb der Stadtgrenzen“

„Tegel ist der einzig sinnvolle Ort innerhalb der Stadtgrenzen, wo es keine Probleme mit Anwohnern geben würde“, sagte der sportpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Dennis Buchner, in der „B.Z.“ zur langfristigen Idee, auf dem Flughafen-Gelände zu bauen. „Ich bin sicher, dass man die fünf bis sechs Hektar, die Hertha braucht, abzweigen kann“, ergänzte der Abgeordnete und bekräftigte: Für einen Standort im Olympiapark werde es „weder vor noch nach der Wahl eine Mehrheit geben“.

Die Abgeordnetenhaus-Fraktionen der rot-rot-grünen Koalition hatten erklärt, dass die Arena am bisher geplanten Standort im Olympiapark nicht zu realisieren sei. Eine Genossenschaft, der 24 Wohnungen auf dem geplanten Stadion-Areal gehören, will mit dem Club nicht mehr über einen Verkauf verhandeln.

Die Grünen-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus kritisierte dagegen Geisels Vorschlag. „Das ist ein Schnellschuss, der niemanden weiterbringt“, sagte die Fraktionssprecherin für Sport, Nicole Ludwig, der dpa. Geisel habe seinen Vorstoß nicht in der rot-rot-grünen Koalition abgestimmt. Sie halte das Szenario auch nicht für umsetzbar, so Ludwig.

„Mir ist nicht bekannt, dass wir da noch Platz für ein Stadion hätten“

Die Politikerin verwies darauf, dass es für das Tegel-Gelände für die Zeit nach Ende des Flugbetriebs umfangreiche und fortgeschrittene Planungen gebe. Dort sollen unter anderem eine Hochschule angesiedelt werden, Gewerbe, Wohnungen und Erholungsflächen entstehen. „Wir haben also andere Bedarfe, auf die die Stadt schon lange wartet“, sagte Ludwig. „Mir ist nicht bekannt, dass wir da noch Platz für ein Stadion hätten.“

Statt „irgendwelche Standorte rauszuposaunen“, sei jetzt eine seriöse Prüfung mehrerer möglicher Alternativen zum Olympiagelände auf ihre Machbarkeit nötig, betonte Ludwig. Das brauche Zeit.

Verwunderung und Skepsis innerhalb des Senats

Der Vorstoß von Geisel stößt auch innerhalb des Senats auf Verwunderung und Skepsis. „Die bisherigen Planungen für die Nachnutzung sehen ein urban, sozial und funktional gemischtes Quartier vor“, sagte Senatsbaudirektorin Regula Lüscher. „Ein möglicher Standort für ein neues Hertha-Fußballstadion auf dem Areal des heutigen Flughafens Berlin-Tegel wurde bislang weder von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen noch von der Tegel Projekt GmbH geprüft“, fügte sie hinzu. „Es liegt auch kein entsprechender Prüfauftrag vor.“

Nach den derzeitigen Planungen soll auf dem knapp 500 Hektar großen Tegel-Areal unter dem Motto „The Urban Tech Republic“ ein neues Stadtquartier entwickelt werden. Es soll unter anderem aus der Beuth-Hochschule, einem Gründerzentrum, Forschung und Gewerbe, bis zu 6000 Wohnungen, Schulen, Kitas und Erholungsflächen bestehen. Senatsbaudirektorin Lüscher arbeitet in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, die von Senatorin Katrin Lompscher (Linke) geführt wird.

"TXL hat für Berlin nur eine Nutzungsperspektive - als unverzichtbarer Flughafen"

Sebastian Czaja, Vorsitzender der FDP-Fraktion, sagte: „Man wird das Gefühl nicht los, dass Herr Geisel die Stadionpläne von Hertha nicht ernst nimmt. Den BER kriegt der sozialdemokratisch geführte Senat seit Jahren nicht eröffnet, aber TXL wird jedem in der Stadt als zukünftiger Standort gedankenlos versprochen. TXL hat für ­­­­Berlin nur eine Nutzungsperspektive - als unverzichtbarer Flughafen.“

Auch die AfD will Tegel weiter als Flughafen in Betrieb halten und brachte wieder einmal den Vorschlag ins Spiel, eine Volksabstimmung darüber abzuhalten, ob Hertha sein neues Stadion auf dem Tempelhofer Feld bauen solle.