Mitarbeiter in den Berliner Verwaltungen befinden sich angesichts der wachsenden Aufgaben und chronischem Personalmangel im Dauerstress. Die Politik täte gut daran, die Zeichen der Zeit zu erkennen. Um kurzfristig für Entlastung zu sorgen, helfen Neueinstellungen. Doch um langfristig den Anforderungen einer wachsenden Stadt gerecht zu werden, brauchen die Ämter sowohl auf Senats- als auch auf Bezirksebene eine Digitalisierungs-Offensive. Hier steht Berlin erst noch am Anfang und sollte jede Chance nutzen, um zu lernen.
Der Umgang mit dem Zimmervermittlungsportal Airbnb hätte eine solche Chance geboten. Angesichts der neuen Vorschriften hatte das kalifornische Unternehmen dem Senat angeboten, eine digitale Schnittstelle zu schaffen. Nutzer der Plattform hätten dann ganz einfach im Internet eine Genehmigung beantragen können, die es ihnen erlaubt, ihre Wohnungen als Ferienunterkunft auf dem Portal anzubieten.
Der Senat allerdings lehnte das Airbnb-Angebot ab und verpasste so einen weiteren Schritt in Richtung Digitalisierung. Stattdessen ist das Chaos jetzt perfekt.
In den Ämtern stapeln sich die Anträge. Mitarbeiter kommen mit der Bearbeitung nicht hinterher. Gleichzeitig sind die Airbnb-Nutzer verärgert, weil der Senat es verpasste, den Bezirken klare Vorgaben zu machen. Für Airbnb kann die Lage im schlimmsten Fall sogar geschäftschädigend sein: Nutzer, die Wohnungen nicht melden, riskieren hohe Strafen. Einige nahmen ihre Angebote deswegen bereits aus dem Netz.
Der Umgang mit dem Unternehmen und seinen Kunden macht Angst. Mal wieder hat es der Senat verpasst, dem digitalen Wandel in der Verwaltung die Tür zu öffnen. Dabei könnte nicht nur Airbnb bei der Digitalisierung der Ämter behilflich sein: Vor der Haustür warten zahlreiche Start-ups darauf, der Verwaltung in Berlin endlich aus den digitalen Kinderschuhen zu helfen.



