Sanierungsdefizite

Senat und Bezirke müssen mehr für die Schulen tun

Bezirke und Senat diskutieren beim Thema Schulsanierung lieber Fragen der Zuständigkeit als zu handeln, bemängelt Andreas Abel.

Beschmierte Wände im Treppenhaus einer Berliner Schule

Beschmierte Wände im Treppenhaus einer Berliner Schule

Foto: Jens Kalaene / dpa

Der rot-rot-grüne Senat hat den Berlinern ein großes Versprechen gegeben. 5,5 Milliarden Euro sollen innerhalb von zehn Jahren in den Bau und die Sanierung von Schulgebäuden fließen. Die erste Phase dieser Offensive habe bereits begonnen, sagt er, an 300 Schulen fänden in diesem Jahr Sanierungsarbeiten statt. Doch viele sehen ein ganz anderes Bild: Schulen, in denen der Putz herunterfällt, in denen es durchs Dach regnet oder Trakte gesperrt werden, weil sich Schimmel ausgebreitet hat. Gleichzeitig müssen Bezirksämter einräumen, dass von ihren Sanierungsmitteln Millionenbeträge übrig bleiben. Dafür fehlt den Berlinern zunehmend Verständnis.

Sie hören dann, dass die Probleme nicht von heute auf morgen zu beseitigen sind, dass Fachkräfte in den Bau- und Schulämtern fehlen, dass Bauaufträge nicht vergeben werden können, weil sich keine Firmen melden, dass Sanierungen verschoben werden müssen, weil es keine Ersatzräume für die betroffenen Schüler gibt. Aber sie wollen etwas anderes hören. Sie erwarten, dass die Probleme gelöst werden, und zwar deutlich schneller als bisher. Vielen liegen die Schulen näher als der BER.

Lehrer protestieren mit Schutzmasken gegen Schrott-Schulen
Lehrer protestieren mit Schutzmasken gegen Schrott-Schulen

Wenn zum Beispiel erkannt wurde, dass dringend Container als Ausweichquartiere benötigt werden, sollten Senat und Bezirke alles daran setzen, diese Container so schnell wie möglich zu beschaffen und Standorte dafür zu identifizieren. Stattdessen werden langwierig Zuständigkeitsfragen zwischen den Verwaltungsebenen diskutiert. Schulsenatorin Scheeres betont, die große Aufgabe der Schulsanierung werde jetzt systematisch angegangen. Auch die Bezirke wollen bei der Schulsanierung schneller werden und haben dafür ein Kooperationskonzept beschlossen. Doch Beschlüsse sind noch keine gelebte Praxis, sie führen nicht dazu, dass die schlimmsten Sanierungsfälle umgehend beseitigt werden. Das aber müssen Senat und Bezirke leisten. Die Bitte um Geduld ist die falsche Antwort.

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