Es sind Tage, in denen man lieber nachdenklichere Texte schreiben würde. Wenige Tage vor dem Jahrestag des Anschlags vom Breitscheidplatz würde man gerne einmal mehr der Opfer gedenken und an das Leid der Angehörigen erinnern. Man möchte dazu aufrufen, sich nicht einschüchtern zu lassen. Und doch lesen Sie hier wieder einmal einen Text über ein weiteres Versäumnis der Sicherheitsbehörden. Das ist nicht schön. Aber es geht nicht anders.

Die Polizeibehörden in Berlin und Nordrhein-Westfalen hätten die Daten eines im Februar 2016 sichergestellten Handys des späteren Attentäters vom Breitscheidplatz auswerten müssen. Dies unterließen sie – und bemerkten daher nicht, dass der Islamist auf einem Foto mit einer Pistole posierte. Illegaler Waffenbesitz: Damit hätten die Behörden den späteren Attentäter womöglich in Haft nehmen können.

Erschreckend, wie Berlin mit dem Versäumnis umgeht

Die Panne zeigt grundlegende Mängel in der Terrorbekämpfung. Denn Terroristen kommunizieren immer häufiger verschlüsselt. Das Handy eines „Gefährders“ in die Hände zu bekommen, um so mehr über ihn zu erfahren, ist für Fahnder daher wie ein Sechser im Lotto. Eine solche Chance verstreichen zu lassen, ist kaum zu begreifen.

Erschreckend ist auch – wieder einmal – wie die Berliner Polizei mit dem Versäumnis umgeht. Dem Sonderbeauftragten des Senats übermittelte die Behörde zu der nicht erfolgten Handyauswertung eine kryptische Antwort. In einer behördeninternen Chronologie findet sich die dreiste Aussage, dass die Auswertung des Handys „keine konkreten Hinweise“ ergeben habe – obwohl es eine systematische „Auswertung“, wie nun bekannt ist, gar nicht gab.

Wer Fehler nicht offen anspricht, verhindert Verbesserungen. Und solange das so ist, sind Medien und Öffentlichkeit gefordert, Versäumnisse und Verschleierungsversuche aufzudecken. Wenn das gelingt, ist – hoffentlich – Zeit für Nachdenklicheres.

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