Weihnachtsmarkt eröffnet

Breitscheidplatz: Müller verspricht Geld für Sicherheit

Am Montag hat der Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche eröffnet. Berlin gibt 100.000 Euro für Sicherheitsmaßnahmen dazu.

Der Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz öffnet wieder

Heute öffnen in Berlin rund 90 Weihnachtsmärkte, darunter auch der Markt am Breitscheidplatz an der Gedächtniskirche.

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Berlin. Von Weitem wirkt alles wie jedes Jahr. Die viereckigen Tannenbaum-Pyramiden, die den Breitscheidplatz umgeben, die Karussells, die Glühwein- und Schießbuden. Auch das mit Silberkugeln geschmückte Eingangstor an der Budapester Straße ist wieder da. Im vergangenen Jahr war es tausendfach im Fernsehen zu sehen. In den Kugeln spiegelte sich der schwarze Lastwagen, der am 19. Dezember in mörderischer Absicht in den Markt raste, zwölf Menschen tötete und rund 70 verletzte.

„Kurz vor dem blauen Häuschen zog der Lastwagen nach rechts“, sagt Schausteller Martin Blume und deutet zwischen den Ständen hindurch. Blume, 55 Jahre alt, betreibt die „Glühweinbutze“ zwei Standplätze weiter. Er hat damals das Krachen gehört, hat gesehen, wie die Bilder in seinem Stand schwankten. Später hat er die Verletzten gesehen, die Toten. Aber auch viele Helfer. Ohne das automatische Bremssystem des Lkw, sagt er, wäre wohl auch sein Stand getroffen worden.

Blume schaut durch seine Brille aufmerksam auf die Journalisten, die ihm am Morgen Kameras und Mikrofone hinstrecken wie Fühler. Der Breitscheidplatz, ein Jahr danach: Wie fühlt er sich an? Blume sagt: Dass er keine Angst habe, im Gegenteil. Dass alles getan worden sei, um den Markt sicher zu machen. Dass er aber, statt zurückzublicken, lieber nach vorn schaut. Auch wenn er Verständnis hat für die Neugier vieler Besucher, die wissen wollen, wo genau der Anschlag war. „Schließlich sind viele von ihnen Touristen.“ Und die vielen Fragen bedeuten ja auch, dass nichts vergessen wird.

Der Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz öffnet wieder
Der Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz öffnet wieder

Die ersten Besucher sind Kamerateams aus aller Welt

Zur Eröffnung des 34. Weihnachtsmarktes am Breitscheidplatz sind am Montag zahlreiche Kamerateams da, sogar aus Russland und Spanien. Sie filmen, wie die Verkäufer seit dem frühen Morgen ihre Stände putzen, heizen und dekorieren. Wie sie lachen und scherzen. Und wie viele von ihnen um zehn Uhr in der Gedächtniskirche verschwinden. Der traditionelle Schaustellergottesdienst fand bisher immer erst am Jahresende statt, sagt Pfarrer Martin Germer.

Diesmal wünschten die Schausteller sich, schon vorher gemeinsam zu beten. Germer spricht in der Predigt von dem Thema, das alle das gesamte Jahr begleitet hat. Von widerstreitenden Gefühlen, Trauer und Wut. Und er gibt den Schaustellern mit auf den Weg: dass es in Ordnung sei, wenn auch mitten in der schönsten Weihnachtsstimmung Tränen fließen. Die Weihnachtsmarkt-Buden könnten bei allem Rummel auch zu Orten des Trostes werden.

Wenige Minuten später steht der Pfarrer wieder im Tageslicht im ersten Gewimmel des Marktes. Er schüttelt Hände, klopft Schultern. Ein Jahr lang haben Germer und seine Mitarbeiter, die Gewerbetreibenden, Schausteller, Polizei und Politik um einen Umgang mit dem Ereignis und seinen fürchterlichen Folgen gerungen. Jetzt kennen sich alle. Der Breitscheidplatz, einer der touristischsten Orte Berlins, wirkt plötzlich fast wie ein Dorfplatz – und das nicht nur wegen der Buden.

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Anschlag bleibt als Narbe sichtbar

Es sei gut, dass der Markt nun wieder beginnt, sagt Germer, auch wenn er natürlich nicht ungebrochen froh sein könne. „Aber ich lade alle ein, herzukommen und auch am Gedenkort innezuhalten. Wir sollten keinen Bogen um das machen, was geschehen ist.“ Der goldene „Riss“, mit dem ab dem Jahrestag der Opfer des Anschlags gedacht wird, liegt zwar schon im Pflaster des Platzes, ist aber noch mit Gummimatten verdeckt. Das Mahnmal soll am 19. Dezember eingeweiht werden.

Als Symbol steht es auch dafür, was von dem Terroranschlag bleibt: eine Narbe, die zwar heilen kann, aber immer sichtbar sein wird. Die realen Spuren des Anschlags sind längst beseitigt. Die Stelle, an der damals der Terrorist mit dem gestohlenen Lastwagen auf den Markt raste, ist mit „Schrammborden“ aus Beton auffällig gesichert.

An anderen Orten sind die Poller mit Tannengrün verkleidet. Die Wege breiter als früher, aus Sicherheitsgründen, was aber auch weniger Gedrängel bedeutet. Neu ist auch der „Sternenhimmel“ aus unzähligen Lichtern über den Wegen. Am heutigen Dienstag wird zusätzlich die Weihnachtsbeleuchtung am Kudamm eingeschaltet.

Land Berlin zahlt 100.000 Euro für Sicherheits-Poller

Geblieben sind die Stände. „Alle Betreiber sind wieder dabei“, sagt Klaus-Jürgen Meier, Vorstand der AG City. Und die Stimmung? „Gut“, sagen zwei Brotverkäufer. Würstchenverkäufer Ronny (32) steht zum ersten Mal auf dem Breitscheidplatz hinterm Tresen. Er hofft auf nette Kunden und ein gutes Arbeitsklima.

Am Abend kamen Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller und Innensenator Andreas Geisel (beide SPD) zu einem Rundgang an die Gedächtniskirche. Müller hob hervor, es sei ein wichtiges Signal, „an diesem Ort weiterhin öffentlich präsent zu sein. Wir lassen uns die Vorweihnachtszeit nicht von Terroristen kaputt machen.“ Der Schaustellerverband und die AG City hatten zuvor die hohen Kosten beklagt, die durch das Aufstellen von Betonpollern und andere Sicherheitsmaßnahmen entstünden. Ihnen sagt Müller 100.000 Euro vom Land Berlin zu, um die Kosten aufzufangen.

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