Kommentar

Die teuren Berliner Wohnpreise betreffen jeden

Die Politik ist mit ihren Regulierungsversuchen gescheitert. Aber sie kann einen weiteren Anstieg verhindern, meint Isabell Jürgens.

Ein Neubauprojekt in Berlin

Ein Neubauprojekt in Berlin

Foto: dpa Picture-Alliance / Bernd Von Jutrczenka / picture alliance / dpa

Im siebten Jahr in Folge haben sich die Miet- und Kaufpreise für Wohnungen dramatisch verteuert – und eine Trendwende ist für Berlin nicht in Sicht. Die Entwicklungen auf dem Immobilienmarkt sind für weite Teile der Bevölkerung längst zum ernsten Problem geworden – und das in allen Bereichen.

Die hohen Preise, die heute für angebotene Wohnungen genommen werden, fließen in den Mietspiegel von morgen ein. Dadurch müssen auch Mieter mit langjährigen, noch günstigen Verträgen mit Kostensteigerungen rechnen. Denn wenn der Mietspiegel steigt, können Eigentümer höhere Mieten auch im Bestand fordern. Zudem müssen Mieter und auch Eigentümer inzwischen allerorten damit rechnen, dass liebgewonnene Freiräume bebaut und der Blick ins Grüne von der Häuserfront eines Neubaus verstellt wird.

Unsere interaktive Mietkarte: Wo Sie sich Berlin noch leisten können

Der Druck entsteht durch den anhaltenden Zuzug. 40.000 Menschen kommen pro Jahr nach Berlin. Die einzige nachhaltige Lösung für den angespannten Wohnungsmarkt sind nicht Mietpreisbremse und Milieuschutzgebiete, sondern große Neubaugebiete. Denn das die Miet- und Kaufpreise für Wohnungen seit 2010 in Berlin dynamisch steigen, liegt eben vor allem daran, dass das Angebot an Wohnraum so knapp geworden ist, dass inzwischen Preise verlangt und auch bezahlt werden, die noch vor wenigen Jahren als völlig unvorstellbar galten.

Mieten: Berlin ist für Normalverdiener kaum noch bezahlbar

Zwar hat München die höchsten Mieten. Doch mit einem Durchschnittseinkommen sind in Berlin viele Viertel mittlerweile unbezahlbar.
Mieten: Berlin ist für Normalverdiener kaum noch bezahlbar

Die Politik ist mit ihren Regulierungsversuchen im Wesentlichen gescheitert. Aber sie kann noch handeln, um einem weiteren Anstieg zu begegnen. Die Mittel sind bekannt, sie müssten nur genutzt werden: eine deutliche Ausweitung der Neubauförderung mit öffentlichen Mitteln, die Ausweisung von Bauland, die beschleunigte Bearbeitung von Baugenehmigungen sowie die Absenkung überzogener Baustandards etwa beim Lärmschutz sind daher dringend geboten. Es wird Zeit, dass Senat und Bundesregierung handeln.

Mehr zum Thema:

Alle Teile der Serie zur Wohnungsnot in Berlin

Wo Wohnen immer teurer wird

Preise für Häuser und Wohnungen in Berlin steigen weiter

So machen Sie mehr aus Ihrer Wohnung

Drei Zimmer, Küche, Bad - Für viele Familien unerreichbar

© Berliner Morgenpost 2017 – Alle Rechte vorbehalten.