Wo es Gewalt gibt, da ist kein Platz für Dialog. Genau das macht die Situation an der Rigaer Straße so verfahren. Auf der einen Seite stehen Linksautonome, die nicht davor zurückschrecken, Eigentum zu beschädigen, Andersdenkende zu bedrohen und bei Stein-Attacken auf die Polizei schwerste körperliche Verletzung billigend in Kauf zu nehmen.

Auf der anderen Seite werden die Rufe nach einem rigorosen Durchgreifen immer zahlreicher. Vor lauter Gebrüll vergreifen sich dann auch angesehene Politiker, wie in dieser Woche der Generalsekretär der Berliner CDU, Stefan Evers, im Ton und fordern, dass man dieses Nest von Linksfaschisten „ausräuchern“ müsse.

Das einzige, was eine solche Rhetorik auslöst, ist eine Spirale der Eskalation. Das konnte man bereits zurzeit von Innensenator Frank Henkel (CDU) beobachten. Auf jede Aktion der Polizei folgte eine Reaktion der Linksautonomen. Am Ende standen sich alle unversöhnlich gegenüber.

Bei all dem Trommelwirbel werden aber wie so oft all jene vergessen, die es eigentlich betrifft: ganz normale Bürger. Jene, die zwischen Klassenkampf der Linksautonomen und dem Ruf nach dem starken Rechtsstaates zerrieben werden. Jene, die eher leisere Töne von sich geben und genervt sind von Sachbeschädigungen und ständigen Polizeieinsätzen. Jene, die sich lieber nicht äußern, weil sie Angst haben, etwas Falsches zu sagen.

Genau um diese Menschen aber muss sich die Politik kümmern und ihre schützende Hand über sie halten. Man kann sich nur wiederholen, indem man rät, einen Blick auf die Strategie des 1. Mai zu werfen. Hier werden Autonome ignoriert und Straftäter konsequent verfolgt. Gleichzeitig haben sich Menschen ihren Kiez zurückgeholt. Stadtteilinitiativen werden gefördert, Gewerbetreibende unterstützt und Anwohnern wird zugehört. Mit dieser Taktik werden am Ende all jene in einem Boot sitzen, denen es tatsächlich um den Dialog geht.

Mehr zum Thema: