Kommentar

Mit diesem großen Fehler begann das lange Scheitern am BER

Dass der Berliner Großflughafen bis heute nicht fertig ist, geht auf einen frühen Fehler zurück, meint Jochim Stoltenberg.

Eine alte Holzpalette ist im Ankunftsbereich des neuen Hauptstadtflughafens BER  zu sehen. Wann der Flughafen öffnet, weiß niemand

Eine alte Holzpalette ist im Ankunftsbereich des neuen Hauptstadtflughafens BER zu sehen. Wann der Flughafen öffnet, weiß niemand

Foto: Ralf Hirschberger / picture alliance / Ralf Hirschberger/dpa-Zentralbild/dpa

Update, Montag, 6. März: Der Berliner Flughafenchef Karsten Mühlenfeld verlässt vorzeitig das Unternehmen. Sein Nachfolger wird der Berliner Staatssekretär Engelbert Lütke Daldrup (SPD).

Berlin zahlt und die Republik spottet weiter. Jeden Monat rund 15 Millionen Euro müssen Berlins Steuerzahler für den 37 Prozent Anteil der Hauptstadt an Deutschlands peinlichster Baustelle BER berappen. Nachdem in Hamburg dank des energischen Eingreifens des Ersten Bürgermeisters Olaf Scholz (SPD) die Elbphilharmonie als andere Baustellen-Lachnummer doch noch fertig wurde, verbockt in Schönefeld die Politik das seit Jahren überfällige glückliche Finale unverdrossen weiter.

Keine Frage, dass sich auch namhafteste Technologiekonzerne wie berufene Manager schwer verhoben haben. Aber dass die Politik für das BER- Desaster ursächlich verantwortlich ist, dafür hat sie mit ihrer ergebnislosen Krisensitzung am Donnerstagabend einen weiteren Beleg geliefert.

Die verzweifelte Suche nach einem neuen BER-Flughafenchef

Experten sind sich einig, dass der erste Kardinalfehler gleich am Anfang 2006 gemacht wurde. Von einem Politiker. Der hieß Klaus Wowereit. Kurz vor Baubeginn sorgte er dafür, dass der Flughafen nicht von einem Generalunternehmen gebaut wird, sondern die Anteilseigner Bund und die Länder Berlin und Brandenburg ihn in Eigenregie errichten. Weil sie meinten, es billiger zu machen. Damit lag fortan alle Verantwortung bei der Politik, allen voran beim damaligen Aufsichtsratsvorsitzenden Wowereit.

Das Personalkarussell am BER dreht sich weiter

Am BER mussten schon viele Manager den Abflug machen. Eine Übersicht über die Köpfe, die bereits rollten.
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Mit dem Architekt verschwanden auch wichtige Unterlagen

Der zweite Kardinalfehler der Politik sechs Jahre später. Nach dem zweiten geplatzten Eröffnungstermin 2012 kündigte der Aufsichtsrat (AR) mit Wowereit noch immer an der Spitze den bisherigen Planern um den renommierten Architekten Meinhard von Gerkan fristlos. Mit ihnen verschwanden wichtige technische Unterlagen. Das ohnehin vorhandene Durcheinander wuchs sich endgültig zum Chaos aus. Es ist bis heute nicht entwirrt.

Wenn Politiker einen Flughafen bauen, scheinen sie aus Fehlern partout nichts lernen zu wollen. Dem Aufsichtsratsvorsitzenden Wowereit ist dessen Nachfolger auch im Amt des Regierenden Bürgermeisters, Michael Müller, gefolgt. Hat der schon als Senator die Berliner Verkehrslenkung nicht gemeistert, scheint er als AR-Chef, der die Geschäftsführung überwachen soll, vollends überfordert. Und nicht allein er. Statt endlich Fachleute in das Gremium zu schicken, sind insbesondere bei den Berliner AR-Mitgliedern Fachfremde wie der Grüne Justizsenator Dirk Behrendt und Kultursenator Klaus Lederer von der Linkspartei in das Gremium eingezogen.

Berlin, Brandenburg, Bund: Wer will was am BER?

Insofern war der neue peinliche Akt um den BER-Geschäftsführer Karsten Mühlenfeld fast programmiert. Wenn Müller als AR-Vorsitzender ihn schassen will – nicht wegen operativer Fehler, sondern wegen Eigenmächtigkeit – hätte er in Absprache mit Brandenburg und dem Bund eine akzeptable Alternative zu Mühlenfeld vorbereiten müssen. Hat er aber nicht.

CSU-Verkehrsminister Dobrindt hält sich vornehm zurück

Müllers Favorit Engelbert Lütke Daldrup, ein Stadtentwickler ohne große Managementerfahrung, Staatssekretär in Müllers Senatskanzlei und damit potenziell die zweite Spitzenposition für Berlin, war den anderen von vornherein als Dauerlösung nicht zu vermitteln. Brandenburg beharrte auf Mühlenfeld und CSU-Verkehrsminister Alexander Dobrindt wollte sich die Verantwortung des Bundes für den BER nicht über Gebühr ans Bein binden, indem er seinen AR-Vertreter Rainer Bomba als Mühlenfelds Nachfolger ziehen lässt. Obwohl Bomba dafür qualifiziert ist und den Job gern hätte.

Nun muss Müller als Aufsichtsratsvorsitzender lösen, was er und seine Kollegen einmal mehr am BER angerichtet haben. Zur beschleunigten Lösung der technischen Probleme trägt all das nicht bei. Und damit wackelt auch schon wieder der nächste ersehnte Eröffnungstermin 2018.

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