Rückkehrer

Für viele Flüchtlinge erfüllen sich die Hoffnungen nicht

Viele wurden durch Versprechen skrupelloser Schlepper gelockt. Ihre Erwartungen scheiterten an der Realität, meint Jens Anker.

Flüchtlinge in einer Berliner Turnhalle (Archivbild)

Flüchtlinge in einer Berliner Turnhalle (Archivbild)

Foto: dpa Picture-Alliance / Kay Nietfeld / picture alliance / dpa

Es ist ein Effekt, der fast zwangsläufig mit Verspätung eintritt: Immer mehr Menschen, die in den vergangenen beiden Jahren aus Krisengebieten nach Deutschland geflüchtet sind, reisen freiwillig in ihre Heimatländer zurück. 2016 waren es mit 1800 fast doppelt so viele wie im Jahr zuvor.

Die Gründe dafür sind vielfältig. Einerseits kommen so viele abgelehnte Asylbewerber einer Abschiebung zuvor, die mit sehr viel mehr Unannehmlichkeiten verbunden ist als die freiwillige Ausreise – und eine erneute Einreise auch als Tourist fast unmöglich macht. Andererseits haben sich für viele Hilfesuchende die Hoffnungen oder die Erwartungen nicht erfüllt.

Mitverantwortlich für den rasanten Anstieg der Asylbewerber im Jahr 2015 waren auch wilde Gerüchte über die Möglichkeiten, die Europa und vor allem Deutschland den Flüchtlingen bieten würden. Angefeuert wurden sie durch skrupellose Schlepper, die potenziellen Flüchtlingen Hoffnungen auf ein Leben in Wohlstand in Aussicht stellten, um die Menschen aus den Krisengebieten nur um ihr Geld zu betrügen, das für die Existenzgründung in der neuen Heimat gedacht war. Die allermeisten dieser Versprechen überstanden den Realitätscheck dann nicht. Bei vielen kehrte in den vergangenen Monaten Ernüchterung ein, an deren Ende dann die freiwillige Rückreise steht.

Dennoch werden viele der insgesamt rund 70.000 Flüchtlinge dauerhaft in der Stadt bleiben, weil sie vor Krieg und Verfolgung geflohen sind und eine Rückkehr für sie trotz der vielen Hürden, die sich ihnen in den Weg stellen, nicht infrage kommt. Es ist deshalb richtig, dass der Senat die Integrationsbemühungen für sie vorantreibt und Geld für Sprachkurse, Ausbildung und Berufsberatung bereitstellt. Die Erfahrungen der vergangenen Flüchtlingswellen zeigen: Jeder heute investierte Euro in die Integration spart 100 Euro Sozialkosten in der Zukunft.

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