Es scheint längst unspektakuläre Routine zu sein: Einmal im Jahr steigen in Berlin die Fahrpreise für BVG und S-Bahn. So wird es auch zum kommenden Jahreswechsel sein. Mit einem Plus von weniger als einem Prozent fällt die Preiserhöhung zwar recht moderat aus. Doch eine Position lässt aufhorchen. Erstmals, so sieht es der Tarifvorschlag vor, wird eine Monatskarte mehr als 100 Euro kosten. Genau 100,50 Euro monatlich sollen diejenigen zahlen, die vom Umland in die Berliner City fahren.

Für viele Fahrgäste dürfte damit eine Schmerzgrenze überschritten sein. Sie werden nun noch genauer als vorher durchrechnen, ob es sich lohnt, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln statt mit dem eigenen Auto in die Stadt oder zumindest bis hinter die Stadtgrenze zu fahren, ab der die deutlich günstigeren AB-Tickets gelten. Doch schon jetzt stöhnen die Anwohner in den Außenbezirken über die Blechlawinen, die sich jeden Morgen in die Stadt ergießen, und die vielen Autos, die alle Straße rings um die S-Bahnstationen zuparken.

Das sorgt nicht nur für viel Schmutz und Lärm, es mindert auch die gesamte Lebensqualität. Ganz abgesehen von den hohen Feinstaub- und Kohlendioxidwerten entlang der wichtigen Einfallstraßen wie etwa der Frankfurter oder der Prenzlauer Allee. EU-Vorgaben zum Schutz der Anwohner werden dort schon seit Jahren nicht eingehalten.

Statt – wie bei der jüngst diskutierten blauen Plakette – sich immer neue Verbote einfallen zu lassen, sollte die Politik besser Anreize schaffen, damit Berufspendler ihre Autos in der Garage stehen lassen. Doch Berlins Politiker haben freiwillig auf ihren Gestaltungsspielraum verzichtet. Stattdessen erhöht sich der Ticketpreis im Verkehrsverbund nach einer Rechenformel quasi automatisch. Das erspart ihnen zwar lästige Debatten, zukunftsweisend ist das aber nicht. Auch auf diesem Gebiet muss es einen Politikwechsel geben. Seite 9 Bericht