Erst vor einer Woche haben wir an dieser Stelle berichtet, dass im vergangenen Jahr 99 Unternehmen in die Hauptstadt gezogen sind und mehr als 6600 neue Arbeitsplätze geschaffen haben. Berlin, the place to be and the place to work, so wird die Me­tropole inzwischen in vielen Kreisen tituliert. Wir erleben eine sehr gute wirtschaftliche Entwicklung. Aber niemand kann garantieren, dass das in zehn oder 15 Jahren noch genauso ist. Deshalb liegt der Gedanke nahe, dass Berlin verstärkt seine Interessen im Ausland vertreten sollte, damit der Schwung nicht vorzeitig gebremst wird.

Der SPD-Fraktionschef im Abgeordnetenhaus, Raed Saleh, wirbt seit Langem für diese Wirtschaftsrepräsentanzen. Alles nur Wahlkampfgeklapper? Das würde zu kurz greifen. „Wir dürfen uns nicht darauf verlassen, dass die Welt sowieso zu uns kommt“, sagt er. Dem ist wenig hinzuzufügen. Berlin entwickelt sich zunehmend zu einem Wirtschaftszentrum von weltweiter Relevanz. Aber weiteres Wachstum kommt nicht von allein, dazu ist die Konkurrenz schon allein in Europa viel zu groß. Auch der Berliner Aufschwung der vergangenen Jahre war hart erkämpft.

Natürlich kann und sollte man darüber diskutieren, wo man weitere dieser Wirtschaftsrepräsentanzen aufmacht, darf nicht Klasse durch Masse ersetzen. Aber es nicht bei Istanbul und London zu belassen, sollte eigentlich gesetzt sein. Die Kosten von rund 250.000 Euro pro Büro und Jahr sind eine Investition mit überschaubarem Risiko. Viel wahrscheinlicher ist, dass das Geld reichlich verzinst bald wieder nach Berlin zurückfließt. Und diese Vermarktungsaktivitäten lassen sich auch im digitalen Zeitalter besser bewerkstelligen, wenn man die Nähe zu Märkten und Entscheidern nutzen kann. Die meisten Bundesländer betreiben solche Auslandsbüros. Auch und gerade die Hauptstadt sollte auf sie nicht verzichten.