Kommentar

Warum die Überfälle in der City West beängstigend sind

Von den Blitzüberfällen auf Geldtransporter geht eine Gefahr auch für völlig Unbeteiligte aus, meint Jochim Stoltenberg.

Dieser Geldtransporter wurde in der Leibnitzstraße überfallen

Dieser Geldtransporter wurde in der Leibnitzstraße überfallen

Foto: Frank Lehmann

Am Mittwoch hat wieder eine Bande zugeschlagen, an der Leibnizstraße einen Geldtransporter überfallen und vermutlich eine Millionenbeute gemacht. Der dreiste Raub wurde ausgerechnet vor der Filiale der Bundesbank verübt, der gepanzerte Transporter war folglich gut beladen. Wildwest in der City West?

Der Überfall reiht sich ein in eine beängstigend lange Liste schwerer Straftaten im Zentrum der westlichen City an Kudamm und Tauentzien. Dabei haben es die Kriminellen – offenbar gut informiert und organisiert – neben Bargeld vor allem auf Luxusgüter wie teure Uhren und edlen Schmuck abgesehen. Dass Banden bei ihren Überfällen insbesondere die City West im Blick haben, ist eine weniger erfreuliche Folge davon, dass sich Kudamm und Tauentzien wieder zu einer Luxusmeile entwickelt haben.

Zahlreiche renommierte Juweliergeschäfte und das KaDeWe mit ihren wertvollen Auslagen und Luxusabteilungen künden vom neuen Boom und der internationalen Anziehungskraft Berlins. Sie geraten damit aber auch verstärkt ins Visier Krimineller.

Man darf fast von Glück sagen, dass bei den bisherigen Überfallen zwar geschossen, aber noch keine Person schwer verletzt oder gar getötet wurde. Dennoch ist das Risiko auch für völlig unbeteiligte Passanten, Opfer zu werden, nicht zu unterschätzen. Immerhin schlagen die Räuber auf oder an quirligen Straßen mitten in der Stadt zu. Einmal mehr bestärkt das die Forderung nach mehr Polizeipräsenz auch in der City, um damit mehr als nur die gefühlte Sicherheit zu stärken. Angst darf sich nicht breitmachen, und mit ihr den wieder erblühten Westen welken lassen.

Gut vorbereitet reisen die Blitzräuber an

Denn die Geldräuber sind wohl vor allem Blitzräuber. Gut vorbereitet reisen sie an, schlagen zu und tauchen sofort über die östliche Grenze wieder ab. Mit Schmuckdieben hat es die Polizei etwas leichter. Sie müssen ihre Beute erst zu Geld machen oder prahlen mit den Stücken. Das eine oder andere führt meist auf ihre Spur. Am Mittwoch auf die Beute und einen mutmaßlichen Täter des weihnachtlichen KaDeWe-Raubs.