Mieten

Berühmte "Berliner Mischung" bei Wohnungen in Gefahr

Die mehrfach angekündigten Pläne für einen sozialen Wohnungsbau muss endlich auch umgesetzt werden. Ein Kommentar von Jens Anker.

Bis zu 10.000 neue Wohnungen sollen jährlich entstehen, sagt der Berliner Senat

Bis zu 10.000 neue Wohnungen sollen jährlich entstehen, sagt der Berliner Senat

Foto: dpa Picture-Alliance / Bernd von Jutrczenka / picture alliance / dpa

Zu Mauerzeiten gehörten die Neubauten am Stadtrand West-Berlins zu begehrten Wohnquartieren. Die Menschen wollten nicht länger in kaum, schlecht oder gar nicht sanierten Altbauten leben und zogen in die Wohnanlagen im Märkischen Viertel, der Gropiusstadt, nach Lichtenrade oder Kreuzberg. Vor allem Angestellte und Beamte suchten für sich und ihre Familien eine Neubauwohnung mit Zentralheizung und den „halben Zimmern“ für die Kinder.

Mit dem Fall der Mauer hat sich das geändert. Schon die danach entstandenen Neubausiedlungen in Buch und am ehemaligen Flughafen Gatow hatten Schwierigkeiten, Mieter oder Käufer zu finden. Die Berliner zog es eher in die bestehenden Altbaugebiete im Ostteil der Stadt.

Und der Trend setzte sich fort. Auch die alten Siedlungen in Staaken, Neukölln und Kreuzberg verloren an Attraktivität, einige Stadtteile entwickelten sich sogar zu Problemvierteln. Um einer Gettobildung vorzubeugen, entstand das Quartiersmanagement, das allerdings nicht in allen Kiezen in Berlin besteht, in denen es nötig wäre, um eine negative Entwicklung umzukehren.

In Zeiten der sprudelnden Steuereinnahmen wäre der rot-schwarze Senat daher gut beraten, alle Anstrengungen zu unternehmen, die neuen Problemviertel nicht zu vernachlässigen. Die mehrfach angekündigten Pläne für einen sozialen Wohnungsbau, der es sozial schwächeren Berlinern ermöglicht, in ihrem Stadtteil wohnen zu bleiben, müssen endlich auch umgesetzt werden. Zwischen der Erkenntnis, dass Berlin neue, bezahlbare Wohnungen braucht, und der Umsetzung besteht ein viel zu großes Vakuum.

Bis zu 10.000 neue Wohnungen sollen jährlich entstehen. In diesem Jahr sind es aber erst 2500 Sozialwohnungen, im kommenden sollen es 1000 mehr sein. Das reicht nicht, um die Verdrängungstendenzen aus der Innenstadt zu bremsen. Denn der Atlas der sozialen Ungerechtigkeit zeigt, dass es vor allem in Mitte und der City West einen rasanten Bevölkerungswechsel gibt, der vor allem über die steigenden Mietpreise angefeuert wird. Die Gefahr, die berühmte „Berliner Mischung“ bei den Wohnungen zu verlieren, besteht weiter akut.