Eigentlich wäre das seine letzte Berlinale gewesen. Und es wäre ein guter Abschluss gewesen. Aber Dieter Kosslick hat vor anderthalb Jahren seinen Vertrag als Berlinale-Chef noch mal bis 2019 verlängert. Er hat damals einige Häme einstecken müssen über Festivalchefs, die nicht aufhören können. Die Bilanz der 66. Berliner Filmfestspiele, die heute mit dem Publikumstag zu Ende gehen, spricht aber einmal mehr für Kosslick. Er hat Stars en masse auffahren lassen, es begann mit Meryl Streep und George Clooney am ersten Tag, und von da an hat er täglich mindestens einen veritablen Star auf einem der roten Teppiche begrüßen können. Daneben hat er aber viele Filme programmiert, die Finger in akute Wunden legen, allen voran die Dokumentation „Fuocoammare“ über die Flüchtlingsinsel Lampedusa.

Damit ist dem Berlinale-Chef einmal mehr der Spagat gelungen zwischen Kommerz und Botschaft, zwischen Glamour und politisch ambitioniertem Kino. Dass er das Festival unter das Motto „Ein Recht auf Glück“ gestellt hat, mag allzu hoch gegriffen sein. Aber es zeigt, wie ernst es ihm mit diesem politischen Anspruch ist, der die Berlinale über all die anderen Festivals hebt.

Das sind die Gewinner der Berlinale

Er war der Gewinner unter den Gewinnern: Der italienische Regisseur Gianfranco Rosi bekam den Golden Bären für den besten Film. Sein Dokumentarfilm „Fuocoammare“ zeigt den Alltag auf der Mittelmeerinsel Lampedusa, der von den ankommenden Flüchtlingen geprägt ist.
Er war der Gewinner unter den Gewinnern: Der italienische Regisseur Gianfranco Rosi bekam den Golden Bären für den besten Film. Sein Dokumentarfilm „Fuocoammare“ zeigt den Alltag auf der Mittelmeerinsel Lampedusa, der von den ankommenden Flüchtlingen geprägt ist.© REUTERS | FABRIZIO BENSCH
Trine Dyrholm erhielt einen Silbernen Bären als beste Darstellerin. Die dänische Schauspielerin wurde für ihre Rolle als Fernsehmoderatorin in „Kollektivet“ („The Commune“) geehrt.
Trine Dyrholm erhielt einen Silbernen Bären als beste Darstellerin. Die dänische Schauspielerin wurde für ihre Rolle als Fernsehmoderatorin in „Kollektivet“ („The Commune“) geehrt.© dpa | Michael Kappeler
Der Silberne Bär für den besten Darsteller ging an den tunesischen Schauspieler Majd Mastoura für seine Rolle in „Hedi“.
Der Silberne Bär für den besten Darsteller ging an den tunesischen Schauspieler Majd Mastoura für seine Rolle in „Hedi“.© dpa | Michael Kappeler
Die Französin Mia Hansen-Love bekam den Silbernen Bären für die beste Regie. In dem Film „L'Avenir“ erzählt sie die Geschichte einer Philosophielehrerin, die von ihrem Mann verlassen wird.
Die Französin Mia Hansen-Love bekam den Silbernen Bären für die beste Regie. In dem Film „L'Avenir“ erzählt sie die Geschichte einer Philosophielehrerin, die von ihrem Mann verlassen wird. © REUTERS | FABRIZIO BENSCH
Sie hatte bei der Auswahl der Preisträger großen Einfluss: Jury-Präsidentin Meryl Streep, hier mit Festivaldirektor Dieter Kosslick auf dem roten Teppich.
Sie hatte bei der Auswahl der Preisträger großen Einfluss: Jury-Präsidentin Meryl Streep, hier mit Festivaldirektor Dieter Kosslick auf dem roten Teppich.© Getty Images | Andreas Rentz
Der Silberne Bär für die beste Kamera ging an Mark Lee Ping-Bing für den chinesischen Wettbewerbsbeitrag „Chang Jiang Tu“ („Crosscurrent“)
Der Silberne Bär für die beste Kamera ging an Mark Lee Ping-Bing für den chinesischen Wettbewerbsbeitrag „Chang Jiang Tu“ („Crosscurrent“) © REUTERS | FABRIZIO BENSCH
Tomasz Wasilewski freut sich über seinen Silbernen Bären für das beste Drehbuch („Zjednoczone Stany Milosci“ / „United States of Love“).
Tomasz Wasilewski freut sich über seinen Silbernen Bären für das beste Drehbuch („Zjednoczone Stany Milosci“ / „United States of Love“). © REUTERS | FABRIZIO BENSCH
Regisseur Danis Tanovic wurde mit dem Großen Preis der Jury für „Smrt u Sarajevu“ (Death in Sarajevo) ausgezeichnet.
Regisseur Danis Tanovic wurde mit dem Großen Preis der Jury für „Smrt u Sarajevu“ (Death in Sarajevo) ausgezeichnet. © REUTERS | FABRIZIO BENSCH
Ihre Arbeit ist nun getan: die internationale Jury der 66. Berlinale. Auch der deutsche Schauspieler Lars Eidinger (2.v.l.) war dabei.
Ihre Arbeit ist nun getan: die internationale Jury der 66. Berlinale. Auch der deutsche Schauspieler Lars Eidinger (2.v.l.) war dabei.© REUTERS | HANNIBAL HANSCHKE
Filmemacher Lav Diaz erhielt den Alfred-Bauer-Preis für den Film „Hele Sa Hiwagang Hapis“ („A Lullaby to the Sorrowful Mystery“).
Filmemacher Lav Diaz erhielt den Alfred-Bauer-Preis für den Film „Hele Sa Hiwagang Hapis“ („A Lullaby to the Sorrowful Mystery“).© Getty Images | Andreas Rentz
Der tunesische Regisseur Mohamed Ben Attia wurde von der Jury für „Inhebbek Hedi“ mit dem Preis für den besten Erstlingsfilm bedacht.
Der tunesische Regisseur Mohamed Ben Attia wurde von der Jury für „Inhebbek Hedi“ mit dem Preis für den besten Erstlingsfilm bedacht.© REUTERS | FABRIZIO BENSCH
Die Portugiesin Leonor Teles gewann für ihren Film „Balada de un Batraquio“ einen Goldenen Bären für den besten Kurzfilm.
Die Portugiesin Leonor Teles gewann für ihren Film „Balada de un Batraquio“ einen Goldenen Bären für den besten Kurzfilm. © dpa | Bernd Von Jutrczenka
Ebenfalls in der Kategorie Kurzfilme wurde Mahdi Fleifel ausgezeichnet. Der dänisch-palästinensische Regisseur gewann einen Silbernen Bären für „A Man Returned“.
Ebenfalls in der Kategorie Kurzfilme wurde Mahdi Fleifel ausgezeichnet. Der dänisch-palästinensische Regisseur gewann einen Silbernen Bären für „A Man Returned“.© Getty Images | Sean Gallup
Auch er wurde für einen Kurzfilm ausgezeichnet: Chiang Wei Liang, der in „Jin Zhi Xia Mao“ die Geschichte von Arbeitsmigranten erzählt, die sich auf Taiwan niedergelassen haben.
Auch er wurde für einen Kurzfilm ausgezeichnet: Chiang Wei Liang, der in „Jin Zhi Xia Mao“ die Geschichte von Arbeitsmigranten erzählt, die sich auf Taiwan niedergelassen haben.© dpa | Bernd Von Jutrczenka

Dann ist es auch eine Kunst dieses Festivals, auf die Krisen der Welt zu verweisen, ohne direkt von ihnen betroffen zu sein. Nach den Anschlägen auf Paris war zu befürchten, dass es zu großen Sicherheitsvorkehrungen kommen würde. Aber was sich auch hinter den Kulissen abgespielt hat, auf dem Festival war nichts davon zu spüren. Und schließlich ist den Programmgestaltern eine Filmauswahl geglückt, die sich wirklich sehen lassen konnte. So viele gute Filme hat es schon lange nicht mehr gegeben.

Kosslick kann also noch Berlinale. Er wird vielleicht sogar immer besser, spielt sich zum Ende richtig frei. Es ist ja schon lange kein Fachmeeting für Spezialisten mehr, was er da leitet. Kurz vor Schluss waren bereits rund 300.000 Tickets verkauft. Die Berlinale ist ein brummender Publikumsevent.

Man muss sich nur langsam Gedanken machen, was wohl nach der Kosslick-Ära kommt. Der Mann wird noch drei Festivals ausrichten, aber die Frage stellt sich schon jetzt: Wer wird diesen Tanker in Zukunft lenken, wer soll dieses Riesenmonstrum, das sich wie eine Krake über die ganze Stadt bis in die Kieze ausgebreitet hat, übernehmen? Wird das ohne radikale Einschnitte überhaupt möglich sein? Gerade erst hat die Stage Entertainment ihr Musical Theater am Potsdamer Platz aufgegeben. Der Mietvertrag ist zwar kurz zuvor noch verlängert worden, und die Berlinale wird dort erst mal weiterhin ihren Berlinale Palast bespielen können. Aber auch die immer mal wieder, auch von Kosslick ins Spiel gebrachte Standortfrage wird dann einmal mehr diskutiert werden. Es sind noch drei Jahre hin, aber die sind im Zweifel sehr schnell um.