Kommentar

Die Anziehungskraft der Grünen Woche ist unverändert

Am Sonntag endet die Grüne Woche in Berlin. Sie liefert etwas, wonach sich die Berliner sehnen: Zuverlässigkeit.

Wenn die Grüne Woche am Sonntag zu Ende geht, wird sie knapp 400.000 Fach- und Privatbesucher in die Hallen unter dem Funkturm gelockt haben. Das sind so wenige, wie seit 2010 nicht mehr. Bei der Messe Berlin verweist man als Grund auf das Januar-Wetter – das allerdings die Anfahrt zur Agrarschau nie sonderlich begünstigt hat. Eine treffendere Ursache werden die Veranstalter wohl noch nachliefern müssen.

Es wurde aber 2016 nicht nur mit den Füßen sondern auch mit dem Portemonnaie abgestimmt. So saß den Besuchern offenbar das Geld lockerer als im Vorjahr. Nach 117 Euro in 2015 gab man jetzt im Schnitt 121 Euro aus. Davon 29 Euro für Speisen und Getränke und 92 Euro für Waren – vom Gewächshaus bis zur Tulpenzwiebel aus Amsterdam.

Die Grüne Woche bietet Zuverlässigkeit

Von manchem als piefig verlacht, bietet die Grüne Woche offenbar etwas, wonach sich die Menschen in einer sich ständig wandelnden Stadt sehnen: Zuverlässigkeit. In den 90 Jahren seit Gründung der Schau mögen Gänsestopfleber verschwunden sein und provenzalische Eselwurst zum Geheimtipp der französischen Halle geworden sein.

Aber Stil und Anziehungskraft der Grünen Woche sind unverändert geblieben. Gewiss auch deshalb haben die Teilnehmer einer Befragung zu rund 90 Prozent angegeben, sie würden die Messe weiterempfehlen und 2017 wiederkehren.

Terrorgefahr und Russland-Abstinenz

Bei aller Gleichförmigkeit blieb die Grüne Woche dennoch nicht unberührt vom Tagesgeschehen. Stammgast Russland, im vergangenen Jahr noch größter Aussteller, war im Zug der internationalen Auseinandersetzung um den Ukraine-Konflikt nicht dabei. Weltweite Terrorgefahr spiegelte sich in Taschenkon­trollen an den Eingängen und deutlicher Polizeipräsenz wider.

Und dass gerade Berlin eine Stadt ist, in der Ernährung und der Umgang mit Ressourcen neu gedacht wird, zeigte die Vielzahl von Ausstellungen, Kinderschulungen und Bio-Anbietern. Das waren Orte und Momente, wo die Grüne Woche 2016 sehr modern wirkte. Je mutiger und fantasievoller die Veranstalter diesen Weg weitergehen, desto mehr Publikum werden sie gewinnen.

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